Faustschläge für den Sanitäter

Kolbermoor/Bad Aibling - Ein halluzinierender Alkoholiker hatte seinen Retter angegriffen. Nun hagelte es vor dem Amtsgericht eine Geldstrafe wegen Körperverletzung.

Der Heizungsbauer und seine Lebensgefährtin sind bei der Polizei alte Bekannte. In den vergangenen zwei Jahren wurden Polizeistreifen an die 15-mal zu deren Wohnung gerufen. Einmal war er, dann wieder sie verprügelt worden. Immer waren beide alkoholisiert. Allerdings hatten sie gegenseitig niemals Anzeige erstattet.

Bereits fünf Mal war er zur Entgiftung in verschiedenen Kliniken. Eigentlich war er nun schon wieder einmal "trocken". Seit wenigen Tagen war er aus der Klinik. Aber am 6. September 2011 hatte er mit seiner Lebensgefährtin wieder einmal heftigen Streit. So ist er mit Frust im Bauch losgezogen und hat sich in einem Kolbermoorer Lebensmittelmarkt nicht nur eine 0,7-Liter-Flasche Wodka gekauft, sondern diese auch binnen wenigen Minuten alleine geleert. Danach erinnert er sich nur noch in Bruchstücken.

Mit dem Fahrrad gestürzt

Gesicherte Tatsache ist, dass der Kolbermoorer dann mit seinem Fahrrad losgefahren war und zu Sturz kam. Passanten befürchteten Verletzungen, zumal der Angeklagte sich nicht mehr alleine aufrichten konnte, und riefen ein Rettungsfahrzeug. Die Sanitäter richteten den Gestürzten auf und stellten fest, dass dieser im wahrsten Sinne "sturzbetrunken" war. Nachdem sich der Angeklagte zunächst problemlos helfen hatte lassen, wurde er plötzlich renitent und attackierte seine Helfer mit Faustschlägen. Die riefen die Polizei, worauf hin er wieder einmal in die Inn-Salzach-Klinik nach Gabersee verfrachtet wurde.

Er berichtete vor Gericht, dass er seit seinem 16. Lebensjahr dem Alkohol frönte. Richtig schlimm sei es ab 2009 geworden.

Die Gutachterin Dr. Irene Bierweis machte deutlich, dass es sich bei dem Angeklagten um eine fortgeschrittene Alkoholkrankheit handle, die mit ausgeprägten Bedrohungs-Halluzinationen einhergehe. Die Beschreibung des Tatherganges, wie vom Sanitäter beschrieben, lasse fraglos darauf schließen, dass der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt Opfer von irrationalen Halluzinationen geworden sei.

Zwangstherapie und Geldstrafe

Die Staatsanwältin beantragte deshalb, ihm wegen des Vorwurfs der Körperverletzung den Paragrafen 21 StGB zuzubilligen, allerdings ihm wegen vorsätzlichen Vollrausches eine Geldstrafe von 1350 Euro aufzuerlegen, daneben aber ihm auch mit einer Zwangseinweisung nach Paragraf 64 StGB zu drohen, die man vorerst zur Bewährung aussetzen könne.

Der Angeklagte selber stellte keinen Antrag.

Die Richterin Isabella Hubert entsprach dem Antrag der Staatsanwältin, unterstellte ihn einem Bewährungshelfer und einer zweijährigen Führungsaufsicht. Die Richterin legte ihm zudem nahe, seine Lebenssituation zu überdenken und zu überlegen, ob er in seiner derzeitigen Beziehung mit einem wirklichen Sieg über seine Alkoholabhängigkeit rechnen könne.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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