Wut in Schechen wächst: Endlich Umgehung gefordert

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Schechen/Pfaffenhofen - Die Gemeinde Schechen hat unter dem zunehmenden Verkehrsaufkommen auf der B15 erheblich zu leiden. Die Menschen prangern dies seit Langem an und fordern Lösungen. ** Video **

Die Situation an der B15 ist prekär: Eine interne Verkehrszählung der Gemeinde Schechen kam jetzt auf 13345 Fahrzeuge, davon 1716 Lkw. Ein unerwartet hoher Wert - bei einer vor Jahren angestellten Prognose wurde erst für das Jahr 2015 eine derartige Verkehrsdichte vorhergesagt. Die Anwohner haben genug. Das wurde jetzt bei einer Informationsveranstaltung in Pfaffenhofen deutlich, zu der Schechens Erster Bürgermeister Hans Holzmeier geladen hatte.

250 Bürger, weit mehr als erwartet, kamen ins Gasthaus Esterer nach Pfaffenhofen. Unter dem Motto "Leben mit dem Straßenverkehr" informierten Fachleute über Verkehrsprobleme und deren mögliche Lösung.

Wann dürfen die Bürger endlich auf die Entlastung durch die Westtangente hoffen? Mit dieser Frage sah sich Baudirektor Claus-Peter Olk vom Staatlichen Bauamt Rosenheim konfrontiert. Er hatte aber keine guten Nachrichten im Gepäck: Das Straßenbauprojekt Westtangente sei derzeit blockiert wegen Widersprüchen des Bundes Naturschutz und einem anschließenden Gutachten, das das Verwaltungsgericht München in Auftrag gegeben hatte. Auch die dritte Innbrücke zur Entlastung von Rosenheim sei derzeit illusorisch, da deren Planung davon abhänge, dass neben der Umgehung Panorama-Schwaig auch die Westtangente "unter Verkehr" seien.

Unerfreuliches gab es auch in Bezug auf die Beseitigung des Unfallschwerpunkts Bahnübergang Lengdorf bei Rott zu berichten. Die Planungen stünden still. Diese Nachrichten sorgten im Publikum für deutliche Unmutsäußerungen.

Der Baudirektor wies auf die zunehmende Bedeutung der Staatsstraße 2080 von Rosenheim in Richtung Flughafen Erding für das Land Bayern hin. Die Planung für den Bahnübergang in Moos könne jedoch erst nach Fertigstellung der Westtangente in Angriff genommen werden. Eine Umgehung der Ortschaft Deutelhausen könne möglicherweise realisiert werden, wenn ein entsprechender Antrag an das Staatliche Bauamt gestellt würde.

Wenig Hoffnung machte der Gebietsleiter vom Staatlichen Bauamt Rosenheim, Wolfgang Bernrieder, auf einen Radlweg entlang der Staatsstraße. Die Finanzmittel, die dem Landkreis zur Verfügung gestellt würden, seien äußerst gering.

Zum Thema Unfallschwerpunkte entlang der B15 erklärte Bernrieder, dass nach einer Dreijahreskarte, in der Verkehrsunfälle festgehalten werden, kein besonderer Unfallschwerpunkt erkennbar sei. Unter zornigen Zwischenrufen wies er auf geringe Unfallzahlen sowohl in der Mauther Kurve als auch bei der Kirche in Pfaffenhofen hin. Eine auffällige Unfallhäufigkeit sei bei der umstrittenen Kreuzung zwischen Westerndorf-St. Peter und Pfaffenhofen (Einmündung der SS2080 in B15) nicht festgestellt worden.

"Für einen Antrag auf Sperrung der Bundesstraße für den Schwerlastverkehr sehe ich keine Chance", so Bernrieder. Das hätten entsprechende Verwaltungsgerichtsentscheidungen gezeigt. Auch er erkenne zwar eine Zunahme des Lkw-Verkehrs von etwa zehn Prozent, eine Möglichkeit diesen zu mindern oder gar von der Strecke fernzuhalten, sehe er aber nicht.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich ein Bürger "über die schleppende Umsetzung der Westtangente" verärgert. Dafür trage die Politik Verantwortung, da sie nicht hinter der von den Bürgern verlangten Maßnahme "B 15 neu" stehe. Daher sollten die Verantwortlichen zumindest die unfallträchtige Kreuzung zwischen Westerndorf und Pfaffenhofen entschärfen. Das sei baurechtlich zwar machbar, aber von der Stadt Rosenheim bisher nicht beantragt worden, erwiderte Baudirektor Olk.

Polizeihauptkommissar Christian Kagerer von der Polizeiinspektion Rosenheim wies darauf hin, dass die umstrittene Kreuzung weder nach der Dreijahres- noch der Jahreskarte ein Unfallschwerpunkt sei. Ein Bürger gab zu bedenken, dass dort die vielen Unfälle mit reinen Blechschäden oder auch Fast-Unfälle gar nicht berücksichtigt würden. Gerade in den Ortsdurchfahrten von Westerndorf und Pfaffenhofen seien besonders Kinder und ältere Leute permanent erheblich gefährdet.

Bürgermeister und Bürger forderten verstärkte Geschwindigkeitskontrollen auch in Pfaffenhofen. Eine Kontrolle könne aber nur nach vom Innenministerium vorgeschriebenen Richtlinien erfolgen, also nicht unmittelbar nach dem Ortseingangsschild, erläuterte Kagerer.

Abschließend versprach Bürgermeister Holzmeier, Aktionen für eine Umgehung von Pfaffenhofen zu unterstützen.

ele

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Rubriklistenbild: © dpa

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