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Ökostrom vom Westerhamer Wehr

Stadtwerke München planen neue Wasserkraftanlage an der Mangfall

Am Westerhamer Wehr wollen die Stadtwerke München eine Wasserkraftlage errichten, die 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Ökostrom pro Jahr erzeugen soll.
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Am Westerhamer Wehr wollen die Stadtwerke München eine Wasserkraftlage errichten, die 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Ökostrom pro Jahr erzeugen soll.

Die Stadtwerke München wollen am Westerhamer Wehr eine Wasserkraftanlage errichten. Damit sollen künftig rund 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Ökostrom pro Jahr erzeugt werden.

Feldkirchen-Westerham – Die Strommenge, die die geplante Anlage erzeugen soll, entspricht dem Bedarf von rund 600 Münchner Haushalten, wenn man davon ausgeht, dass ein Haushalt 2500 kWh/Jahr verbraucht. Bevor gebaut werden kann, muss das Landratsamt Rosenheim die Anlage und das dazugehörige Betriebsgebäude genehmigen. Dem Bauausschuss der Gemeinde lag der Bauantrag jetzt bereits vor.

Letzte Ressource an der Mangfall

Der Wasserrechtsantrag für die Wasserkraftanlage wurde schon im November 2020 beim Landratsamt Rosenheim eingereicht. Das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Rosenheim liegt in den letzten Zügen, wird in den nächsten Wochen fertig. „Die Wehranlage in Westerham hat Bestand. Es ist eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige Stelle an Mangfall, Leitzach und Schlierach, an der es Sinn macht, eine neue Wasserkraftanlage zu bauen und das Restwasser zur Energiegewinnung zu nutzen“, erklärt Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des WWA.

Die Wassermenge der drei Flüsse sei ausgeschöpft. Im Oberlauf werde Wasser aus ihnen in den Seehamer See für die Versorgung des Leitzach-Pumpspeicherwerkes geleitet. Am Abfluss der Unterwasserbecken am Brucker Wehr beginne die Restwasserstrecke der Mangfall. „Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist die Wassermenge der limitierende Faktor für einen guten Zustand der Gewässer“, erklärt Holderer. Den Zustand der Flüsse im Bereich der Leitzachkraftwerke schätzt er als gut ein.

In mehreren Vor-Ort-Terminen haben die Stadtwerke München auch das Projekt am Westerhamer Wehr mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Naturschutz und Fischereivertretern besprochen. „Ich sehe das Projekt positiv. Die Entscheidung trifft letztlich das Landratsamt als Genehmigungsbehörde“, so Holderer.

„Mit der neuen Wasserkraftanlage soll auch die ökologische Situation in der Mangfall deutlich verbessert werden“, kündigt Michael Silva von der Pressestelle der Stadtwerke München an. So werde beispielsweise eine Schwelle im Unterwasser des Wehrs zurückgebaut. Zudem entstehe eine Fischaufstiegshilfe, mit der die Durchgängigkeit des Wehrs für Wasserlebewesen verbessert wird.

Zu einer Wasserkraftanlage gehört auch ein Betriebsgebäude. Dafür stellten die Stadtwerke München Ende vergangenen Jahres einen Bauantrag. Dieser lag nun dem Bauausschuss der Gemeinde Feldkirchen-Westerham vor. Wie Bauamtsleiter Hermann Weber erläuterte, ist auf der flussabwärts rechten Seite der Mangfall die Errichtung eines Betriebsgebäudes von acht mal 7,20 Metern und einer Wandhöhe von 7,30 Metern geplant. Auf zwei Etagen sollen sich Maschinen- und Betriebsraum befinden.

Die Zufahrt ist über den öffentlichen Feld- und Waldweg in Verlängerung der Ortsstraße „Zur Eisweide“ und die bestehende Kiesfläche geplant. Nach Auffassung der gemeindlichen Bauverwaltung entspricht die Gestaltung der ortstypischen Bauweise. Da Vorhaben für die Stromerzeugung als privilegiert gelten, ist die Bebauung im Außenbereich nach Paragraph 35/1/3 Baugesetzbuch möglich. Damit bestehe nach Bauamtsleiter Weber ein Rechtsanspruch auf Genehmigung.

