Biogasanlagen - Fluch oder Segen?

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Landtagsabgeordneter Ludwig Wörner (rechts) bei seinem Referat. Anschließend standen Gemeinderätin Karin Freiheit, Landtagsabgeordneter Maria Noichl und Kolbermoors Bürgemeister Peter Kloo (von links) Rede und Antwort zum Thema "Biogasanlagen".

Bad Feilnbach - "Biogasanlagen - Fluch oder Segen?" - Dieser Frage widmete sich ein Informationsabend mit Diskussion im Kistlerwirt in Bad Feilnbach.

Eingeladen hatte der SPD- Ortsverein Au-Bad Feilnbach unter Federführung der Ortsvereinsvorsitzenden und Gemeinderätin Karin Freiheit. Referent war Landtagsabgeordneter Ludwig Wörner, umwelt- und energiepolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Weitere Diskussionspartner waren zudem Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo und die SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl.

Das Thema wurde mit großem Zuspruch angenommen. Zahlreiche Besucher aus dem gesamten Landkreis, darunter Feilnbacher Gemeinderäte, Zweiter Bürgermeister Vitus Gasteiger, Vorsitzende und Mitglieder aus dem SPD-Kreisverband, Ortsbäuerinnen und Obmänner der im BBV angeschlossenen Ortsbauern.

Karin Freiheit erläuterte eingangs, dass im Gemeindebereich zwei Biogasanlagen, davon eine seit 1993, erfolgreich in Betrieb sind. Zwei weitere, jeweils eine in Bad Feilnbach und eine in Au, seien inzwischen genehmigt.

"Biogasanlagen bilden einen kleinen zukunftsweisenden Baustein zur regenerativen Energieversorgung und spielen in der Energiewende und Klimawandelbetrachtung eine bedeutende Rolle", betonte Wörner mit aktuellen Prognosen über Verfügbarkeiten fossiler Energie-quellen etwa Erdöl, Kohle, Erdgas oder Uran, zu Beginn seiner Ausführungen. Biogasanlagen würden ihren Beitrag zur Grundlastversorgung leisten, während regenerative Energieträger, etwa Wind oder Sonne, lediglich zur Aabdeckung der Spitzenlasten Verwendung fänden.

Grundlage sei die Vergärung etwa nachwachsender Rohstoffe, von Mist, Gülle oder anderen organischen Abfallstoffen. Keinesfalls, so Wörner auf die BSE-Problematik eingehend, dürften Fleischabfälle oder Kadaver in den Vergärungsprozess einfließen.

Biogasanlagen würden eine vielseitige Bandbreite zur Bereitstellung von Energie ermöglichen. Die abgeleiteten Produkte könnten entsprechend des jeweiligen Bedarfsschwerpunkts zur Wär-megewinnung in Heizkesseln oder Blockheizkraftwerken, zur Einspeisung von Strom oder Gas (Biomethan) in entsprechende und vorhandene Versorgungsnetze verwendet werden.

Die staatliche Förderung ziele nicht auf Groß- sondern speziell auf kleinere Anlagen. "Energieautark sein, bedürfe aber der Beteiligung der Öffentlichkeit und ein gemeinsames Zusammenarbeiten von Gemeinden und Regionen", so Wörner. Anhand der vorläufigen Bestandsdaten nehme Bayern mit 1435 Anlagen (ein Drittel der im Bundesgebiet installierten Anlagen) einen beachtlichen Spitzenplatz mit steigender Tendenz ein. Demzufolge würden ein Ausstoß von 8,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden, so Wörner. Zudem seien in den letzten Jahren über 10.000 Arbeitsplätze im Rahmen der Biogasthematik allein in Bayern entstanden.

Verödung durch Monokulturen und Einflüsse der gentechnisch veränderten Saaten seien nicht im Interesse einer verantwortungsvollen Landwirtschaftspolitik, hob der Referent abschließend hervor und ermahnte die Landwirte diesbezüglich.

Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion stand die geplante und in Bau befindliche Biogasanlage mit zirka 500 Kilowatt Dauerleistung in Pullach, die mit etwa 80 Prozent Pferdemist und Grünabfällen betrieben werden soll. Hierzu verwies Bürgermeister Peter Kloo, um Missbrauch entgegenzuwirken, auf einen rechtlich abgesicherten und hart diskutierten und sogenannten "vorhabenbezogenen" Bebauungsplan zur Nutzung dieser Anlage.

Diskutiert wurden ferner Problematiken wie Gestaltung des bayerischen Baurechts, Wärmekonzept, Einspeisemöglichkeit und Aufbereitung von Biogas, Pachtzinsentwicklung sowie Befürchtunge, gentechnisch manipuliertes Saatgut, etwa bei Mais, könne Einzug halten und zu Verödung von Boden und Landschaft führen.

pes/Mangfall-Bote

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