Imker-Chef stellte neue Wege der Nachwuchswerbung vor

Mieten Sie ein Bienenvolk!

Kolbermoor - Neuen Nachwuchs braucht das Volk, genauer: das Bienenvolk. Für die Werbung angehender Jung-Imker will der Kreisverband der Imker ungewöhnliche Wege einschlagen:

Der Hausherr im Mareissaal, Bürgermeister Peter Kloo, hielt zu Beginn der Versammlung ein engagiertes Plädoyer für den Erhalt des Lehrbienenstandes Kolbermoor. Kloo, selbst ein überzeugter Imker, äußerte den Wunsch, der Landtag möge sich vehement gegen einseitige Interessen der Agrarlobby und für die Belange der Imkerei einsetzen.

Der stellvertretende Landrat Dieter Kannengießer begrüßte, dass den Jugendlichen am Lehrbienenstand das Wissen über die Natur in praktischer Übung vermittelt werde und betonte, dass sich der respektvolle Umgang mit Bienen positiv auf die Beziehung der Jugendlichen zu ihrem Umfeld auswirke.

Landtagsabgeordnete Maria Noichl stellte dar, dass im Landtag derzeit zwar sowohl der Umwelt-, als auch der Landwirtschaftsausschuss für die Belange der Bienen zuständig seien, sich aber zuletzt - aufgrund verschiedener Beschlüsse - die Situation der Bienen verschlechtert habe. Noichls Landtagskollegin Annemarie Biechl wies auf einen Antrag im Landtag hin, die Imkerei als verpflichtenden Bestandteil in die landwirtschaftliche Ausbildung aufzunehmen. Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner lobte die Imker als "stille Naturschützer" und riet, in der Öffentlichkeit mehr Werbung für ihre Arbeit zu machen.

Hauptreferent des Abends aber war Eckard Radke, neu gewählter Vorsitzender des Landesverbandes bayerischer Imker. In seinem Vortrag "Sterben wir Imker aus?" stellte der Referent dar, wie sich erfolgreiche Nachwuchswerbung in drei Phasen vollziehen müsse. Zuerst müssten das Interesse an der Imkerei geweckt und Ängste vor den Bienen abgebaut werden. Geeignet hierfür seien Vorträge in Kindergärten, Schulen und bei interessenverwandten Vereinen mit entsprechender Pressearbeit. Als nächstes empfahl er aktive Imkerwerbung und hob dabei besonders das Projekt "Imkern auf Probe" hervor: ein Interessent könne ein Bienenvolk seiner Wahl für ein Jahr mieten und erhalte dafür Material, 14-tägige Betreuung und zuletzt die Honigernte. Sollte er die Imkerei weiterführen wollen, so könne er das Volk gegen ein geringes Entgelt erwerben. Die dritte Stufe der Nachwuchswerbung bestehe darin, die gewonnenen Anfängerimker im Verein weiter zu betreuen und zu unterstützen, um ihnen weitere Erfolge zu ermöglichen. Radkes Imkerverein Dietmannsried wurde für diese Maßnahme mit dem Innovationspreis des bayerischen Landtags ausgezeichnet und konnte innerhalb weniger Jahre seine Mitgliederzahl verdreifachen.

Oberbayerisches Volksblatt

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