Gartenhäuschen-Abstimmung sorgt für Heiterkeit

Kolbermoor - Ein Abstimmungsergebnis, das so gut wie noch nie vorgekommen ist, sorgte im Kolbermoorer Bauausschuss für Gelächter im Gremium und unter den Zuhörern:

Bürgermeister Peter Kloo (SPD) und Else Huber (Grüne Liste) stimmten zusammen gegen einen Beschlussvorschlag. Thema war die Errichtung eines Gartengerätehauses im Gewerbepark Conradty.

An der Südwestecke des Grundstücks im Gewerbepark Conradty 12 ist die Errichtung eines Gartengerätehäuschens mit der Länge 4,50 Meter mal drei Meter Breite und 2,10 Meter Höhe samt Satteldach geplant. Wie Bürgermeister Peter Kloo in der Sitzung ausführte, wird hierfür eine isolierte Befreiung von den Festsetzungen des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes "Gewerbegebiet an der Conradtystraße" beantragt.

Das Gebäude würde außerhalb der überbaubaren Grundflächen und innerhalb einer privaten Grünfläche liegen, für die der Bebauungsplan eine geschlossene Baum- und Strauchbepflanzung vorschreibt, erläuterte Kloo weiter.

Die Nachbarunterschriften würden für das geplante Vorhaben nicht vorliegen. Nach Einschätzung der Verwaltung widerspricht das Gartengerätehaus an dieser Stelle den Festsetzungen des Bebauungsplanes. Durch die Befreiung würden die Grundzüge der Planung berührt.

Kloo erinnerte an die Grünordnung. Deren Ziel sei zum einen den Übergang zu den bestehenden Waldflächen im Osten und Süden durch Baum- und Strauchpflanzungen zu ergänzen und somit auch eine ausreichende Grünfläche als Schutz zu den bestehenden Laub- und Nadelbäumen zu schaffen.

"Diese Schutzfunktion wird erheblich gestört, wenn in diesen Grünbereichen Bauwerke, gleich welcher Art und Größe, errichtet werden", meinte der Bürgermeister. Die Abweichung sei städtebaulich nicht vertretbar und mit den nachbarlichen Belangen nicht vereinbar. Laut Kloo könne die Befreiung somit nicht erteilt werden.

Anderer Meinung war jedoch Günther Zellner (CSU): "Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass dieses kleine Gartenhäuschen bei der massiven Bebauung im Conradtygelände stört", so Zellner. Hier gehe es aber um den bestehenden Grünsaum, um den das Gremium in der Vergangenheit schon oft gerungen habe, erwiderte Kloo. "Wir haben diesen Grünstreifen früher schon oft verteidigt. Das passt doch nicht zusammen, wenn wir uns jetzt dort ein Gartenhäuschen rein stellen lassen", argumentierte der Bürgermeister.

Auch Markus Schiffmann (CSU) hielt die Ablehnung "für kleinkariert". Deshalb wollte er sich der Einschätzung der Verwaltung nicht anschließen.

"Sollten ein Exempel statuieren"

Anders sah die Situation Else Huber (Grüne Liste). Sie begrüßte die "Haltung der Verwaltung sehr" und sprach sich dafür aus, "hier ein Exempel zu statuieren, damit die Grenzen eingehalten werden". Dazu Else Huber: "Wir haben in diesem Bereich einen Wildwuchs an Gartenhäuschen, deren Besitzer sich an keine Vorgaben hielten."

Dagmar Levin (SPD) gab zu bedenken, dass es in diesem Bereich tatsächlich viele bestehende Gartenhäuschen gebe, die schwarz gebaut worden seien. "Und jetzt fragt einer mal vorher höflich und wir würden ein Exempel statuieren und ablehnen. Mit diesem kleinen Gartenhäuschen wird der Antragsteller sicher nichts anstellen", warf Dagmar Levin ein.

Selbst lachen musste Bürgermeister Kloo, als er zur Abstimmung schritt. Außer ihm und Else Huber war nämlich die Mehrheit des Gremiums dafür, die Errichtung des Gartengerätehauses und die beantragte isolierte Befreiung zu befürworten. "An so ein Abstimmungsergebnis kann ich mich ja noch gar nicht erinnern", meinte Kloo schmunzelnd, als er zusammen mit der Grüne-Liste-Vertreterin die Hand hob.

dli/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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