Budapester Kurze und Vorwerkhähne

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Wurde von den Besuchern bestaunt: ein Prachtexemplar von einem Hahn.

Bad Aibling - Dass Hühner nicht nur braun sind und auf dem Bauernhof leben und dass genausowenig alle Tauben grau sind und Krankheiten übertragen, wurde bei der Kreisgeflügelschau in der Fliegerhalle am Wochenende deutlich.

Der Geflügelzuchtverein Bad Aibling hatte in diesem Jahr die Ausstellung organisiert und 1108 Tiere in die Kurstadt geholt. Die Besucher konnten sich dabei überzeugen, welche enorme Vielfalt es unter Geflügeltieren gibt.

"Budapester Kurze" heißt diese Taubenart.

Schon auf dem Parkplatz vor der Fliegerhalle hörte man Hühner gackern, Tauben gurren und Hähne krähen. Innen war der Geräuschpegel noch um einiges höher. In den Käfigboxen gab es außergewöhnliche Arten zu begutachten, wie etwa die Budapester Kurzen. Das ist eine Taubenart mit buntem Federkleid, die mit großen Glubschaugen das rege Treiben um die Käfige beobachteten. Ebenso beeindruckend waren die großen Toulouser Gänse, die bis zu zehn Kilo schwer werden können und in Deutschland sehr selten sind. Ausgestellt waren auch Vorwerkhähne, die hierzulande vom Aussterben bedroht sind.

Seit Mittwoch lieferten Züchter aus ganz Bayern ihr Geflügel nach Bad Aibling. Am Donnerstag prämierten Preisrichter die besten Tiere. Sie hatte bis zu 80 Vögel zu begutachten. Anton Eberl erhielt dabei einige Auszeichnungen.

Besonders seine Hähne sind unter Züchtern sehr bekannt. Er beschreibt die Begeisterung am Geflügelzüchten so: "Es ist toll, das Werden von den Tieren mitzuerleben. Erst hast du ein Ei, dann ein Küken und später einen Vogel, der fliegen kann. Eine unheimliche Entwicklung innerhalb einer relativ kurzen Zeit."

Eberl hat sich auf Hähne, Hühner und Tauben spezialisiert. Der Gedanke beim Rassezüchten ist recht simpel: Der Schönste gewinnt. Doch bis zum prämierten Hahn oder Huhn ist es ein weiter Weg: "Dass die Zuchttiere vital sind, ist das A und O beim Züchten. Der Schlüssel zum schönen Tier ist die Verpaarung untereinander", so Eberl. Typische Merkmale beim Rassezüchten sind das Federkleid, der Schnabel oder die Kopfform.

Dass sein Hobby eine Sisyphusarbeit ist, sieht der begeisterte Züchter ein: "Wenn meine Hühner Eier legen, beschrifte ich jedes einzeln. Nur so kann ich nachverfolgen, aus welchem Stammbaum es kommt. Wenn das Küken ein paar Tage alt ist, befestige ich einen Plastikring, auf dem der Zuchtstamm vermerkt ist." Einen enormen Aufwand betreibt er auch bei der Fütterung. Dabei greife er oft auf Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch zurück. Anschließend werde dies mit Getreide und Bierhefe aufgemischt.

In Eberls Augen hat die Geflügelzucht ein großes Nachwuchsproblem. Diese Ansicht teilt Johann Buchner, Vorsitzender des Kreisverbands Rosenheim und Ausstellungsleiter: "Wir haben zu wenige junge Leute in unseren Reihen. Ihnen fehlen oft die Möglichkeiten und der Platz, um eine aufwendige Zucht zu betreiben. Es ist schwer, Jugendliche für die Zucht zu begeistern. Die gehen lieber ins Kino oder haben ein anderes Hobby."

Auf der Kreisflügelschau stellten immerhin 16 Nachwuchszüchter ihre Tiere aus. Doch der Nachwuchsmangel ist nicht das einzige Problem der Zuchtvereine. "Wir sind momentan auf der Suche nach einem neuen Unterstellplatz für unsere Käfige und Gerätschaften. Unser aktueller Unterstand wird bald abgerissen. Dann stehen wir mit unserem Inventar auf der Straße", erklärt Eberl. Es gebe zu viele Menschen, die sich über die Geräusche der Tiere beschweren und kein Verständnis zeigen.

Kein Verständnis haben die Züchter ihrerseits für die zahlreichen Tauben, die sich beispielsweise in Rosenheim tummeln. "Die Tauben müssen weniger werden. Das sind Krankheitsüberträger und sie werfen ein schlechtes Licht auf unsere Zuchttauben", sagt Vorstand Buchner. Dass Zuchttauben mit den gewöhnlichen Stadttauben nicht zu vergleichen sind, zeigte die Kreisflügelschau. Hier war kein einziger mausgrauer Vogel zu sehen, sondern jede Taube hatte ein strahlend buntes Federkleid und ein gesundes Aussehen.

Insgesamt war Buchner mit der Kreisgeflügelschau sehr zufrieden: "Die letzten Tage sind super verlaufen. Es waren viele Leute da und die Halle ist ein optimaler Platz für unsere Ausstellung."

bok/Mangfall-Bote

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