Carbon-Prototypen: C-Matrixx baut in Bad Aibling

+
Spezialisten auf dem Gebiet Medizintechnik aus Carbon: Die C-Matrixx-Geschäftsführer Werner Kranner (links) und Ralf Freiberger vor einer Unterdruckröhre.

Bad Aibling - Carbon: schwarz schimmernd und von enormer Steifigkeit: Diesem Werkstoff hat sich das Bruckmühler Unternehmen C-Matrixx verschrieben.

Schwarz schimmernd und von großer Steifigkeit: Diesem Werkstoff hat sich das Unternehmen C-Matrixx verschrieben, das ab nächstem Frühjahr die Aiblinger Gewerbemischung bereichern will. Kommende Woche ist Spatenstich für den Bau des neuen Firmensitzes im Gewerbepark Markfeld. Dann werden in Zukunft Prototypen für Medizintechnik, aber auch Werkzeugbau und Luftfahrt in Bad Aibling entstehen.

Vor neun Jahren gegründet und wenig später im Bruckmühler Gewerbepark angesiedelt, hat sich das Unternehmen zwischenzeitlich auf Medizintechnik spezialisiert: Von eigens entwickelten OP-Tischen über Spezial-Befestigungen bis hin zu Carbon-Fußprothesen - die Entwicklung bei C-Matrixx macht vor nichts halt. Ständig wird an Prototypen gefeilt, Erfolgsmodelle gehen in die Serienproduktion über.

Und der Markt boomt: Volle Auftragsbücher ließen die junge Firma um die beiden Geschäftsführer Ralf Freiberger (kaufmännisch) und Werner Kranner (technisch) nach Erweiterungsmöglichkeiten suchen - erst im Gewerbepark Bruckmühl, wo sie sich zwischenzeitlich auf drei Gebäude ausgebreitet haben, und nun der geplante Neubau in Bad Aibling. "Wir wachsen stetig, zudem sollen mit dem Neubau die Logistik verbessert und die firmeninternen Wege verkürzt werden", erklärte Freiberger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Vorgesehen ist im Markfeld auf dem ehemals für den städtischen Bauhof "reservierten" Areal, wie berichtet, eine rund 3000 Quadratmeter große Produktionshalle, angeschlossen ein modern gestaltetes Verwaltungsgebäude. Ein anfangs angedachter Anbau für Sozialräume und Haustechnik im rückwärtigen Teil fiel indes einer Überplanung zum Opfer (Tektur): Diese Bereiche werden in einem ersten Obergeschoss in der Produktionshalle untergebracht, um sich damit eine Erweiterungsmöglichkeit der Halle (rund 600 Quadratmeter) offen zu halten. Gleichzeitig hält das Unternehmen bei der Stadt das Vorkaufsrecht für die zweite Hälfte der insgesamt gut 9000 Quadratmeter großen "Bauhoffläche" für eine weitere Expansion.

Denn die Entwicklung bei C-Matrixx läuft auf Hochtouren. Aktuelles Projekt: Fuß-Prothesen aus Carbon, kombiniert mit einem weiteren speziellen Material, das die Nutzung enorm verbessern und für einen optimalen Trage- und Bewegungskomfort sorgen soll. "Die von uns geschaffene Materialkombination ist eine absolute Neuheit auf diesem Gebiet", so Technikchef Kranner. Eine erste Reihe geht den Geschäftsführer zufolge derzeit in die Vorserie, an weiteren Prototypen wird in abgeschotteten Räumen gefeilt.

Ebenfalls federführend ist das künftige Aiblinger Unternehmen in punkto OP-Tische und Behandlungsunterlagen (für Strahlentherapie): Auch hier gelang Kranner und seinem Team eine "Revolution": Carbon-Tische und Unterlagen sind deshalb so gefragt, da Kohlefaser als organisches Material Röntgenstrahlen durchlässig ist - "bislang störte bei den OP-Tischen allerdings die Reling aus Metall, an der Infusionen etc. befestigt werden", so Kranner. Hierfür präsentierte C-Matrixx die Lösung: eine Schiene, vollständig aus Carbon und damit beim Röntgeneinsatz durchlässig.

Viel Entwicklungsarbeit steckte Kranner zufolge zudem in den Vorrichtungen für die Strahlentherapie: Sowohl die Unterlage als auch die Kopfbefestigung zur exakten Justierung des Patienten wird aus feinsten Carbonmatten gefertigt, um eine homogene Bestrahlung zu ermöglichen. Zudem sind die zu zwei Dritteln frei schwebenden Carbonliegeplatten auf höchste Steifigkeit ausgelegt: "Auf 250 Kilogramm Patientengewicht und eine Gesamtbelastung von 1000 Kilogramm", so Kranner.

Von der neuen Produktionsstätte im Markfeld, in der möglichst ab April/Mai der Betrieb aufgenommen werden soll (Spatenstich am Dienstag), erhoffen sich die beiden Geschäftsführer, zum einen die Serienfertigung ausweiten, zum anderen neue Technologien und spezielle Verfahren forcieren zu können. Mit Erweiterung der Produktion rechnen Freiberger und Kranner überdies damit, neue Arbeitsplätze (aktuell 45) schaffen zu können, ebenso weitere Ausbildungsplätze zum Verfahrensmechaniker im Kunststoffbereich - "im Prinzip Carbonspezialisten", so Freiberger. "Die wenigsten kennen dieses Berufsbild, Facharbeiter sind in diesem Bereich aber sehr gefragt angesichts des weiter wachsenden Marktes, vor allem in der Automobilindustrie", rechnet der Firmenchef mit einem weiteren Boom. Ein Rekordjahr hat das Unternehmen bereits hinter sich: mit einer Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Krisenjahr und einem Umsatz von 4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2010.

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT