Blauglocken, Blasmusiker, Baumbeamte

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Erst ab Juli beginnt der spätblühende Trompetenbaum in exotischen Blütenrispen auszutreiben.

Kolbermoor - Warum in die Ferne schweifen? Manche Baumbepflanzung mitten in Kolbermoor kann der Landesgartenschau und jedem botanischen Garten ernsthafte Konkurrenz machen.

In zwei Teilen stellen wir die zehn exotischsten, erstaunlichsten und auch skurrilsten Baumarten der Stadt vor.

Das hätte dem bayerischen König Ludwig II. gefallen: exotische Botanik direkt neben seinem Kolbermoorer Denkmal. Das städtische Bauamt machte sich viele Gedanken über die passende Bepflanzung an diesem Ort. Zu Ehren eines freigeistigen Königs mit einer Vorliebe für Fremdartiges - da musste schon etwas Ausgefalleneres her. Die Wahl fiel schließlich auf den Lampionbaum, einen in China, Japan und Korea heimischen Baum, der nun seinen Platz neben dem beliebten Bayernkönig einnimmt und einzigartig in Kolbermoor ist.

Der nordamerikanische Amberbaum bildet am älteren Holz seiner Rinde Korkleisten aus.

Und der Name ist beim Lampionbaum auch Programm, denn im Herbst trägt der Baum seine außergewöhnlichen Früchte, papierdünne Kapseln, die aussehen wie Lampions im Miniaturformat und in den schillerndsten Gelb- und Orangetönen leuchten wie ihre größeren Namensgeber. Der Baum ist aber auch im Frühjahr schon ein echter farblicher Hingucker, wenn er beginnt in strahlendem Rot auszutreiben. Im Hochsommer trägt das botanische Farbwunder dann seine Blüten in Sonnengelb, bevor die Lampions im Herbst das Königsdenkmal wieder erleuchten.

Der zumindest von der Herkunft her verwandte Korkbaum aus dem nordöstlichen China ist ebenfalls ein einzigartiges Exemplar in der Stadt. Seit 2009 steht der ausländische Baum an einer Wohnanlage Am Graben und vertritt ehrenvoll seine Vorgängerin, eine Birke. Das Einzigartige an diesem Gewächs, das eine Höhe von etwa zehn bis zwölf Metern erreicht, sind sein Laub und seine Früchte; in geriebenem Zustand riechen diese nämlich beißend nach Terpentin. Dass die schwarzen, erbsengroßen Früchte ungenießbar sind, erübrigt sich also zu sagen.

Aus ihrem Heimatland China haben zwei Blauglockenbäume ihren Weg in die Kolbermoorer Haßlerstraße gefunden. Ein Besuch an diesen Bäumen lohnt sich vor allem in April und Mai, wenn sie beginnen in leuchtend violettblauen Rispen zu erblühen. Die Blüten erinnern dann von Form und Farbe an Fingerhüte. Sein Pulver an Farbigkeit hat der Baum im Frühjahr dann aber bereits verschossen, denn seine Blätter fallen im Herbst sommergrün vom Baum. Sehenswert sind sie dennoch, da sie eine erstaunliche Länge von 30 bis 50 Zentimetern erreichen.

Besonders in der Hitzeperiode des Sommers wird es dem wärmeliebenden Blauglockenbaum bei uns gefallen haben.

Die nächste Baumrarität ist weder Blasmusiker noch Raucher oder gar Beamter, obwohl das seine verschiedenen Namen zunächst vermuten lassen. Die Rede ist vom Trompetenbaum, der wegen seiner länglichen, bohnenförmig braunen Fruchtkapseln gerne auch "Zigarrenbaum" genannt wird, weil jene mit einer Länge von bis zu 35 Zentimetern eben an gerollte Tabakwaren erinnern. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, fühlt er sich dort besonders an Flussläufen wohl, in einem Garten an der Haßlerstraße scheint es ihm aber ebenso gut zu bekommen. Dort kann man erst spät, im Juni und Juli, seine weißen Blüten betrachten.

Die zigarrenartigen Früchte bleiben dafür meist sogar bis ins nächste Jahr am Baum, was ihm seinen nächsten Spitznamen eingebracht hat: "Beamtenbaum", denn er kommt erst spät, geht wieder früh, aber seine Früchte bleiben lang erhalten.

Dreifach vertreten in Kolbermoor blüht der nordamerikanische Amberbaum. Sein botanischer Glanzpunkt ist die Blätterfärbung im Herbst, die erfrischend farbenfroh verläuft. Die ahornähnlichen Blätter haben ein Farbspektrum von strahlendem Purpur über kräftiges Scharlachrot hin zu weichem Karmin- und Weinrot. Der Amberbaum ist übrigens ein echter Überlebenskünstler. Als "Pioniergehölz" wächst er genügsam auf fast allen Böden; in Kolbermoor tut er dies in der Karl-Daniels-Anlage.

Im zweiten Teil der zehn schönsten Baumraritäten der Stadt erfährt der Leser, warum Kolbermoor im Herbst nach Karamell riecht, was man tun könnte, wenn der Kaffee ausgeht und welche Baumkinder eigentlich verkappte Riesen sind.

rr/Mangfall-Bote

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