Doch wieder Zebrastreifen auf dem Ludwigsplatz

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Wer die Straße energisch überquert wie diese Passanten, wird von den Autofahrern respektiert. Bei zögerlichem Verhalten fahren viele weiter, und zögerlich sind vor allem ältere Menschen.

Rosenheim (OVB) - Nun wird es also auf dem Ludwigsplatz doch wieder zwei Zebrastreifen geben. Schweren Herzens stimmte die Mehrheit der Mitglieder im Verkehrs- und Bauaussschuss dafür.

Die Konzeption des rücksichtsvollen Miteinanders von Autos und Fußgängern gilt damit an dieser Stelle als gescheitert. Ein Zebrastreifen kommt dorthin, wo er vor vielen Jahren abgeschafft wurde: als Überquerungshilfe zum und vom Mittertor. Der andere soll den Fußgängern zwischen Trachten Unterseher und der City-Bank einen sicheren Übergang erlauben. Die Stadt wird 30000 Euro dafür ausgeben. Kein Asphalt soll den Gesamteindruck des gepflasterten Platzes zerstören. Vielmehr kommen Granitsteine mit sogenannter "feingestockter" Oberfläche zum Einsatz. Dies sind von Hand geglättete Steine. Es soll sich eine mehr oder weniger ebene Fläche ergeben, auf der auch die Rollwagen Gehbehinderter nicht mehr hängenbleiben.

Verkehrsknotenpunkt Ludwigsplatz

Nach dem Umbau präsentiert sich der Ludwigsplatz seit September letzten Jahres als verkehrsberuhigter Bereich mit gepflasterter Oberfläche. Fußgänger dürfen an jeder Stelle die Straße, Autofahrer sollen rücksichtsvoll anhalten.

Stadtrat und Verwaltung hatten immer noch gehofft, die Dinge würden sich einspielen. Doch es klappte nicht so, wie die Planer sich das vorgestellt hatten. Immer wieder gingen im Rathaus Beschwerden ein. Vor allem ältere Menschen trauen sich nur zögerlich über die Straße, vom Mittertor zum Grünen Markt und umgekehrt. Früher hatten die Ampelanlagen an der Innstraße und am Beginn der Kaiserstraße mit ihren Rotphasen einen gewissen Takt vorgegeben. Standen sie auf Rot, konnten die Fußgänger die Mittelinsel erreichen oder die Straße ganz überqueren. Nun aber rollt der Verkehr gleichmäßig, wenn auch nicht schnell, aber manchmal ohne Pause.

Ausschlaggebend für den Beschluss war letztendlich auch der Einsatz der Behindertenbeauftragten der Stadt, Christine Mayer, die die Nöte der Blinden schilderte. Das Büro des Blindenbundes liegt in der Innstraße. Vom Bahnhof aus können Blinde problemlos mit dem Stock eine feine Bodenrinne ertasten und ihr folgen. Diese endet bei Trachten Unterseher. Dort, so Mayer, habe sie selber erlebt, wie ein Blinder den weißen Stock hob, um sich bemerkbar zu machen und wie es nichts nutzte: "Ein Auto ist einfach weitergefahren und hat ihm den Stock aus der Hand geschlagen." Die Bodenrinne soll über den Ludwigsplatz weitergeführt und in den Zebrastreifen eingelassen werden.

An den beiden beschilderten und ausgeleuchteten Zebrastreifen haben Fußgänger dann absoluten Vorrang, Autofahrer müssen anhalten.

Die Straßenverkehrsordnung verbietet es, die Straße neben dem Zebrastreifen zu überqueren. Die Rechtsprechung macht dies aber "von der Verkehrslage" abhängig, was das Überqueren auch wieder an anderen Stellen zulässig macht. Für die Autofahrer ändert sich deshalb abseits der Zebrastreifen nichts. Sie waren dort schon bisher nicht zum Anhalten gezwungen. Möglicherweise werden sie dies aber angesichts zweier Zebrastreifen noch unwilliger tun als bisher.

Wenn die Finanzen es hergeben, werden die Übergänge noch in diesem Jahr eingerichtet, ansonsten auf jeden Fall bis zur Landesgartenschau im April 2010.

Im kombinierten Verkehrs- und Bauausschuss war die Mehrheit eindeutig. In jedem Ausschuss endete die Abstimmung mit 7:3 Stimmen für die Zebrastreifen

bi/Oberbayerisches Volksblatt

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