„Das Leid ist unfassbar groß“

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Rosenheim/Islamabad - Sie half nach dem Tsunami auf Sri Lanka und nach dem Erdbeben auf Haiti: Sue Hasenpflug aus Rosenheim hat schon viel Leid gesehen auf dieser Welt.

„Doch die Not und Armut in Pakistan übersteigt jede Vorstellungskraft“, sagt die Krankenschwester und Physiotherapeutin nach ihrem 14-tägigen Hilfseinsatz in Asien. Ihr Erlebnisbericht ist erschütternd: „Mir kamen immer wieder die Tränen. Viele Kinder mit Krankheiten, die in Deutschland leicht zu heilen wären, haben in Pakistan derzeit keine Überlebenschance.“

Eine Fläche so groß wie Italien unter Wasser, die Lebensgrundlagen von über 17 Millionen Menschen hinweggespült von einer beispiellosen Flut: Pakistan im August 2010. Krankheiten und Epedemien breiten sich aus, vielen droht der Hungertod. Als Sue Hasenpflug die erschütternden Bilder sieht, schießt ihr nur ein Gedanke durch den Kopf: „Ich muss helfen.“

Rosenheimerin hilft in Pakistan

20 Tonnen medizinisches Equipment – eine gut sortierte und durchdachte, speziell für einen solchen Einsatz zugeschnittene Palette – haben Hasenpflug und die Navis-Helfer dabei. Nach dem Auspacken beginnt der Behandlungsmarathon. Unter den Pakistani spricht sich schnell herum, dass sich deutsche Ärzte und Krankenschwestern um Kranke kümmern. Das örtliche Krankenhaus steht ein paar Kilometer weiter völlig unter Wasser– und außer den Navis-Leuten sind keine Retter in Sicht.

Das Einzugsbegiet das Lazaretts ist riesig: Es umfast zweieinhalb Motorradstunden – die neue „Maßeinheit“ für Entfernungen im überfluteten Land. Hasenpflug ist im Frauen- und Kinderzelt pausenlos im Einsatz: Zusammen mit ihrer Kollegin behandelt sie im Feldlazarett 140 Patienten am Tag: etwa 80 Frauen und 60 Kinder, die meisten haben Schmerzen und Fieber, leiden an Magen-, Darm- und Hauterkrankungen oder Insektenstichen, die sich zum Abszess entwickelt haben. Auch Malaria-Fälle sind dabei.

56 Grad werden im Zelt gemessen – bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Doch mehr als die unerträgliche Hitze macht der Rosenheimerin zu schaffen, was sie auf der Trage sieht: Halbverhungerte Kleinkinder, die keineswegs erst vier Monate alt sind, wie sie schätzt, sondern 14 Monate. Oder Patienten in sehr kritischem Zustand, die in Deutschland sofort auf die Intensivstation kämen, hier aber nach Hause geschickt werden müssen – oder vielmehr ins Nichts, denn ein Zuhause hat kaum noch jemand.

Ständig bilden sich Menschenschlangen vor den Zelten – im Schlaflager haben es die Helfer aus Bayern dagegen mit echten Schlangen zu tun. Eine hochgiftige Krait-Giftnatter hat es sich im Bad auf der Klobrille gemütlich gemacht. Nur gut, dass ein einheimischer Schlangenfänger schnell zur Stelle ist – wie Hasenpflug auch sonst nur auf Menschen stößt, die ihr mit großer Dankbarkeit und Freundlichkeit begegnen. Das gilt auch für die Behörden: Staatsbeamte tragen die Helfer aus Europa – vom Zoll am Flughafen bis zum Lazarett – über alle bürokratischen Hürden hinweg.

Ist es gefährlich? Ist die Hilfe überhaupt erwünscht? Die Herzlichkeit der Pakistani lässt alle Zweifel der Helfer schon am ersten Tag verfliegen. So wird die Mission zu einem Erfolg: Viele Kinder und Frauen dürfte Hasenpflug vom Tod bewahrt haben. Und: Die Bargeldpenden aus Rosenheim und Umgebung, die sie nach Pakistan mitgenommen hatte, haben drei Kindern den Weg in eine Spezialklinik frei gemach, wo sie in Absprache mit dem ärztlichen Navis-Leiter behandelt werden. Doch sie sind nur drei von vielen Millionen Kindern, Frauen und Männern, die ums Überleben kämpfen. Eine Cholera-Epedemie droht. Hasenpflugs Appell: „Wir müssen diesen Menschen helfen!“

Kontakt, Infos: Tel. 08031 / 2316063, e-mail: mail@suehasenpflug.de

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © re

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