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Großes Engagement seit Kriegsbeginn in der Ukraine

„Die Kinder lachen wieder“ - Mittelschule Feldkirchen-Westerham erhält Integrationspreis

Schüler der Mittelschule Feldkirchen-Westerham bei einem Ausflug zur Schliersbergalm mit der ukrainischen Lehrerin Olena Aliieva (ganz rechts).
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Schüler der Mittelschule Feldkirchen-Westerham bei einem Ausflug zur Schliersbergalm mit der ukrainischen Lehrerin Olena Aliieva (ganz rechts).

Seit Kriegsbeginn wurden an der Mittelschule Feldkirchen-Westerham 48 ukrainische Kinder im Unterrichtsalltag integriert. Für das besondere Engagement erhält die Bildungseinrichtung nun den Integrationspreis. Wo Rektor Jürgen Lang die größte Herausforderung sieht.

Feldkirchen-Westerham – Seit dem 7. März – dem Tag, an dem der erste ukrainische Schüler in die Mittelschule Feldkirchen-Westerham kam – setzen sich Rektor Jürgen Lang und die Lehrer der Mittelschule Feldkirchen-Westerham engagiert und dauerhaft für eine umfassende Integration der ukrainischen Kinder ein.

Für Jürgen Lang war und ist es ein Herzens- und Vorzeigeprojekt, den ukrainischen Schülern Schutz und durchgehende Betreuung, Ablenkung und Zugang zu deutscher Sprache und Kultur zu geben (wir berichteten).

Ukraine-Sonderpreis für Engagement

Für das große Engagement wurde die Mittelschule nun mit dem oberbayerischen Integrationspreis (Ukraine-Sonderpreis) ausgezeichnet. „Das kam jetzt schon überraschend“, sagt Rektor Jürgen Lang im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Unter anderem begleitet von Bürgermeister Hans Schaberl nahm er die Auszeichnung in München entgegen.

Insgesamt wurden 48 ukrainische Kinder an der Schule ab dem ersten Tag integriert, besuchten drei Übergangsklassen, wurden von drei ukrainischen Lehrerinnen gefördert, erhielten Ganztagsbetreuung (einschließlich warmem Mittagessen) und ehrenamtliche psychologische Begleitung. Parallel haben freiwillige Helfer die Kinder auch individuell gefördert durch Sport-, Hobby- und Kultur-Angebote.

Jürgen Lang von der Mittelschule Feldkirchen-Westerham (5.v.r.) und sein Team freuen sich über den Ukraine-Sonderpreis. Es gratulieren (v.r.) Regierungspräsident Dr. Konrad Schober, Regierungsvizepräsidentin Sabine Kahle-Sander, MdL Claudia Köhler, Innenminister Joachim Herrmann sowie der stellvertretende Landrat Sepp Hofer (6.v.r.) und Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Hans Schaberl (2.v.l.).

„Es war wichtig, ein Netzwerk aufzubauen“, erinnert sich Jürgen Lang. Die Schüler hätten „in sensationell kurzer Zeit“ Deutsch gelernt. Alle, die in der Ukraine 2023 ihren Schulabschluss machen würden, können nun auch hier die Abschlussklasse besuchen. Und der größte Erfolg, so Lang: Die Kinder lachen wieder.

„Es gab damals noch keinen Maßnahmenkatalog, aber wir mussten handeln“

Die Bildungseinrichtung in Feldkirchen-Westerham war eine der ersten Schulen in der Region, die ukrainische Kinder aufnahmen. „Es gab damals noch keinen Maßnahmenkatalog, aber wir mussten handeln“, sagt Lang, dem das Thema Flucht aus Erzählungen seiner Eltern auch selbst nicht fremd war.

Das Engagement, das weit über den Schulalltag hinaus geht, dient seit dem vielen Fachbesuchern als Vorbild für die Umsetzung ähnlicher Integrations-Projekte. „Ich kann mich noch sehr gut an die Berichte und Handyfotos der Mütter erinnern, die als erstes vor unserer Tür standen“, erzählt Lang den Schock. „Nach einem langen Gespräch stand für uns fest: Wir werden alle Flüchtlinge aufnehmen, die zu uns kommen wollen und niemanden abweisen“, so Lang. Das Ziel war von Anfang an klar: Den Flüchtlingen und besonders den Kindern Schutz zu bieten und ihnen auf allen Ebenen zeigen, dass sie hier an einem sicheren Ort sind.

Statt zwei Stunden für Ganztagsbetreuung entschieden

Als Mittelschule sei man schulisch die erste Anlaufstelle für Ukrainer im Landkreis Rosenheim gewesen. Einen vorgegebenen Betreuungszeitraum gab es seitens des Kultusministeriums damals nicht. „Es hieß, Schulen sollen sie etwa zwei Stunden pro Schultag in Regelklassen betreuen. Wir als Mittelschule beschritten aber einen anderen Weg“, sagt Lang.

Noch am 8. März richtete man eine Gruppe ein, in der Flüchtlinge von 7.45 Uhr bis 15.30 Uhr durchgehend betreut wurden. Trotz anfänglichen Personalmangels habe man vor allem auch durch viele freiwillige Helfer eine „nahezu reibungslose Eingliederung der Ukrainer in unser deutsches Schulsystem“ geschafft.

Ukrainische Lehrkräfte eingestellt

Das Projekt sprach sich damals schnell im Landkreis herum und bereits innerhalb von zwei Wochen wurden dort über 20 Kinder betreut. „Wir wollten nicht nur eine provisorische Übergangslösung finden, sondern ein qualitativ hochwertiges Konzept basierend auf Langfristigkeit kreieren.“ Und das gelang durch das enorme Engagement der Lehrer, Pädagogen, Schulpsychologen und ehrenamtlichen Helfern. Auch die Integration in die Gemeinde gelang, etwa durch einen Besuch beim Bürgermeister.

Doch laut Rektor Lang erwies sich zuvor der 18. März als richtungsweisender Tag, an dem die Ukrainierin Olena Aliieva von dem Projekt hörte und sich als ausgebildete Gymnasiallehrerin vorstellte. Als die Gruppe durch immer mehr Zulauf zu groß wurde, erweiterte man das Angebot. In den Osterferien meldete sich eine zweite ukrainische Lehrkraft, Viktoriia Moshkola, die auch eine Gruppe übernahm.

„Das ist der schönste Lohn“

All diese Strukturen wurden an der Mittelschule geschaffen, lange bevor ein offizielles Betreuungskonzept erschien. „Mittlerweile haben wir drei sogenannte „Pädagogische Willkommensgruppen“, sagt Lang. Als dritte Lehrerin habe man die Philologin und Dolmetscherin für Deutsch und Ukrainisch Nelya Terzi gewinnen können.

„Ausnahmslos jeder von ihnen hat hier Freunde finden können“, freut sich Lang auch über den sozialen Aspekt der ukrainische Schüler. Die Klassengemeinschaft sei „unglaublich, alle halten zusammen“. Abschließend, so Lang, ist zu sagen, „dass sich alle Einzelheiten dieses Projekts nicht beschreiben lassen“. Klar ist aber: „Das Lachen der Kinder ist der schönste Lohn.“

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