Neue Schule: Modernes Konzept

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Das neue Bildungshaus, eine fortschrittlich orientierte Grundschule samt Krippe und Kindergarten, will die Diakonie Rosenheim in Gebäude 350 auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching einrichten.

Bad Aibling - Eine Grundschule nach modernsten Grundsätzen plant die Diakonie Rosenheim auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching: jahrgangsgemischte Schulklassen, Ganztagsbetreuung und ohne die klassische Benotung.

Damit soll der Leistungsdruck entschärft, das ganzheitliche Lernen gefördert werden. Der Stadtrat zeigte sich angetan von den Plänen. Die Diakonie will nun das Konzept ausarbeiten und die Finanzierung auf sichere Beine stellen.

Eine völlig neue Art von Grundschule will die Diakonie auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching einrichten: ein Bildungshaus mit Kindertagesstätte, Grundschule und Ganztagsbetreuung - alles unter einer Leitung und ausgelegt auf 90 bis 100 Kinder. Und: Sowohl pädagogisches Personal (Betreuung) als auch die Lehrkräfte sollen den ganzen Tag über vor Ort sein.

"Ganzheitliche Bildung"

Wie sollte eine fortschrittliche Schule aussehen? Unter diesem Gedanken sei, wie Diakonie-Vertreter Markus Schmid vor dem Stadtrat erläuterte, die Idee des Bildungshauses entstanden. Eine Expertenrunde aus Wissenschaftlern, Schulleitern, der Diakonie und Vertretern aus der Wirtschaft sei sich einig gewesen: Nicht nur die schulische Bildung, also die rein informelle, müsste im Vordergrund stehen, sondern auch das Umfeld sei von großer Bedeutung - "Bildung auf ganzheitlicher Basis, in der beide Bereiche berücksichtigt werden", erläuterte Schmid.

Schule und Betreuung sollen nach den Überlegungen der Diakonie den ganzen Tag über gewährt sein: von 7 bis 17 Uhr mit einer Pflicht-Kernzeit zwischen 8 und 14.30 Uhr. Doch nicht nur für die Schüler heißt es, ganztags anwesend sein - auch für Lehrer und Betreuungskräfte. Sie sollen zudem eng an ihre Klasse gebunden werden: Jede Klasseneinheit soll einen Unterrichtsraum, einen Differenzierungsraum (Betreuung, zweites Klassenzimmer), ein Arbeitszimmer für die Fachkräfte und eine Garderobe erhalten.

Auf ein neues Feld will sich die Diakonie zudem mit der Altersmischung wagen: Nicht nur, wie bereits in Modellprojekten beispielsweise an der Schule Heufeld, klassenübergreifend (erste bis dritte Klasse), in diesem Projekt sollen nun auch die Kindergartenkinder mit einbezogen werden. Die erste Klasse besteht nach diesem Gedanken künftig aus Abc-Schützen und lernwilligen Kindern aus dem letzten Kindergartenjahr (Alter: fünf bis sieben Jahre). "Manche brennen bereits im Kindergarten darauf, lesen und schreiben zu lernen, wir wollen sie nicht aufhalten", so Schmid.

Zweite, dritte und vierte Klassen sollen ebenfalls eine bunte Altersmischung erhalten: Die Kinder zwischen sieben und zehn Jahren sollen in einem Klassenverbund (Fachbegriff: "Kompetenzniveau") zusammengefasst werden und den Weg bis zum Ende der Grundschulzeit in ein bis drei Jahren bewältigen können, je nach Begabung.

Eine Betreuung in dem Bildungshaus erhalten zudem die unter Dreijährigen in einer Kinderkrippe, im Anschluss folgt der Kindergarten (drei bis fünf Jahre).

Auch in Sachen Notengebung will die Diakonie Neuland beschreiten: Man will nicht völlig auf eine Benotung verzichten (wie Montessori, Waldorf), aber auch nicht die klassische Methode einführen. Der angestrebte Mittelweg: Erst wird ein Lernziel mit jedem Schüler erstellt, dann wird das Erreichen bewertet - "auf jeden Einzelnen individuell abgestimmt", so Schmid. Überdies wird eine "Kompetenzbeschreibung" für jeden Schüler angefertigt, der auch die Eignung für weiterführende Schulen zu entnehmen ist. Um Aufnahmeprüfungen an Gymnasien, Real- und Wirtschaftsschulen kämen die Schüler trotzdem nicht umhin - das Bildungshaus würde wie eine Privatschule bewertet, führte Schmid aus.

Privatschule mit kirchlichem Träger

Aktuell befindet sich das Projekt laut Schmid noch in der Planungsphase, in Vorgesprächen hätten sich aber sowohl Sozial- (Tagesstätte) als auch Kultusministerium (Schule) angetan gezeigt. Möglicherweise wird Mietraching zudem als Modellprojekt aufgenommen, was wiederum Fördergelder für die Diakonie bedeuten würde. Die Finanzierung an sich soll Schmid zufolge als Privatschule unter kirchlicher Trägerschaft erfolgen (allerdings ohne konfessionelle Bindung) - dann springt der Freistaat für die Kosten ein. Auf die Eltern kämen lediglich Gebühren für die Betreuung zu in Höhe von etwa 90 bis 110 Euro pro Monat, auf die Stadt die Betriebskostenzuschüsse für den Hort - jedoch einzig für die Aiblinger Kinder, wie Schmid auf Nachfrage von Dieter Bräunlich (ÜWG) betonte.

Einzugsbereich Mangfalltal

Den Einzugsbereich für die neue Schule sieht Schmid im Mangfalltal von Kolbermoor bis Feldkirchen-Westerham sowie in den umliegenden Gemeinden Tuntenhausen und Bad Feilnbach. "Fahrtourismus", wie von Erwin Kühnel (CSU) befürchtet, erwartet sich der Diakonie-Vertreter nicht in übermäßigem Ausmaß.

Keine Konkurrenz zur herkömmlichen Schule sieht Eva Loos (SPD) - ganz im Gegenteil: Wie die große Mehrheit der Stadträte und auch Bürgermeister Felix Schwaller beurteilt sie, selbst Lehrerin, die Einrichtung als eine Bereicherung für die Aiblinger Bildungslandschaft. Schmid legte zudem Wert auf die Feststellung, dass mit dem Bildungshaus keine Eliteschule geschaffen werden soll, sondern eine Einrichtung, die hinsichtlich ihrer Klassen-Zusammensetzung an den Regelschulen orientiert ist.

Der endgültige Beschluss zur Umsetzung des Projektes soll in den Reihen der Diakonie bis Ende August fallen, dann folgen Konzeptvertiefung, Personalsuche sowie Umbauten am auserwählten Gebäude - untergebracht werden kann das Bildungshaus in Haus 350 im Eingangsbereich des "Wohlfühlparks". Bis April 2011 müssen die Vorbereitungen dann abgeschlossen sein - bis dahin muss Schmid zufolge der Schulantrag beim Ministerium gestellt sein, um die Genehmigung für den Start im September 2011 zu erhalten.

Rosi Gantner (Mangfall-Bote)

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