Wird das Hallenbad zum Bürgerbad?

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Der erste Familiennachmittag - ein neues Angebot an einem Ferientag der Interessengemeinschaft Hallenbad Prantseck - gefiel den Kindern. Sie hatten besonders viel Spaß an den schwimmenden "Spielsachen".

Bad Aibling - Die Tage des Hallenbads Prantseck sind gezählt. Auch wenn der Pachtvertrag noch einmal für ein Jahr verlängert wird, eine dauerhafte Alternative wird gesucht.

Eine Lösung scheint sogar in greifbare Nähe zu rücken. Denn derzeit stehen die Verantwortlichen in Verhandlungen für ein Bürgerbad auf dem Sportareal in Mietraching.


Wie immer wird dieses Vorhaben eine Kostenfrage sein. Doch die Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Hallenbad Prantseck, Elisabeth Gessner, und ihre Stellvertreterin Angelika Regnat-Struckmann sind optimistisch. Mit Herzblut kämpfen sie für den Erhalt eines Schwimmbades in der Kurstadt. Hauptsächlich Schulen und Vereine nutzen bis dato das wohl temperierte Nass an der Ellmosener Straße. Daneben steht es den Bürgern zum Schwimmen offen.

Basteln an einem Finanzkonzept für ein Bürgerbad: Die Vorsitzenden der Interessengemeinschaft (IG) Hallenbad Elisabeth Gessner (rechts) und Angelika Regnat-Struckmann (links).

Die gleiche Nutzung wäre auch bei einem Neubau - wie er derzeit auf dem B&O-Gelände auf städtischem Grund im Gespräch ist - angedacht. Vorsichtige Kostenschätzungen für ein Schwimmbecken mit 25 auf 12,80 Metern (wie bisher), aber im flachen Teil mit mehr Tiefe, Kinderbecken, Lehrbecken und Umkleiden et cetera liegen bei sechs Millionen Euro. "Wir haben die Vision von einem Bürgerbad, das wettkampftauglich ist und für Vereine und Schulen ein ideales Training ermöglicht", so Gessner und Regnat-Struckmann unisono.


Die beiden setzen sich seit Jahren für den Erhalt eines Hallenbades in der Kurstadt ein: Denn: "Es gibt keinerlei Alternativen zu unserem Bad in der Umgebung. Gleichzeitig gebe es knapp 500 Kindergartenplätze in Bad Aibling. Wo sollen unsere Kinder und Enkelkinder denn schwimmen lernen?", so Elisabeth Gessner. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Teilnehmerzahlen an den Schwimmkursen der verschiedenen Anbieter. Knapp 500 Buben und Mädchen hätte man unterrichtet, 43000 Besucher insgesamt hatte man im vergangenen Jahr. "Und es werden ständig mehr Bürger, die sich an unseren Angeboten erfreuen", betonte Angelika Regnat-Struckmann. Das Hallenbad sei zum Treffpunkt vieler älterer Bürger geworden. Ratschen und miteinander Sport treiben, könnten hier einhergehen. Alt und Jung würden ebenfalls zusammengeführt.

Jeder Tag sei voll belegt - von 8 bis 21 Uhr. Jüngstes erfolgreich angelaufenes Angebot: ein Familiennachmittag. Dieser soll künftig immer jeweils an einem Tag in den Ferien angeboten werden. Darüber hinaus würden Kindergeburtstagsfeiern ausgerichtet - "die Eltern freuen sich, über diese Feiergelegenheit und die Kinder haben ihren Spaß", so die beiden Vorstandsmitglieder.

Dennoch schwebt ein "Damoklesschwert" über der Interessengemeinschaft: Zum 1. Juli läuft - wie berichtet - der Pachtvertrag mit der Stadt und somit auch mit dem Seraphischen Liebeswerk (Altötting) als Eigentümer aus. "Die Zeichen stehen aber günstig, dass möglicherweise der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert werden kann", so Gessner. Bis Ende Februar müsste aber eine Entscheidung fallen - auch was die langfristige Zukunftsplanung betrifft. Dazu will den beiden Frauen zufolge Bürgermeister Felix Schwaller noch Gespräche mit Landrat Josef Neiderhell führen. Ein erstes Treffen verlief positiv. Möglicherweise könnte der Landkreis sich an der künftigen Schwimmsportstätte in Mietraching finanziell beteiligen, da das sportliche Schwimmen in Schulen und Vereinen oftmals mangels Trainingsmöglichkeit entfalle. Auch Rettungsorganisationen müssten vor allem im Winterhalbjahr üben, um für die Einsätze an Seen und in Schwimmbädern im Sommer fit und gut ausgebildet zu sein.

Trotz größtem Augenmerk auf Sparsamkeit liege der Knackpunkt im alten Hallenbad Prantseck eindeutig auf den Energiekosten. Diese könnten von 13000 Euro im Monat um mindestens 5000 Euro reduziert werden. Schließlich sei bei einem Neubau die Dämmung viel besser. Ebenso könne man beispielsweise die Sonnenenergie nutzen.

Zudem weist das Hallenbad-Gemäuer an der Ellmosener Straße immer wieder Schäden auf (wir berichteten). Aktuell muss neben den laufenden Instandhaltungskosten ein Zuluftmotor in den Umkleiden und Duschen für rund 1000 Euro erneuert werden.

Denn bis die Zukunft eindeutig geklärt ist, wollen die Verantwortlichen der IG Prantseck an der Qualität ihrer Einrichtung festhalten. Dazu gehören auch die täglich, zweifachen Wasserproben sowie alle zwei Monate die Prüfung durch ein zertifiziertes Büro.

Dass die Interessengemeinschaft die "Flinte nicht ins Korn wirft" dokumentiert auch die jüngste Teilnahme an der Fachtagung "Pro Bad" in Lünen (Westfalen). Die beiden Vorsitzenden informierten sich über das "Kulturgut Schwimmbad" als besonders förderungs- und erhaltungswerte Einrichtung für die Gesellschaft. Fazit der bundesweiten Vorstände: Früher lernten die Kinder meistens von ihren Eltern das Schwimmen im nahe gelegenen Gewässer. Heutzutage würden die Kleinen ausgebildeten Fachkräften übergeben, die ihnen die ersten Schwimmzüge beibringen. Sicheres Schwimmen gehöre zur Grundversorgung der Bevölkerung, deshalb seien die Bäder unverzichtbar für eine soziale Infrastruktur. "Bad Aibling als Mittelzentrum und Gesundheitsstadt weiß, welch kostbares Gut die Gesundheit jedes Einzelnen und der gesamten Gesellschaft ist", so Gessner. Von der Stadt erhalte die Interessengemeinschaft schon seit langem monatlich einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro, um überhaupt das Hallenbad stemmen zu können. "Hier erfahren wir eine starke Rückendeckung", betonnen die Vorsitzenden.

Um das Bürgerbad Realität werden zu lassen, braucht es neben dem "grünen Licht" und möglichen Finanzspritzen von Seiten der Behörden trotzdem Sponsoren oder Spenden. Letztere sind auf das Konto 2924706 bei der Volksbank Raiffeisenbank Mangfalltal eG, BLZ: 71160000 einzahlbar. Spendenquittungen werden ab 100 Euro ausgestellt.

Mangfall-Bote

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