Filmpreis in Chile ergattert

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Eine Szene aus dem Film "Full Dedication ALVARO": Der Künstler sitzt am See und schaut auf die Segelboote im Hafen.

Bad Feilnbach - Ein rotes Herz auf dem linken Schuh - das ist das Markenzeichen von Musiker Alvaro Pea-Rojas am Klavier. Sein Leben und Wirken schildert der Dokumentarfilm "Full Dedication ALVARO" und erhielt dafür jetzt in Chile einen Filmpreis.

Doch seine "Wurzeln" hat der Streifen im Mangfalltal: Hans Kotter aus Au, Jochen Hägle aus Amerang und Christian Zschammer aus Bad Aibling/Potsdam sind die Macher hinter Kamera, Drehbuch und Co.

"Full Dedication ALVARO" ist eine 90-minütige Dokumentation über den chilenischen Sänger und Liederschreiber. Der, wie der Titel schon sagt, "mit vollem Einsatz" bei der Sache ist und den extravaganten Auftritt mit grüner Feuerwehrjacke, weißer Hose und eben Herzchen auf den Schuhen liebt. Mit seinem farbenfrohen Kleidungsstil fällt Alvaro Pea-Rojas in der deutschen Kleinstadt Konstanz, wo er seit den 70er- Jahren lebt, auf. Der Chilene musste damals seine Heimat wegen der dortigen Militärdiktatur verlassen. Seit einigen Jahren besitzt der 62-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft. "Zuhause fühlt er sich jedoch weder in Deutschland, noch in Chile, noch sonstwo auf der Erde", beschreibt Kotter das Leben seiner Hauptfigur.

Das erfolgreiche Quartett (von links): Hans Kotter (Autor/Redaktion), Christian Zschammer (Autor/Montage), Alvaro Pea-Rojas (Hauptdarsteller) und Jochen Hägle (Autor/Kamera).

Alvaros Musik fasziniert den Auer seit Jahrzehnten. "Die Stücke sind so vielfältig, dass man nie Alvaros Werken überdrüssig wird", so Kotter. Seinen Freunden ging es genauso und so war 2005 nach der Idee, gemeinsam einen Film zu drehen, auch mit dem Musiker das Thema der Dokumentation gefunden. "Wir mussten nur noch Alvaro für uns gewinnen", erinnert sich Kotter. Der Musiker aber war schnell für die Filmidee zu begeistern.

Einmal pro Monat legten so dann Kotter und Hägle ein verlängertes Wochenende bei Pea-Rojas ein, um ein detailliertes Bild über den Künstler entstehen zu lassen. Eineinhalb Jahre dauerten die Dreharbeiten. Zschammer filterte dann zu Hause die besten Szenen heraus. "Dieser objektive Blick auf das Material war ideal und machte den Film am Schluss lebendig", erläuterte Kotter die Arbeitsaufteilung.

In der Dokumentation kommt neben Alvaro auch Hilde Schneider vor. Sie ist Alvaros Ex-Ehefrau, berät ihn nach wie vor und übernahm auch eine Weile die Organisation von Auftritten. Jens-Peter Volk begleitet Pea-Rojas seit Jahren als Bassist und produziert auch die meisten seiner Projekte. Ebenso wichtig für den Musiker: Martha Schnitzer, eine fast 90-jährige Nachbarin, die er mit Second-Hand-Kleidung und Gebäck versorgt. Sie alle kommen in dem Film zu Wort.

Markenzeichen des Musikers: rote Herzen auf seinen Schuhen, wenn er Klavier spielt.

Gekrönt wurde nun die Dokumentation mit dem chilenischen Filmpreis. Das internationale Filmfestival "In-Edit" in Chile ist spezialisiert auf dokumentarischen Film und Musik. Seit seiner Premiere 2004 hat es sich zum Treffpunkt für Musik, Film, Bild und Ton "gemausert". "Völlig überrascht waren wir, als wir erfuhren, dass wir den Filmpreis gewinnen", freute sich Kotter. Alvaro Pea-Rojas selbst nahm den Preis entgegen. Zur Filmvorführung Ende 2010 - bei der nächsten Verleihung - wollen auch die Autoren in Santiago vor Ort sein. Dann wird der Film, made in Germany, noch einmal dem Fachpublikum gezeigt. In den nächsten Wochen läuft der Preisträger-Film aber bereits in verschiedenen chilenischen Kinos.

"Der Preis ist mit keiner Geldsumme dotiert, aber es ist für uns eine enorme Ehre, mit einem ausländischen Film in Chile ausgezeichnet zu werden", sagte Kotter gegenüber unserer Zeitung.

Doch auch in Deutschland ist die Dokumentation schon gewürdigt worden: So erhielt sie den Förderpreis des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Medien in der Kategorie "Freie Arbeit." Denn: "Full Dedication ALVARO" ist eine 100-prozentige Eigenproduktion, "um Freiheit und Unabhängigkeit im kreativen Prozess behalten zu können", betonte Kotter und weiter: "Wir haben uns bewusst an keinen Sender oder dergleichen gewandt, damit wir unser Projekt ohne jegliche Einmischung gestalten konnten." Filmpremiere war Ende 2008 in Konstanz im Scala-Filmpalast. Zwischenzeitlich ist die Dokumentation auch beim Portobello Film-Festival in London gelaufen. Jetzt wollen Kotter, Hägle und Zschammer die deutschen Kinos erobern.

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