Lisa Steingraber (CSU) machte darauf aufmerksam, dass die geplante Zufahrt durch das Überlaufbecken erfolge und bei Hochwasser nicht nutzbar sei. Josef Hupfauer (Freie Wähler Feldolling) bedauerte, dass die Gemeinde von diesem Ökostrom nicht profitieren könne. Martina Weber (CSU) war da allerdings anderer Meinung: „Der in unserer Gemeinde erzeugte Strom geht auf unser Konto beim Erreichen der Klimaziele.“

Der Bauausschuss gab dem Bauantrag sein einstimmiges gemeindliches Einvernehmen. Damit geht er nun zur Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Rosenheim.

Der „Stromriese“ Leitzachwerk

Durchschnittlich 357 Millionen kWh Strom pro Jahr werden in den Wasserkraftwerken der Stadtwerke München erzeugt. Dazu gehören auch die Leitzachwerke. Das Pumpspeicherkraftwerk nutzt das Wasser der Flüsse Mangfall, Leitzach und Schlierach. Als Oberwasserspeicher dient der Seehamer See, in den das Wasser bei Bedarf wieder zurückgepumpt werden kann. Er wird aus Überleitungen von Mangfall, Schlierach und Leitzach gespeist, sodass das Kraftwerk nicht nur eine Speicherfunktion hat, sondern auch große Mengen Strom produziert.

Das Laufwasserkraftwerk Leitzach 3 am Auslauf der Unterwasserbecken hat vor allem die Aufgabe, die den Flüssen entnommene Wassermenge gleichmäßig wieder an die Mangfall abzugeben, die sich auf Höhe der Unterbecken mit Schlierach und Leitzach vereint hat. In den Leitzachwerke 1 und 2 werden jährlich etwa 142 Millionen kWh Strom erzeugt. Im Leitzachwerk 3 liegt die mittlere jährliche Erzeugung bei 1,7 Millionen kWh. Das neue Kraftwerk am Westerhamer Wehr soll 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Ökostrom pro Jahr erzeugen. Damit kommen künftig etwa 145,2 Millionen kWh Strom aus der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Damit können 58 080 Haushalte (á 2500 kWh/Jahr) versorgt werden.

Stromerzeugung aus Wasserkraft stößt an ökologische Grenzen

Als Land der Berge und Seen verfügt Bayern über günstige Voraussetzungen zur Nutzung der Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle. Über die Hälfte des deutschen Wasserkraftstroms kommt aus Bayern. Im Freistaat selbst ist die Wasserkraft nach der Kernenergie der zweitwichtigste Energieträger bei der öffentlichen Stromversorgung. Der Wasserkraftnutzung sind jedoch ökologische Grenzen gesetzt, denn die frei fließenden Flussstrecken sollen für strömungsliebende Arten und Lebensgemeinschaften erhalten werden.

Die Staatsregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Stromerzeugung aus Wasserkraft bis 2025 auf 23 bis 25 Prozent zu erhöhen. Die größten Potenziale liegen dabei in der Nachrüstung und Modernisierung vorhandener größerer Anlagen mit dem Ziel einer Änderung des Nutzungsumfangs, der Erhöhung der Wirkungsgrade und optimierter Steuerung. Bei der „kleinen Wasserkraft“ schlummern eher geringere Reserven.

Neubaupotenzial gibt es lediglich an bestehenden Querbauwerken wie dem Westerhamer Wehr. Im Wasserhaushaltsgesetzes (WHG, § 35 Absatz 3) wurde verankert, dass alle Querbauwerke auf eine mögliche Wasserkraftnutzung geprüft werden müssen, sofern nach der Wasserrahmenrichtlinie deren Rückbau nicht vorgesehen ist. Ziel ist es, noch vorhandene Wasserkraftpotenziale zu nutzen.

Bayernweit wurden alle Standorte untersucht, die unter Erfüllung der ökologischen Standards eine mittlere Kraftwerksleistung von mindestens 100 kW erwarten lassen und damit einen spürbaren Beitrag zur Energiegewinnung leisten können. Am Westerhamer Wehr wurde ein geeigneter Standorte gefunden. In der unteren Mangfall sehen auch die Stadtwerke München kein weiteres Entwicklungspotenzial mehr.

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