"Überbleibsel" aus der Würm-Kaltzeit

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Eine Schautaufel informiert am Findling über dessen Entstehungsgeschichte.

Bad Feilnbach - Bayerns versteinerte Naturwunder locken während des ganzen Jahres zum Besuch. Ganz besonders stehen sie aber am Sonntag am "Tag des Geotops", im Mittelpunkt.

Bad Feilnbach hat auch so ein "Schmuckstück": den Findling Steinwies, auch "Großer Stein" genannt. Vor fünf Jahren wurde dem Findling bei Au im Rahmen eines Festaktes das Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" verliehen. Seither hat sich der Stein zu einem beliebten Wanderziel von Familien entwickelt. Urlauber machen auf ihren Ausflugstouren dort Halt, um sich über das Geotop zu informieren.

Der Findling Steinwies liegt nach Angaben des bayerischen Landesamtes für Umwelt im Bereich des ehemaligen Inn-Chiemsee-Gletschers. Er besteht aus Gneis und dicken Quarzadern. Ersteres ist ein Gestein, das in der nähreren Umgebung nicht vorhanden ist. Erst in den österreichischen Zentralalpen im Bereich des "Tauernfensters" sei ein großes Gneis-Vorkommen zu finden. Die Wissenschaftler des Ministeriums vermuten deshalb, dass der Inn-Chiemsee-Gletscher den Findling Steinwies in der letzten Kaltzeit mindestens über eine Distanz von knapp 100 Kilometern schob, ehe er an seinem heutigen Standort nach der Eisschmelze liegen blieb. Mit zirka 60 Kubikmetern ist der Findling einer der größten seiner Art in Bayern - was ihm auch das Gütesiegel einbrachte. "Dieser Findling zeugt von großen Transportweiten des Eises und Gletscherständen, die weit ins Alpenvorland hinausreichten", so Diplom-Geologe Georg Loth vom bayerischen Landesamt für Umwelt gegenüber unserer Zeitung.

Die vergangenen 2,6 Millionen Jahre, das Zeitalter des Quartärs, waren ihm zufolge durch starke Klimaschwankungen gekennzeichnet. Aus dem Alpenraum kenne man mindestens sechs Kaltzeiten, die über Zehntausende von Jahren andauerten. "Dabei wuchsen Gletscher in den Gebirgen stark an, es bildeten sich zusammenhängende Gletscherflächen mit nur vereinzelt herausragenden Bergketten", erläuterte Loth. Die Eisränder hätten sich immer weiter ins Vorland verbreitet. Ihre größte Eisausdehnung erreichte die jüngste Kaltzeit - im Alpenraum als Würm-Kaltzeit bezeichnet - "vor etwa 20000 Jahren", schlüsselte der Geologe auf.

Danach seien die Temperaturen angestiegen, die Gletscher allmählich abgeschmolzen. Seit etwa 15000 Jahren sei das Alpenvorland eisfrei. "Vom Gletscher zurückgelassene Ablagerungen, Moränen sowie Findlinge wie der in Au, belegen die ehemaligen Eisstände", erörtete Loth.

Zu finden ist der Findling mit zehn auf neun Metern Länge/Breite und vier Metern Höhe, wenn man ab Au in Richtung Miesbach fährt. Nach etwa vier Kilometern ist das Geotop mit Kapelle und Schautafel sichtbar. Die Andachtsstätte ist dem heiligen Leonhard geweiht und der Gemeindechronik zufolge um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erbaut worden. Sie ist mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter die kleinste Kapelle im Gemeindegebiet von Bad Feilnbach.

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