Rheumachirurgen tagten in Bad Aibling

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Rheumatologen tagen in Bad Aibling.

Bad Aibling - Rheumachirurgen aus Deutschland und Japan haben in Bad Aibling neue Therapieoptionen für Rheuma-Patienten diskutiert.

Bereits zum 11. Mal haben sich am Wochenende (27./28.8.) die Rheumachirurgen der DGOR (Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie) mit ihren japanischen Kollegen der JSRAS (Japanese Society of Rheumatoid Arthritis Surgery) in Bad Aibling getroffen. Themenschwerpunkt der diesjährigen Tagung waren die Veränderungen in der chirurgischen Therapie unter dem Einfluss der modernen Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten. Nach dem Treffen in Bad Aibling reisen die japanischen Mediziner nun nach München zum Deutschen Rheumatologen-Kongress weiter. Kongresspräsident ist dort in diesem Jahr Dr. Stephan Schill, Chefarzt des Gelenkzentrums der Schön-Klinik Harthausen.

Seit mehr als 20 Jahren besteht die intensive Freundschaft zwischen den Mitgliedern beider Fachgesellschaften, die sich im 2-jährigen Turnus in Deutschland beziehungsweise in Japan treffen. Heuer kamen 33 japanische Kollegen aus allen Teilen Japans an, um sich mit ihren deutschen Kollegen auszutauschen.

Unter dem Begriff Rheuma, so Dr. Stephan Schill, fassen Experten mehr als 100 verschiedene entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammen. Auch die verschleißbedingten Krankheiten wie Arthrose zählen zum sogenannten „rheumatischen Formenkreis“. Menschen jeden Alters sind von diesen oft schweren, schmerzhaften und vielgestaltigen Erkrankungen betroffen: Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden allein an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung.

Rheumatische Erkrankungen lassen sich heute in der Regel mit Medikamenten behandeln. Doch nicht immer gelingt es, das Fortschreiten der Gelenkzerstörung zu verhindern. Eine rechtzeitige Operation kann den Betroffenen dann viel Leid ersparen. Dank technischer Fortschritte können die Ärzte viele Eingriffe heute minimal-invasiv durchführen. „Rheumapatienten, bei denen Medikamente die Gelenkzerstörung nicht stoppen können, sollten frühzeitig operiert werden“, sagt Dr. Stephan Schill, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), die gemeinsam mit der DGRh (Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie) in München tagt. „Ziel ist es, die entzündlich veränderte Gelenkschleimhaut zu entfernen, bevor es zu dauerhaften Schäden an Gelenken und Weichteilen kommt.“ Dies ist heute in der Regel ohne große Operation möglich. Viele Eingriffe können die Ärzte minimal-invasiv während einer Gelenkspiegelung, der Arthroskopie, durchführen. Für die Patienten ist dies wesentlich schonender als eine offene Operation. „Arthroskopische Gelenk- und Weichteileingriffe sind mit deutlich weniger Schmerzen und einer besseren Gelenkfunktion verbunden“, betont Schill, der auch am MVZ Gelenkzentrum Rosenheim tätig ist. Zudem können die Patienten das Krankenhaus früher verlassen. Auch für die Rehabilitation ist weniger Zeit nötig. Doch nicht immer lässt sich die natürliche Gelenkfunktion durch einen minimal-invasiven Eingriff erhalten. Bei schweren Krankheitsverläufen müssen die Ärzte das Gelenk ersetzen oder versteifen. Versteifungen sind heute jedoch nur noch selten notwendig. Denn für die meisten großen und kleinen Gelenke von der Hüfte bis zu den Fingern stehen mittlerweile Kunstgelenke zur Verfügung. „Die Rheumachirurgie hat hier gerade im Bereich von Ellenbogen-, Handgelenk-, Fingergelenk- und Sprunggelenkersatz Pionierarbeit geleistet und entscheidend zur Weiterentwicklung der heute verfügbaren Modelle beigetragen“, berichtet Schill.

Trotz der guten Ergebnisse chirurgischer Eingriffe haben medikamentöse Therapie, Krankengymnastik und andere konservative Maßnahmen auch für den Chirurgen Schill Vorrang. Erst wenn hier die Möglichkeiten ausgereizt seien, komme eine Operation infrage. Die Behandlung von Rheumapatienten sei Teamwork, so der Experte. Orthopäden, Internisten und Physiotherapeuten müssten gemeinsam mit dem Chirurgen bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation gekommen sei. Dann sollte der Eingriff aber nicht unnötig hinausgeschoben werden. „Gerade die Kombination aus chirurgischer Frühintervention und effizienter medikamentöser Therapie hat die Langzeitergebnisse für Rheumapatienten erheblich verbessert“, betont Schill.

Pressemeldung Isa Gartiser

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