"Geld reicht noch drei Monate"

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Kennt die Probleme im Tierheim: Rosenheims Oberbürgermeister Gabriele Bauer informierte sich am Tag der offenen Tür.

Rosenheim - Das Rosenheimer Tierheim steht vor dem Aus. Die Gelder reichen nach den Worten von Barbara Angermaier, Vorsitzende des Rosenheimer Tierschutzvereins, nur noch für die kommenden drei Monate. 

"Wir wissen momentan nicht, wie es dann weitergehen soll." Am vergangenen Sonntag fand im Rosenheimer Tierheim in Fürstätt ein "Tag der offenen Tür" statt. Der Andrang war groß, die Stimmung bei vielen Besuchern aber war getrübt. "Wenn dieses Tierheim nicht mehr erhalten werden kann, was wird dann aus den Tieren?", sorgte sich Anne-Karin Hülsse.

Sie arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich auf einen Katzengnadenhof nahe Bad Feilnbach. Auch dort sei die finanzielle Lage mittlerweile sehr angespannt. "Zur Zeit geht es fast allen Tierheimen und Tiergnadenhöfen in Deutschland gleich schlecht. Die Spenden fallen immer geringer aus und die Kosten für den Unterhalt der Tiere steigen stetig", klagte die Tierfreundin.

Im Rosenheimer Tierheim verschlinge die Versorgung der Vierbeiner monatlich zwischen 15000 bis 20000 Euro. Hohe Kosten, die bisher durch verschiedene Einnahmequellen gedeckt werden konnten. Erbschaften und Spenden fielen aber anscheinend auch in Rosenheim immer geringer aus. "Die Menschen haben nicht mehr so viel Geld wie früher. Das bekommt auch unser Tierheim zu spüren", erzählt Barbara Angermaier. Diese Situation mache sich auch noch auf andere Weise bemerkbar: "Die Menschen geben bei uns immer öfter schwerkranke Tiere ab oder setzen sie aus, weil sie die Tierarztkosten nicht tragen wollen oder können. Dann müssen wir dafür aufkommen."

Zu kämpfen hat der Rosenheimer Tierschutzverein aber auch mit "Altlasten". Negative Schlagzahlen wie etwa der Vorwurf der Veruntreuung von Geldern machten vor einigen Jahren die Runde. Ganz vergessen scheinen die Tierfreunde diesen Vorfall noch nicht zu haben, auch wenn die damalige Vorstandschaft komplett ausgetauscht wurde.

Neben den Spenden und Erbschaften gibt es aber eigentlich noch eine weitere Einnahmequelle: Gemeinden sind eigentlich von Gesetzes wegen verpflichtet, sich um Fundtiere, die in ihrem Gebiet aufgelesen werden, zu kümmern. Doch das geschehe nur in den wenigsten Fällen: "Nur ein Drittel der Landkreisgemeinden und die Stadt Rosenheim zahlen tatsächlich klaglos die anfallenden Kosten", erzählt die Vorsitzende Angermaier.

Der überwiegende Anteil der Landkreisgemeinden verweigere dies. Von vielen käme keine Reaktion auf Schreiben aus dem Tierheim. Doch auch Beleidigungen oder für Tierfreunde nicht hinnehmbare Ratschläge von Bürgermeistern seien durchaus an der Tagesordnung. Angermaier: "Da gibt es welche, die raten uns tatsächlich, dass wir die Tiere doch lieber einschläfern sollen!"

Landrat Josef Neiderhell und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sind diese Probleme bekannt. Sie wollen in den kommenden Wochen Gespräche führen und eine Lösung finden. Für den Fall, dass das auch nichts hilft, zieht Barbara Angermeier zumindest gedanklich schon drastische Schritte in Erwägung: "Dann können wir eben Fundtiere nicht mehr annehmen und binden sie notfalls bei den Gemeinden vor die Rathaustür!"

Gabriele Bauer kam auch zum "Tag der offenen Tür" und machte sich vor Ort einen Überblick über die Situation. "Wir müssen jetzt an zwei Fronten kämpfen", stellte Rosenheims Stadtoberhaupt nach einer Besichtigung der Räumlichkeiten schnell fest.

Denn neben dem finanziellen Desaster plagen den Verein seit langer Zeit auch große räumliche Probleme. Die Platz- und Hygieneverhältnisse im Tierheim bezeichnet Bauer als "katastrophal".

Tag der offenen Tür im Tierheim Rosenheim

Schon seit vielen Jahren suchen Stadt und Landkreis nach einem geeigneten Grundstück für den Bau eines neuen Tierheims. Aber die Suche gestaltet sich schwierig. Kläffende Hunde will kaum jemand in nächster Nachbarschaft dulden.

Tatsächlich sind jetzt aber zwei geeignete Grundstücke im Landkreis. "Uns liegen derzeit zwei Vorschläge vor und die werden nun überprüft", erklärte Landrat Josef Neiderhell auf Nachfrage. Nähere Angaben, wo sich die Grundstücke befinden, wollte er noch nicht machen. Wenn ein Grundstück wirklich den Zuschlag bekommen sollte, wolle der Landkreis dieses dem Tierschutzverein zu einem "symbolischen Preis" zur Verfügung stellen.

Damit würde sich für den Verein ein langgehegter Traum erfüllen. So richtig freuen über diese positive Nachricht werden sich die Mitglieder des Vereins momentan aber wohl nicht. "Was nützt das schönste Grundstück, wenn wir nicht einmal den Alltag finanzieren können", meinte dazu Barbara Angermaier.

Oberbayerisches Volksblatt

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