Hilfe für die Fledermaus

Kolbermoor - Die Frage, wie den kleinen Säugetieren geholfen werden kann, beschäftigte die Besucher eines Diavortrags im Mareis-Saal.

Lesen Sie hier den Originartikel aus dem Mangfall-Boten:

Ein Herz für "Große Abendsegler" und "Hufeisennasen"

Kolbermoor - "Wie können wir den bedrohten Fledermäusen helfen?". Diese Frage stand im Mittelpunkt des Diavortrages von Christine Schachenmeier aus Taching am See, mit dem der Obst- und Gartenbauverein seine Vortragsreihe fortsetzte. Auch Gartlervorstand Gerhard Reischl ließ es sich trotz vermehrten Arbeitsaufwandes anlässlich der Landesgartenschau nicht nehmen, die erfahrene Klinikärztin und passionierte Fledermausexpertin mitsamt einigen lebenden Exemplaren im Mareis-Saal zu begrüßen.

Seit 30 Millionen Jahren leben die kleinen Säugetiere nun schon erfolgreich und anatomisch gesehen nahezu unverändert auf diesem Planeten. Doch erst der Mensch erweist sich mit seiner modernen Lebensweise als Bedrohung für die weltweit fast 900 verschiedenen Arten. So hätten, wie Christine Schachenmeier beklagte, vor allem die Verwendung von Insektiziden, der Abriss alter Häuser und Bäume - und auch die Windschutzscheiben schneller Autos als Massenfriedhof für Insekten - das Futterangebot der Fledermäuse drastisch verringert und sie auf die rote Liste bedrohter Tierarten befördert.

Dabei sind die kleinen Tiere mit dem Raubtiergebiss und Namen wie "Großes Mausohr", Bartfledermaus oder "Hufeisennase" mit ihrem Sozial- und Jagdverhalten nützliche Insektenfresser und wahre Überlebenskünstler. Mittels Ultraschall können sie perfekt ihren Lebensraum erfassen, Hindernisse umfliegen und Beute orten. Als nachtaktive Tiere haben sie nur wenige Nahrungskonkurrenten und Feinde und können es sich so leisten, nur ein Jungtier pro Jahr großzuziehen, ohne die Populationsgröße zu gefährden.

Während der "Große Abendsegler" als eine von 18 bis 19 Arten in Bayern noch relativ häufig vorkommt und eine Flügelspannweite von 40 Zentimetern vorweisen kann, fallen die "Kleine Bartfledermaus" und die "Zwergfledermaus" eher in die Kategorie "winzig" und passten, wovon sich die staunenden und mittlerweile allesamt zu Fledermausfreunden mutierten Zuschauer überzeugen konnten, locker in die geschlossene Hand ihrer Pflegemutter.

Allen gemeinsam ist eine Vorliebe für enge Spalten an schon länger existierenden Gebäuden und Bäumen als Unterkunft im Sommer. Dort ziehen sie ihre Jungen auf. Von Anfang Oktober bis Mitte April halten die Fledermäuse in Höhlen und dicken Bäumen Winterschlaf und fahren ihre Körper auf ein bis drei Grad Celsius und fünf Herzschläge pro Minute herunter. Diesem Sparmodus verdanken sie auch ihre lange Lebensdauer und bringen es auf ein stattliches Alter von bis zu 30 Jahren.

Über 400 Fledermäuse hat die Humanmedizinerin in den vergangenen zehn Jahren schon behandelt, betreut, aufgepäppelt und zum größten Teil auch wieder ausgewildert. Verletzte Tiere erfordern ebenfalls intensive Betreuung. So heilen, wie die Expertin bewies, sogar eingerissene Flügel und eingezwickte Füßchen zufrieden- stellend ab, während Knochenbrüche an den Oberarmen oft fatal sind.

Leider seien Fledermäuse, was ihre Behausung angeht, recht heikel und könnten, anders als Singvögel, nicht angelockt werden. Deshalb nähmen sie Nistkästen, so die Meinung der Fledermausexpertin, oft nicht an. Auch wenn sie so professionell gebaut wären, wie die Exemplare von Schreinermeister Josef Stadter aus Großkarolinenfeld, der etliche davon gestiftet hatte, die für wohltätige Zwecke verkauft wurden. Umso wichtiger sei deshalb der Erhalt alter Strukturen, um den nützlichen Insektenfressern eine Zukunft zu bieten.

re/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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