„Der Brandschutz muss in öffentlicher Hand bleiben“

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Rosenheim - Wohin das Auge reichte, erblickte man in der Innenstadt überall Feuerwehrfahrzeuge. Anlass war der Landesfeuerwehrtag mit Besuch von rund 300 Führungsdienstgraden.

Im Kultur- und Kongresszentrum zog der Landesvorsitzende des Feuerwehrverbandes, Alfons Weinzierl, eine überwiegend positive Bilanz, wies aber auch auf noch aufzuarbeitende Probleme hin. Vorsorge, engagierte Menschen und die gute Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen sei das beste Rezept um einer Gefahr zu begegnen, sagte Weinzierl.

Gerade in jüngster Zeit habe sich herausgestellt, welchen Wert ein vernünftiges Hilfesystem hat. Weinzierl kritisierte die europäische Gesetzgebung, die immer mehr versuche in die Arbeit der Feuerwehr, zum Beispiel beim geplanten Aufbau eigener Katastrophenschutzeinheiten, einzugreifen. „Brandschutz und Rettungsdienst müssen weiterhin in öffentlicher Hand bleiben. Versuche der EU-Verantwortlichkeiten den Brandschutz und Hilfeleistungen in eine höhere Ebene zu ziehen, sabotiere die Freiwilligkeit“, sagte Weinzierl. Feuerwehr sei eine kommunale Pflichtaufgabe.

Über 330.000 Männer und Frauen und über 50.000 Mädchen und Buben bekennen sich freiwillig zu dieser Arbeit, sagte Weinzierl. So ergebe sich ein flächendeckendes Hilfeleistungsnetz. Freiwillige Feuerwehren seien in einer Zeit wo alle Parteien über eine bessere Möglichkeit der Bürgerbeteiligung nachdenken, ein Leuchtturm bei der Übernahme von Verantwortung im Gemeinwesen.

Verbandstag der bayerischen Feuerwehren im KuKo

An die Politik gerichtet nannte es der Chef der Bayerischen Feuerwehren „ein Spiel mit dem Feuer“ in Zeiten des demografischen Wandels den Standard der Ausstattung abzusenken oder freiwillige Feuerwehren zwangsmäßig zusammenzulegen. Wer einmal weg sei komme nie wieder.

Weinzierl sagte, wer dort hinein läuft wo andere heraus laufen habe nicht nur Anspruch auf lobende Worte sondern auch auf spürbare Anerkennung. Sorge äußerte Weinzierl mit Blick auf die demografische Entwicklung und einem sich abzeichnenden Nachwuchsproblem. Der Rettungsschirm könnte über Nacht Lücken bekommen. Schon jetzt gebe es an machen Orten durch Auspendler und einem veränderten Freizeitverhalten Probleme bei der Tagesalarmsicherheit, sagte Weinzierl.

Mit einer Werbeaktion wollen Bayerns Feuerwehren deshalb mit einer über drei Jahre laufenden Werbeaktion Mitglieder werben und auf die Arbeit aufmerksam machen.

Innenminister Joachim Herrmann bescheinigte den Feuerwehren Zivilcourage im höchsten Maß. Die Feuerwehr sei eben keine Bürgerinitiative die nur unterwegs ist, um eigene Interessen durchzusetzen, etwas zu verhindern oder gegen etwas zu protestieren. Im Gegensatz zu den Motiven mancher nannte Herrmann den Feuerwehrdienst ein großartiges Engagement. In seiner Rede vor den 300 Delegierten würdigte der Minister vor allen das Ehrenamt, das in Bayern einen hohen Stellenwert habe.

Beim Thema Digitalfunk versteht der Minister die Aufregung der Bürger nicht. Statt der bisher für den analogen Funk vorhandenen 3500 Funkmasten benötige der Digitalfunk nur 1000 dieser Anlagen. Es sei vorgesehen die Einführung des Digitalfunks bis 2013 abzuschließen. Unter dem Begriff Klimawandel müssten sich die Feuerwehren wie die übrigen Hilfsdienste in den kommenden Jahren über die Alltagsgefahren hinaus noch mehr als bisher auf extremere Wettersituationen einrichten. Ein Grund mehr um bei der Förderung nicht nachzulassen, sagte der Minister. Ausgezeichnet wurden zwei Rosenheimer Betriebe, die Firma Karl und Krones.

Weinzierl bezeichnete es als vorbildlich, dass sich die beiden Unternehmen aktiv zum Feuerwehrdienst bekennen und auch Mitarbeiter bei Einsätzen freistellen während anderswo eine zunehmende Zurückhaltung diesbezüglich festzustellen sei. Ausgezeichnet wurden auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und der Kommandant der Rosenheimer Wehr Hans Meyrl.

jre

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