Hackschnitzel-Wärme für alle?

+

Bad Aibling - Biomasse, Fernwärme oder Biogas - der Aiblinger Diplomingenieur Volker Blaesig hat eine Menge Ideen für die Energieversorgung der Kurstadt.

Seine Vorstellungen stellte er jüngst dem Bauausschuss vor, verbunden mit dem Vorschlag, ein Energiekonzept für Bad Aibling zu erstellen. Als Beispiel führte er das bereits in Betrieb genommene Biomasseheizwerk der Firma Swiss Caps im Westen der Stadt an. Mit ins Boot holen will Blaesig auch die Stadtwerke, was der Bauausschuss begrüßte.

Im Aiblinger Westen ist bereits das erste Projekt entstanden: ein Biomasseheizwerk, das die Firma Swiss Caps mit Energie versorgt. Realisiert hatte das Vorhaben die Firma Pernexas GmbH um Geschäftsführer Volker Blaesig, ein in Bad Aibling ansässiges Unternehmen für IT- und Organisationsberatung - auch in Sachen Energie (Energiekonzepte, Errichtung regenerativer Energieanlagen).

Ersten Gesprächen war die Gründung einer eigenen Firma, Aibio GmbH & Co.KG, gefolgt, so Blaesig vor dem Bauausschuss. Errichtet wurde das Hackschnitzel-Heizwerk auf dem Gelände der Firma Swiss Caps. Investor und Betreiber ist die Aibio, welche die Wärme weiterverkauft. Wie Blaesig weiter ausführte, habe man seit Inbetriebnahme der Anlage Mitte März bereits an die 560 Megawattstunden Energie erzeugt, was einer CO2-Reduktion von etwa 168.000 Kilogramm entspreche.

Zur Freude von Blaesig kommen nun weitere Interessenten hinzu: Eine Bank beabsichtigt ihm zufolge, ihr Verwaltungsgebäude mit Energie aus der Anlage zu versorgen und auch weitere Anfragen von Gewerbebetrieben sowie Hauseigentümern wären bereits eingegangen.

Blaesig schlug nun der Stadt vor, ein Gesamtenergiekonzept für Bad Aibling zu entwickeln, in das auch das jüngst entstandene Projekt eingebunden werden könnte. Mit ins Boot holen will der Diplomingenieur die Stadtwerke, um ein großes Ganzes zu schaffen, möglicherweise aus den Bereichen Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung mit (Bio-)Erdgas, Wärmepumpen in Abwasserkanälen und dem Aufbau eines Nah- oder auch Fernwärmenetzes.

Für das Erstellen eines Energiekonzeptes schlägt Blaesig in einem ersten Schritt eine Ist-Analyse vor mit den Ist-Werten für den Energieverbrauch, den verwendeten Energiearten von Strom über Wärme etc. und weiter die Ermittlung des Anteils der verschiedenen Energieträger - "ob Fossil, Wasserkraft, Biomasse oder Erdwärme", erläuterte Blaesig. Überdies sollte eine Abgrenzung in räumlicher Hinsicht und auch hinsichtlich des Personenkreises erfolgen.

Im weiteren Verlauf gilt es dann, die Ziele bis zum Jahr 2020 festzusetzen, verbunden mit nachprüfbaren Zwischenzielen, so der Vorschlag des Experten. Seine Empfehlung: der 80/20-Prozent-Ansatz - "nicht gleich alles in ein Konzept pressen, sondern mit 20 Prozent Aufwand eine 80-Prozent-Lösung entwickeln." Ziele könnten Blaesig zufolge sein, bis 2020 Strom zu 25 bis 30 Prozent aus erneuerbarer Energie zu erhalten, Wärme zu 14 Prozent, der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung sollte verdoppelt und die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent reduziert werden (Klimaprogramm-Beschlüsse des Bundeskabinetts von Meseberg aus 2007).

Weiter führte der Referent aus, dass neben dem Energiekonzept auch die strukturellen sowie die finanziellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung geschaffen werden müssten, unter anderem verwies er dabei auf Zuschussprogramme des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, die kommunale Energieeinsparkonzepte fördern. Überdies zeigte er sich bereit, auch selbst in ein derartiges Projekt zu investieren. Die Kosten für ein Einstiegskonzept bezifferte Blaesig auf Anfrage von CSU-Fraktionssprecher Erwin Kühnel auf etwa 10.000 Euro, was im Aiblinger Fall ausreichend wäre. Weiterführende Konzepte könnten bis zu 100.000 Euro teuer werden.

Der Bauausschuss stand dem Thema offen gegenüber, wobei Sepp Schmid (CSU) und auch Max Leuprecht (Grüne) explizit auf eine Einbindung der Stadtwerke pochten. SPD-Fraktionssprecher Richard Lechner beschäftigte indes das in Götting geplante Projekt (Hackschnitzel) und der dortige Widerstand aus der Bevölkerung, was Blaesig im Aiblinger Westen nicht erwartet: Dort könnte die Anlage auf dem Swiss Caps-Gelände bei Bedarf erweitert werden (Anfrage Dieter Bräunlich, ÜWG), überdies würden dort die bestehenden Kamine mitgenutzt. Die Abgaswerte bezeichnete er zudem als "sehr gut".

Bezüglich des weiteren Vorgehens sollen nun Gespräche mit den Stadtwerken geführt werden.

Rosi Gantner (Mangfall-Bote)

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT