Diakonie übernimmt Bürgerhaus

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Das Bürgerhaus soll im Frühjahr 2011 bezugsfertig sein.

Kolbermoor – Das historische Gebäude an der Von-Bippen-Straße 21 wird zum Bürgerhaus. Die Diakonie wird dort künftig Beratungs- und Betreuungsangebote vor allem für ältere Kolbermoorer Bürger stellen.

Das Haus, das zum Ensemble der alten Spinnereiwerksiedlung gehört, wird derzeit saniert und soll bis zum Frühjahr 2011 bezugsfertig sein.

"Wir werden diesen Betrieb mit Leben füllen und eine zentrale Begegnungsstätte für unsere Senioren schaffen", kündigte Bürgermeister Peter Kloo in der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch an. CSU-Sprecher Günther Zellner erinnerte an die unterschiedlichen Meinungen, die es in seiner Fraktion zur Zukunft des Gebäudes gegeben hatte. Wie berichtet war in ersten Diskussionen Ende 2007 unter anderem auch ein Abriss ins Gespräch gebracht worden. Er persönlich sei nach wie vor der Überzeugung, dass es richtig gewesen sei, das Gebäude zu erhalten und das verkehrstechnische Nadelöhr durch die Arkadenlösung entlang der Ludwigstraße zu entzerren, so Zellner. Das Gebäude ragt weit in den ohnehin schmalen Gehweg hinein, der Abstand zur Fahrbahn ist sehr gering. Deswegen wurde jetzt bei der Sanierung auf die beiden Wohneinheiten im Erdgeschoss verzichtet und an deren Stelle ein arkadenartiger Durchgang für Fußgänger und Radfahrer eingebaut.

Man schaffe an dieser Stelle etwas, das der Daseinsvorsorge diene - zwar verzichte man dadurch auf gewisse Einnahmen und müsse noch etwas zubuttern, jedoch handle es sich um ein weiteres Rädchen, das in die Verbesserung des Lebens für die Bürger von Kolbermoor eingreife, betonte Zellner. Nicht vergessen dürfe man aber auch den Kolbermoorer Süden, in dem rund 5000 Menschen ohne jegliches Kommunikationszentrum lebten.

SPD-Sprecherin Dagmar Levin erinnerte daran, dass ihre Fraktion den Antrag gestellt habe, das Haus den Senioren zu widmen. Sie regte an, dass die Volkshochschule - die sich künftig in unmittelbarer Nachbarschaft (neben dem neuen Rathaus) befinde - diesen Sektor auch bei ihren Angeboten verstärkt berücksichtigen solle. Was das Gebäude angehe, könne man ganz konträrer Ansicht sein, räumte Andrea Rosner von der Grünen Liste ein. Sie sei jedoch froh, dass dort soziale, öffentlich geförderte Arbeit mit professioneller Betreuung für alle Erwachsenengenerationen angeboten werde - unabhängig von konfessioneller Bindung. "Und es ist schön, dass in den Konzepten auch das Ehrenamt honoriert wird." Für Einrichtungen dieser Art habe es bisher nie Geld gegeben, da herrsche in Kolbermoor eklatanter Nachholbedarf, auch im Süden und Norden der Stadt. Die Freien Wähler haben die Entwicklung des Bürgerhauses stets positiv begleitet, erklärte Dieter Kannengießer. Doch müsse man auch die Belastungen im Auge behalten, die man der Jugend hinterlasse.

Selten habe es eine so "millionenträchtige Sitzung" wie diese gegeben (Rathausplanung mit 9,89 Millionen Euro, 1,9 Millionen Euro für den Ganztageszug an der Grundschule an der Rainerstraße sowie das Bürgerhaus, für dessen Sanierung gemeinsam mit den beiden Nachbargebäuden rund 3,6 Millionen Euro veranschlagt werden, für die allerdings auch Zuschüsse fließen). "Wir werden uns nach der Decke strecken müssen", meinte Kannengießer, der aber auch bekannte, dass die derzeit herrschende Aufbruchstimmung der Stadt gut tue. Als eine "Bereicherung für unsere Senioren" bezeichnete Sonja Weczerek (Republikaner) die neue Einrichtung, die gerade den älteren Bürgern beschwerliche Wege in die Nachbarstädte erspare. Dem Lob für die Idee des Bürgerhauses stimme er zu, erklärte CSU-Stadtrat Sebastian Daxeder, stellte jedoch die Frage, ob man diese Einrichtung wirklich an dieser Stelle unterbringen müsse. "Im Betrieb werden wir dort Probleme haben", ist er sich sicher.

