Braucht es eine zweite Mangfallbrücke?

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Anlieger des Heimatweges befürchten wegen der zweiten Mangfallbrücke eine enorme Erhöhung des Verkehrsaufkommens in diesem Bereich.

Bruckmühl - Zahlreiche Bürger haben die hohen Kosten für das Projekt "Zweite Mangfallbrücke" kritisiert und die Notwendigkeit der Baumaßnahme in Frage gestellt.

Die hohen Kosten für das Projekt "Zweite Mangfallbrücke mit Zulauftrasse" kritisierten im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zu deren Bebauungsplan samt Flächennutzungsplan zahlreiche Bruckmühler Bürger. Auch stellten sie die prinzipielle Notwendigkeit der Baumaßnahme in Frage.

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Nicht einverstanden mit dem Projekt sind Heinz und Christa Strasser. In ihren Augen besteht die besagte Notwendigkeit für eine zweite Mangfallbrücke nicht. Auch die Kosten sind ihnen ein Dorn im Auge. Helena Schermer ging in ihrer Stellungnahme sogar noch einen Schritt weiter: Sie wollte das Geld lieber zum Wohle aller Bürger genutzt wissen, beispielsweise "wenn endlich ein Bürgerzentrum mit einer neuen Bücherei geschaffen würde." Zudem führte sie an, dass es bereits eine zweite Brücke im Bereich der Kläranlage Bruckmühl gebe.

Zu letzterem Aspekt erläuterte Bauamtsleiter Konrad Kremser, dass die Trassenführung der geplanten zweiten Mangfallbrücke auf Grundlage einer ausführlichen Alternativenprüfung erfolgt sei. Eine Verlegung des Standorts gen Osten hätte erhebliche Auswirkungen auf die Verkehrswirksamkeit der Brücke. Schließlich sei das Ziel des Bauwerks, die bestehende Brücke im Ortszentrum zu entlasten, was durch eine Standort-Verlagerung an Effizienz verlieren würde. Dieser Sachverhalt gelte auch für die Brücke südöstlich der Kläranlage. "Diese befindet sich im Übrigen nicht mehr auf Bruckmühler Gebiet, sondern bereits auf dem der Stadt Bad Aibling", so Kremser.

Zu den Kosten prinzipiell erläuterte er, dass eine Marktgemeinde eine Vielfalt von Aufgaben zu erfüllen habe. Im Zuge der zur Verfügung stehenden Finanzmittel im Haushalt werde dann im Einzelfall abgewogen. "Für den Bau der zweiten Mangfallbrücke besteht nach Auffassung des Marktgemeinderats großer Bedarf. Dies haben Machbarkeitsstudie sowie Verkehrsuntersuchungen ergeben", erläuterte der Bauamtsleiter. Diese Einschätzung habe die baufachliche Beurteilung des Staatlichen Bauamtes Rosenheim bestätigt.

Kremser erinnerte zudem daran, dass die Notwendigkeit einer zweiten Mangfallbrücke eingehend untersucht worden ist. Verkehrsexperte Professor Kurzak sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die innergemeindlichen Verkehrswege von/nach Götting sowie die Verkehrsbeziehungen im Quell- und Zielverkehr der Gemeinde durch die zweite Mangfallbrücke deutlich verbessert würden und sich so Fahrtstrecken verkürzen ließen.

Mit dem prognostizierten Verkehrsaufkommen von rund 4000 Fahrzeugen pro Tag wurde dem Brücken-Neubau eine "rechtfertigende Attraktivität" bescheinigt. Eine Sonderauswertung habe ergeben, dass durch die zweite Mangfallbrücke im Gemeindegebiet von Bruckmühl die tägliche Fahrleistung um 5200 Kfz-Kilometer zurückgehe und damit eine entsprechende Reduzierung von Kraftstoffverbauch und Emissionen verbunden sei.

Von Werner Berger (OLB) zur staatlichen Förderung befragt, erklärte Kremser, dass man hier nicht von einer Erschließungsstraße im herkömmlichen Sinne sprechen könne. Deren Bau würde auf die Anlieger umgelegt. "Die vorliegende Planung dient aber nicht zum Anbau für Zufahrten zu Wohn- oder Gewerbegebieten", schlüsselte der Bauamtsleiter auf. Auch der Befürchtung, dass es sich bei den Trassen später um eine Staats- oder Kreisstraße handeln könnte, erteilte er eine Absage. "Dann wären wir nicht Baulastträger."

Klaus Papke (Grüne) wiederum ging mit Bürgermeister Franz Heinritzi nicht konform, dass es sich hierbei um einen Bau für nachfolgende Generationen handle. "Ich sehe eine hohe gesundheitliche Belastung für die Bürger, welche selbst die Gesundheitsabteilung des Landratsamtes Rosenheim nicht ausschließen kann", bemängelte Papke. Für ihn würde zur besseren Anbindung von Götting an Bruckmühl der Ausbau des Göttinger Stegs völlig ausreichen.

Bei sechs beziehungsweise fünf Gegenstimmen wurden diese Stellungnahmen zur Kenntnis genommen. Eine Änderung für die Planung ergab sich hieraus ebenso nicht wie aus den folgenden Einwendungen. So hatten Nicole van der Hurk-Fiegle und Wilfried Fiegle neben der Verschuldung der Marktgemeinde durch den anvisierten Bau das "überproportional zunehmende Verkehrsaufkommen" im Heimatweg angeprangert. Dies werde unter anderem durch Navi-Umleitungen von der Autobahn Irschenberg zur Staatsstraße begünstigt. "Eine Entlastung, wie behauptet, ist dies nicht für die Bürger, im Gegenteil", heißt es in der Stellungnahme. Die beiden forderten deshalb, dass die Bruckmühler Bürger zum Brückenbau befragt werden und über das Projekt entscheiden sollen.

Der Verkehrsgutachter kommt aber laut Kremser zu dem Ergebnis, dass sich die Verkehrsbelastung des Heimatweges beim Bau der zweiten Mangfallbrücke im Prognosejahr 2025 im westlichen Teil (Einmündung der Straße Am Triftbach bis zur Sudetenstraße) im Vergleich zur Verkehrsbelastung ohne Brückenbau (auch 2025) um 200 bis 800 Fahrzeuge pro Tag erhöhen werde. "Die Verkehrsbelastung wird nur in einem Teil des Heimatweges zunehmen, der andere Teil wird vom Verkehr entlastet", so der Bauamtsleiter. Hinsichtlich der Navigationsgeräte gehe man davon aus, dass der Weg über die Kreisstraße RO13 sowie die Süd- beziehungsweise Westumgehung zur Autobahn-Anschlussstelle Bad Aibling oder zur Staatsstraße 2078 gewählt werde.

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

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