Siebenjähriger „Aufsteiger des Jahres“

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Erst- und Zweitklässler helfen sich gegenseitig: Die Justus-von-Liebig-Schule zieht eine positive Bilanz in Sachen gemischter Unterricht und "Flexible Grundschule".
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Heufeld - Der kleine Korbinian ist ein Vorreiter an seiner Schule. Der Siebenjährige besucht seit September die erste Klasse der Justus-von-Liebig-Schule in Heufeld.

Inzwischen hat sich beim gemeinsamen Unterricht mit Zweitklässlern (sogenannte Kombiklasse) herausgestellt, dass er überaus schnell und sicher rechnen, lesen und schreiben lernt. Korbinian ist sogar so gut, dass er deshalb im Februar die Lerngruppe wechseln und künftig nach dem Lehrplan der älteren Schüler unterrichtet wird. Dies ist durch das neue Modellprojekt "Flexible Grundschule" möglich - bayernweit noch eine Seltenheit. Der Bub kann sich so ein ganzes Schuljahr sparen. Er lernt in zwölf Monaten das, wofür andere 24 brauchen.

Bereits seit zehn Jahren werden in Heufeld Erst- und Zweitklässler zusammen in sogenannten Kombiklassen unterrichtet (wir berichteten). "Das hat sich längst bewährt", weiß Rektorin Veronika Käferle.

Neu ist heuer jedoch das Modell "Flexible Grundschule": Bei diesem Versuch werden die ersten beiden Jahrgangsstufen in einer flexiblen Eingangsstufe organisiert. So sollen sich die Kinder jeweils nach ihrem individuellen Lerntempo die Grundfertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen aneignen können, damit sie ihre Schullaufbahn auf einem soliden Fundament aufbauen können.

Besonders talentierte Schüler wie Korbinian erfassen den Lehrstoff in nur einem Jahr. Verhaltensauffällige Schüler dagegen brauchen insgesamt bis zu drei Jahre Zeit. Trotzdem wird ihnen keine "Ehrenrunde" angerechnet. "Ein großer Vorteil gegenüber dem klassischen Sitzenbleiben", so Käferle.

Nach diesem Prinzip werden an der Justus-von-Liebig-Schule seit September 44 Kinder der ersten beiden Jahrgangsstufen unterrichtet. Heufeld zählt so zu den sechs oberbayerischen Bildungsstandorten, an denen dieses Modell zum Einsatz kommt. Bayernweit sind es insgesamt 20.

Käferle zieht bereits nach den ersten Monaten eine positive Bilanz. Neben den Fach- und Sachkompetenzen sei das Lernen in Gruppenarbeit (Erst- und Zweitklässler zusammen) förderlich für den Erwerb der Sozialkompetenzen. Durch Erklären, Argumentieren und Fragen werde zudem die Sprachkompetenz frühzeitig und anhaltend gefördert.

Beim neuen Modell der "Flexiblen Grundschule" stehe außerdem die Stärkung des Selbstwertgefühls jedes einzelnen Schülers im Vordergrund. Individuelle Angebote für die Kinder, besonders im Fach Mathematik, stünden auf der Tagesordnung. "Die Schüler spüren die Wertschätzung durch die besondere Betreuung sehr deutlich", ist sich Käferle sicher. Zudem herrsche ein offenes und gutes Klassenklima.

Käferle räumt jedoch ein, dass die Anforderungen an die Lehrkräfte mit Einführung des Modellprojekts gewachsen sind. Schließlich sitzen teilweise Schüler verschiedenen Alters und mit unterschiedlichem Leistungsvermögen in einem Raum und wollen individuell betreut werden. Das alles müssen die Pädagogen unter einen Hut bringen, was jedoch gleichzeitig auch eine gesunde Herausforderung darstelle. Zudem gebe es Unterstützung von einer Förderlehrerin.

Eltern und Schule stünden überdies in engem Kontakt miteinander. Alle zwei bis drei Wochen gibt es Lehrer-Sitzungen. So auch im "Fall Korbinian": Nach den Weihnachtsferien ist die Entscheidung gefallen, den Bub in die nächsthöhere Lerngruppe zu stecken. Im Februar wird er wechseln. Er ist so einer von Bayerns ersten "Aufsteigern".

Stolz sind nicht nur seine Eltern. Auch Klassenlehrerin Anita Hellinger und Rektorin Käferle freuen sich über die Fortschritte des Siebenjährigen, der, wenn er so weitermacht, schon nach einem Schuljahr in die dritte Klasse kommt. Sie betonten aber gleichzeitig, dass das Vorrücken nur Sinn mache, wenn Korbinian weiterhin gerne in die Schule geht und Spaß am Lernen hat.

Für die Zukunft wünscht sich Käferle einen Ausbau der "Flexiblen Grundschule" auf die Jahrgangsstufen drei und vier. Theoretisch soll es dann möglich sein, den Stoff aus vier Jahren in zwei oder sechs Jahren zu absolvieren - derzeit ist das jedoch noch "Wunschdenken".

von Martin Aerzbäck/Mangfall-Bote

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