Das Ganze sei ein Zuschussgeschäft, noch dazu fehlten der Stadt dadurch Miteinnahmen. Es sei falsch gedacht, dass man an dieser Stelle Wohunungen vermieten könne, wo wenige Zentimeter vor dem Fenster die 40-Tonner vorbeidonnerten, hielt der Bürgermeister dagegen. Zugleich warnte er vor "unnsinnigen Zahlenspielen": Wenn die Stadt Daseinsvorsorge betreibe, sei dies etwas anderes als Immobilien- und Wohnbauwirtschaft. "So etwas kann man nicht mit Quadratmeterpreisen verrechnen." Das Bürgerhaus an der Von-Bippen-Straße befinde sich in unmittelbarer Nähe zu Rathaus und Bildungseinrichtungen, in vertrauter Umgebung für Senioren, innerhalb gewachsener Strukturen und verfüge über einen wunderschönen Garten.

Georg Kustermann von der Grünen Liste fand, als Kommunalpolitiker balanciere man derzeit auf ganz dünnem Parkett. Es passierten Dinge, die früher nicht vorstellbar waren. Steuergelder würden weltweit in private Taschen umverteilt. "Doch diese Sachwerte, die wir hier schaffen, die bleiben, wenn es einmal richtig kracht", deswegen seien die Steuergelder hier sinnvoll angelegt. In nichtöffentlicher Sitzung entschied sich der Stadtrat dann, die Trägerschaft an die Diakonie zu übertragen, die ebenso wie die Arbeiterwohlfahrt ein schlüssiges Konzept für die künftige Nutzung vorgelegt hatte. Beiden Wohlfahrtsverbänden lag das Ergebnis einer Umfrage bei Vereinen, Organisationen und Institutionen vor, die in der örtlichen Seniorenarbeit tätig sind.

araus wurden Versorgungslücken in den Bereichen Bildung, Beratung, Begegnung und konkrete Hilfen ersichtilich, die AWO und Diakonie in ihre Konzepte eingearbeitet haben. Auch Fachdienste und Fachberatungsstellen sowie ein Betreuungsangebot der Nachbarschaftshilfe für Demenzkranke wurden integriert. Angebote, die vor Ort bereits verankert sind, werden ebenso miteinbezogen. Die pädagogische Betreuung des Hauses liegt in den Händen eines Sozialpädagogen. Für ehrenamtlich Tätige wird eine Aufwandsentschädigung eingeplant.

Raumkonzept

Die beiden Räume im Erdgeschoss des Bürgerhauses werden von der Diakonie als Büros genutzt: Zum einen durch die Leitung des Hauses und zum anderen durch externe Kooperationspartner (beispielsweise Schuldnerberatung). Einer der beiden Räume im Untergeschoss soll als Multifunktionsraum mit Küche eingerichtet werden, während man den zweiten Raum speziell für die Demenzgruppe mit Wohn- und Esszimmer-Atmosphäre gestalten möchte. Die Arbeiterwohlfahrt hätte dort in ihrem Konzept Raum für Veranstaltungen, Kurse, Seminare, Gruppentreffen und einen offenen Treff mit Tagescafé vorgesehen. Auch die Außenanlagen werden entsprechend gestaltet. Durch das vorgelegte förderfähige Konzept kann die Einrichtung des Bürgerhauses auch mit Mitteln aus dem Programm "Soziale Stadt" unter dem Begriff des Quartiermanagements gefördert werden. Davon unabhängig werden in den beiden Obergeschossen sechs Wohneinheiten - bedarfsgerecht für Senioren - entstehen.

el

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