Nach Griff in Feuerwehr-Kasse: Urteil

Kolbermoor - Ein 52-jähriger Mann hat vor zwei Jahren als damaliger zweiter Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr insgesamt 11.053 Euro unterschlagen. Jetzt ist die Sache entschieden - das Gericht hat das Urteil gesprochen.

Zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilte das Schöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler den 52-jährigen Bauhofarbeiter. Als damaliger zweiter Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr hatte er seit Januar 2008 unter anderem den Auftrag, den Getränkeautomaten jeweils aufzufüllen und die Einnahmen auf das Bankkonto der Feuerwehr einzuzahlen.

„Im März 2008 konnte ich eines Tages der Verlockung nicht widerstehen und hab mir ein paar Scheine geliehen“, so seine Einlassung. „Als das dann niemandem aufgefallen ist, wurde quasi eine Gewohnheit daraus.“ Über die Monate entstand so bis Dezember 2010 ein Fehlbetrag von 11.053 Euro.

Weil aber der Getränkelieferant regelmäßig die Rechnungen für die tatsächlich gelieferte Ware vom Konto abbuchte, fiel eines Tages der erhebliche Fehlbetrag auf dem Bankkonto auf. Niemand mochte bei der Feuerwehr zunächst an Unterschlagungen denken. "Der Angeklagte war im Verein ein geschätzter und beliebter Kollege", so der Erste Vorsitzende, "deshalb war es für uns alle ein herber Schlag, als sich seine Schuld bestätigte."

Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann, früher auch Stadtrat, hat sich von allen öffentlichen Ämtern zurückgezogen. Er hatte alles eingeräumt und bereits mit der Rückzahlung des Geldes begonnen.

Um die Rückzahlung sicherzustellen hat das Gericht - mit Einverständnis des Angeklagten - das bestehende Schuldanerkenntnis mit einer richterlichen Bestätigung jederzeit vollstreckbar gemacht.

Die Staatsanwältin verwies darauf, dass der Angeklagte über einen langen Zeitraum das Vertrauen seiner Kameraden und Freunde missbraucht hatte. Erwähnte aber zu seinen Gunsten, dass er nicht nur geständig und reuig gewesen sei, sondern auch frühzeitig mit der Rückzahlung begonnen habe. Darüber hinaus sei er ohne jede Vorstrafe, so dass es sich mit Sicherheit um eine einmalige Verfehlung gehandelt habe. Sie beantragte eine Gefängnisstrafe von 22 Monaten, die aber wegen der günstigen Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Markus Frank, stimmte der Staatsanwältin zu, verwies aber darauf, dass sein Mandant neben der Strafe nun auch mit der Verurteilung durch die Öffentlichkeit leben müsse. Jedermann wisse, dass dies schwieriger zu bewältigen sei als jede Strafe, die das Gericht aussprechen könne. Er betonte, dass eine Strafe unter einem Jahr ausreichend sei, mit der Möglichkeit zur Bewährung.

Das Gericht befand die Haftstrafe von zwölf Monaten für Strafe und Schuld angemessen. Die Richterin: "Erkennbar ist, dass sie einen Schlussstrich - ohne Wenn und Aber - ziehen wollten und dabei klar verhindert haben, dass andere in Verdacht geraten konnten. Sie hatten einen guten Verteidiger an ihrer Seite, der sie vor Schlimmerem bewahrt hat. Der Makel wird sie freilich begleiten." Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

re/Mangfall-Bote

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