Biotop und Linksabbieger im Fokus

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Über das Biotop in Hinrichssegen, welches im Randbereich für den Friedhofsparkplatz tangiert ist, entspann sich eine Debatte.

Bruckmühl - Der Bebauungsplan für die zweite Mangfallbrücke samt Zulauftrasse wird das prägende Thema in den kommenden Wochen sein. 153 Stellungnahmen sind dazu eingegangen.

Die Schreiben der Behörden und Träger offentlicher Belange haben die Mandatsträger bereits abgearbeitet.

Neben dem klaren Veto der Gemeinde Irschenberg gegen das Vorhaben war besonders ein Biotop in Hinrichssegen im Fokus der Diskussion. Dabei zeigten sich vor allem Klaus Papke (Grüne) und Werner Berger (OLB) von der Stellungnahme des Bund Naturschutz enttäuscht.

Befürchtung: Staus an Bahnübergängen

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Darin heißt es, dass die Trassenplanung entlang der Ostgrenze des Friedhofs Hinrichssegen ungünstig und durch die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen auch nicht heilbar sei. "Mit der Inbetriebnahme der zweiten Mangfallbrücke werden die hiesigen Kfz-Verkehrsprobleme nicht gelöst. Vielmehr werden sich die Bahnübergänge noch deutlicher als Verkehrshindernisse erweisen", so die Ortsgruppe Bruckmühl. Sie glaubt auch, dass sich die täglich prognostizierten 4000 Fahrzeuge der zweiten Brücke in Staus, unter anderem an der Einmündung Adalbert-Stifter-Straße in die Bahnhofstraße, auswirken würden.

Papke fehlte dabei insbesonders der Schutz des dortigen Biotopes: "Dessen Zerstörung ist verboten." Das Biotop werde aber nicht zerstört, betonte Bauamtsleiter Konrad Kremser mehrfach. Es könne höchstens - und dafür liege eine Sondergenehmigung bereits vor - der Randbereich geringfügig betroffen sein. Denn: "Es kann sein, dass man für die Begrenzung des neuen Friedhofsparkplatzes einen Streifen des Areals benötigt."

Georg Ettenhuber (ÜWG) und selbst Mitglied des Bund Naturschutz empfahl abschließend seinen Ratskollegen angesichts deren Enttäuschung, sich doch bei der Bruckmühler Ortsgruppe einzubringen und aktiv mitzuarbeiten. Für hämisches Gelächter aus den Zuschauerrängen sorgte dann die Beurteilung des Verkehrsgutachters Prof. Dr. Kurzak: Dieser glaubt, dass es durch die zweite Mangfallbrücke am Bahnübergang Heufeldmühle zu keinen unzumutbaren Verkehrsverhältnissen kommen werde. Bei 15:6- Stimmen nahm der Gemeinderat die Stellungnahme des Bund Naturschutz zur Kenntnis. Die Einwendung ergab keine Plan-Änderung.

Die Deutsche Telekom Netzproduktion wies wiederum auf Kommunikationslinien (Kabelverzweiger, Kupfer- und Glasfaser-Hauptkabel) in dem überplanten Bereich hin. An diese seien Verkehrswege anzupassen. Über deren Sicherung, Veränderung oder gar Verlegung könne man aber erst Angaben machen, wenn die endgültigen Pläne vorhanden sind.

Darüber hinaus sei geplant, mit der Trasse Kabelschutzrohre zu verlegen. Zudem sei die Telekom frühzeitig von den Bauarbeiten in Kenntnis zu setzen. Bei 14:6-Stimmen nahm der Marktgemeinderat das Schreiben zur Kenntnis. Im Zuge der Baumaßnahmen sei jedoch eine Verlegung nicht zu vermeiden.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim regte eine Untertunnelung für den Straßenbereich zur besseren Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen an. Diese ist aber bereits per Gemeinderatsbeschluss vom Dezember 2010 vom Tisch - "und mit den betroffenen Landwirten auch abgesprochen", betonte Bauamtsleiter Kremser. Bei Realisierung der Brücke sei durch eine höhengleiche Anbindung der Feldwege eine ausreichende Erschließung vorhanden und keine Nachteile für die Bewirtschaftung zu erwarten. Redaktionell aufgenommen wird per Beschluss mit 14:6-Stimmen aber im Plan, dass es sich bei der Ausgleichsfläche A1 um einen Wald handelt.

Die Abteilung Hoch- und Tiefbau des Landratsamtes Rosenheim stimmte grundsätzlich der Planung zu, sprach sich aber für Geschwindigkeitsbegrenzungen und Sichtdreiecke aus. Diese seien aber erst zu einem späteren Zeitpunkt der Planung umsetzbar. Außerdem: Sollten sich wegen der Linksabbieger auf der Kreisstraße RO13 Stausituationen ergeben, so sei auf Verlangen der Tiefbauverwaltung - auch im Nachhinein - eine Linksabbiegespur anzulegen. Selbige sieht die Verwaltung jedoch als nicht erforderlich an. Zumal dieser Sachverhalt mit dem Landratsamt im Vorfeld abgestimmt worden sei.

Prinzipiell sei die OLB zwar gegen die Brücke, doch wenn baulich eine Linksabbiegespur möglich sei, dann halte die Fraktion sie für sehr sinnvoll, so Berger. Bürgermeister Franz Heinritzi betonte, dass diese Idee nicht vom Tisch sei und man je nach Verkehr und Platzverhältnissen darauf zurückkommen könne. Als "leicht schizophren" empfand Michael Bernpaintner (SPD) die unterschiedlichen Aussagen des Landratsamtes: "Man kann sich bald auf keine Aussage mehr verlassen." Bei 13:7 Stimmen erfolgte dann die Abwägung ohne Änderung des Planes.

Einverständnis mit der Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans erklärte das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Die im Vorfeld erfolgten Absprachen seien enthalten eine detaillierte Stellungnahme erfolge im Rahmen des Wasserrechts. Bei 15:5-Stimmen folgte das Gremium dieser Abwägung mit dem Hinweis, dass die Planungen für die Hochwasserschutzmaßnahme laufend mit dem Wasserwirtschaftsamt abgesprochen werde.

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

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