Auf Erfolgsspur: Fachklinik Ghersburg expandiert

+

Bad Aibling - Die Nachricht, dass das Pflegestift Ghersburg Insolvenz angemeldet hat, schlug gestern wie eine Bombe ein. Auch in der Fachklinik Ghersburg standen die Telefone nicht still.

Die Nachricht, dass das Pflegstift Ghersburg Insolvenz angemeldet hat, schlug gestern wie eine Bombe ein. Auch in der Fachklinik Ghersburg standen die Telefone nicht still. Anrufer befürchteten, dass auch die Geriatrische Klinik vor dem Aus steht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ein erfolgreiches Jahr liegt hinter der Einrichtung, für 2011 ist eine Vergrößerung des Klinikbetriebes mit Beatmungspflege geplant. Nächste Woche haben sich überdies die Profiboxer Luan Krasnici und Firat Arslan angemeldet, um in dem dortigen Forschungsinstitut für Höhenmedizin zu trainieren.

Das erfolgreichste Jahr seit ihrem Betriebsbeginn vor sechs Jahren liegt nach Angaben von Geschäftsführer, Gründer und ärztlichem Direktor Privatdozent Dr. Nikolaus Netzer hinter der Fachklinik für geriatrische Rehabilitation Ghersburg und das in der Klinik befindliche Universitätsinstitut Hermann Buhl.

Die Geriatrische Klinik habe sich gerade in den vergangenen zwei Jahren zu einem Qualitätsbetrieb mit einem sehr guten Ruf in ganz Südbayern gemausert. Man könne für das Jahr 2010 eine 100-prozentige Belegung auf die bisher genehmigten 23 Betten vorweisen und habe nach einem Umbau durch die Aufsichtsbehörde jetzt die Genehmigung zum Betrieb von 30 Betten erhalten, resümierte Dr. Netzer.

Der Geschäftsführer verwies diesbezüglich auf das große Engagement seiner Mitarbeiter, insbesondere seines stellvertretenden Geschäftsführers und Verwaltungsleiters Diplom-Kaufmann Daniel Trapp und seiner Pflegedienstleitung Astrid Schenck. Außerdem sei man sowohl im Pflege- als auch im Therapiebereich personell deutlich über den geforderten Stellenschlüsseln besetzt.

Dem praktizierten An-einem-Strang-Ziehen aller Beteiligten - Führung und Mitarbeiter - sei es zu verdanken, dass auch 2010 wie schon 2009 mit einem bilanziellen Gewinn im unteren sechsstelligen Bereich abgeschlossen werden könnten.

Umso wichtiger ist es Netzer, dass es keine Verwechslung mit dem Pflegestift Bad Aibling gibt. "Wir haben vor einem Monat für einige Tage in der ärgsten Krise mit erfahrenem Personal ausgeholfen, aber ansonsten sind wir zwei völlig unabhängige Betriebe, die sich lediglich zur Zeit noch die gleiche Adresse teilen." Für 2011 plant die Klinik zudem einen weiteren Ausbau um Beatmungspflegebetten. Netzer würdigte in seiner Bilanz auch die gute Zusammenarbeit mit den Romed-Kliniken sowohl am Ort als auch in Rosenheim. Die geriatrische Klinik beziehe über die Romed-Klinik Bad Aibling ihre Verpflegung und medizinische Verbrauchsgüter. Ebenso gut funktioniere die Kooperation mit der Neurologischen Schönklinik.

Forschungsinstitut und Schlaflabor führend

Das Hermann-Buhl-Universitätsinstitut habe seinen Ruf als eines der führenden Forschungsinstitute für Höhenmedizin weltweit ausbauen können. "Besonders eng ist derzeit die Zusammenarbeit mit Partnern in China von der Peoples Universität in Peking, mit denen wir gemeinsam der Frage nachgehen, inwieweit die Entwicklung von Demenz und Sauerstoffmangel bei älteren Patienten zusammenhängen."

Mit der TU München und dem dortigen Ernährungsforschungszentrum sowie weiteren Partnern untersuche man ob es unter künstlicher Höhe zu einer Veränderung des Fettstoffwechsels und Gewichtsverlust komme. Hierzu werde in Kürze die Doktorandin, die diese Fragestellung im Team bearbeitet, Sophie Keller aus Bad Aibling, noch freiwillige Probanden in der Aiblinger Bevölkerung ansprechen.

Neben den Forschungsaufgaben könne jeder in der Hermann- Buhl-Hypoxie bis auf 6000 Meter Höhe trainieren und sich auf Höhentrekking und Bergexpeditionen vorbereiten. Netzer: "Dann kann man es den Profiboxern Luan Krasnici und Firat Arslan nachmachen, die diese Vorbereitungsform schätzen und ab 13. Dezember für einige Wochen ihr Trainingslager im Hermann-Buhl-Institut aufschlagen." Auch der Alpenverein komme zur Expeditionsvorbereitung und nach neusten Auskünften der Bundeswehr wohl auch bald einige Gerbirgsjäger für die Vorbereitung zum Afghanistanaufenthalt.

Großer Beliebtheit erfreue sich inzwischen auch das Warmwasserbewegungs- und Schwimmbad im Hermann-Buhl-Institut, das in Kooperation mit der Schwimmschule Kraus betrieben werde. Zu guter Letzt kämen immer mehr Patienten aus ganz Bayern in das Schlaflabor im Klinikgebäude (wir berichteten), das allen Kassenpatienten für die Untersuchung bei Schlafapnoe und anderen Schlafproblemen offen stehe. In diesem Bereich sieht Dr. Netzer seinen größten Erfahrungsschatz. "Die Schlafmedizin hat mich in den letzten 27 Jahren bekannt gemacht, darauf könnte ich nie verzichten."

von Eva Langwieder/Mangfall-Bote

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT