Große "klein", Kleine "groß"

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Die Stimmauszählung am Wahlabend, wie in Mietraching, verlief reibungslos.

Bad Aibling - Hat nun der Wähler entschieden oder der Nichtwähler? Bad Aibling ist fast ein Spiegelbild der bundes- und landes(kreis)weiten Ergebnisse zum 17. Deutschen Bundestag. ** Regionalergebnisse ** Artikel mit Video-Interviews mit den Rosenheimer Bundestagskandidaten **

Ein knappes Drittel der Wähler verzichtete aufs Kreuzchen, die Wahlbeteiligung ist auf Rekordtief. Dazu ein Blick auf Bad Aibling: 70,65 Prozent Beteiligung, (2005: 77,08), Land: 71,8 Prozent. (2005: 77,9). Analog auch das Abschneiden der Parteien: Die CSU verlor wie auch die SPD bei den wichtigen Zweitstimmen um 8 Prozent (gegenüber 2005); die Grünen holten über 3 Prozent mehr, die Linke fast 2 Prozent. Den Vogel schoss die FDP mit 14,89 Prozent - über 5 Prozent mehr - ab.

Regionalergebnisse

Artikel mit Video-Interviews mit den Rosenheimer Bundestagskandidaten

Die "Großen" werden klein, die "Kleinen" groß - so das Fazit schon in der Wahlnacht. Die Verluste der "Volksparteien" reden hiesige Kommunalpolitiker ebenfalls nicht schön.

Ein in der Höhe unerwartetes Minus hatte auch CSU-Kandidatin Daniela Raab einzustecken. In der Kurstadt rutschte sie bei den Zweitstimmen auf 46,61 Prozent ab (2005: 54,18), bei den Erststimmen auf 52,16 Prozent (2005: 59). Für ihre SPD-Kontrahentin kam es in Anbetracht der Ausgangslage von 2005 dicker: Angelika Graf verlor mit 12,78 Prozent fast acht Prozent an Zweitstimmen (2005: 20,40), Gleiches bei den Erststimmen (2009: 14,97 Prozent; 2005: 22,30 Prozent). Für Bad Aiblings SPD-Fraktionssprecher Richard Lechner ein noch schlechterer Ausgang als befürchtet.

Im Urteil von CSU-Fraktionssprecher Erwin Kühnel liegt der Grund darin: "Dass Daniela Raab an Format gewonnen und sich gut positioniert hat." Angelika Graf habe unter der Gesamtlage gelitten und sei mit ihrem Anliegen und ihren Aktionen nicht so in Erscheinung getreten.

Beide Fraktionssprecher waren sich aber einig: "Kommunalpolitische Aspekte spielten und spielen keine Rolle bei Bundestagswahlen." Auch eine Wählermobilisierung auf lokaler Ebene sei dazu nicht möglich. "Wir können da nichts beeinflussen" so Lechner.

"Kommunalpolitik hat keinen Einfluss"

Ein Indiz dafür: die FDP, die vor vier Jahren 9,50 Prozent Zweitstimmen hatte (Erststimmen: 5,26) und nun nach oben schnellte (Zweitstimmen: 14,89 Prozent, Erststimmen: 8,57). Dies, gleichwohl sie nicht im Stadtrat ist und ihr stellvertretender Kreisvorsitzender seit Jahren ein "einsamer Rufer in der Wüste" sei. Das Problem der SPD wiederum sei es gewesen, ihre Wähler nicht erreicht zu haben; viele seien daheim geblieben. Und auch "Die Linke" habe auf Kosten der Sozialdemokraten Stimmen geholt, bilanziert Lechner.

"Die Linke" gehört zu den Gewinnern: Sie verdoppelte nahezu (4,49 beziehungsweise 4,05 Prozent).

Die Statistik für die CSU: bestes Abschneiden in Willing, Schulhaus Berbling: 297 Erststimmen, 294 Zweitstimmen. Schlechtestes Ergebnis: Förderschule (Erststimmen 72, Zweitstimmen 70).

SPD: Bestnote durch 77 Erststimmen in der Berufsschule Ellmosener Straße, in der Schule Hofberg gab es 63 Zweitstimmen. Negativ-Ergebnis: Gemeindehaus Ellmosen mit 19 Erst- und 12 Zweitstimmen.

FDP: Sie schnitt bestens ab in Mietraching bei Erst- ( 39) wie Zweitstimmen (66); am schlechtesten im Gemeindehaus Ellmosen. Erststimmen: 3, Zweitstimmen 15.

CSU-Sprecher Erwin Kühnel stellt mit Blick auf die erfolgreiche FDP-Zweitstimmen-Schnapperei fest: "Die Nachricht ist angekommen, dass, wenn man permanent für eine Partnerschaft wirbt, Zweitstimmen holt." Im Übrigen sehe er das FDP-Ergebnis auch als Hinweis darauf, dass man auf den Koalitionspartner (in Bayern) nicht ständig eindrischt.

Erfolgreich waren die Grünen auf dem Aiblinger Pflaster: Von (2005) 5,26 Prozent Erststimmen stiegen sie auf 11,97 Prozent, von 8,83 Prozent Zweitstimmen auf 11,32 Prozent. In der Realschule (wie auch Schule Hofberg) erreichten sie die meisten Erst- (56) und Zweitstimmen (59). Mit 17 Erststimmen (Turnhalle Jahnstraße/Gemeindehaus Ellmosen) und 15 Zweitstimmen (Turnhalle Jahnstraße) ist hier das Minus-Ergebnis notiert.

GOL-Fraktionschef Max Leuprecht zur Wahl: "Das Abbild der Arbeit auf kommunaler Ebene hat das Ergebnis flankierend beeinflusst." Mit Anna Rutz habe man eine engaierte Kandidatin gehabt, die eine wichtige Säule im Landkreis Rosenheim sei und nun systematisch aufgebaut werde.

Die Freien Wähler traten nicht zur Bundestagswahl an; entgegen den Hoffnungen profitierte davon die CDU/CSU nicht. Kühnel: "Das war auch hier eher die FDP." ÜWG/FW-Fraktionssprecher Rudi Gebhart wies darauf hin, dass die Aiblinger nicht dem Landesverband angeschlossen seien - "weil wir aufs Detail eingehen und neutral bleiben wollen."

Von 12895 Wahlberechtigten spazierten 9141 an die Urne. Briefwahl machten davon 2441 Bürger, traditionsgemäß votierten die meisten für die CSU. Die erste Schnellmeldung ging um 18.30 Uhr im Rathaus ein, das Endergebis stand gegen 20.30 Uhr fest. "Die Wahl verlief reibungslos", freute sich abschließend Wahlleiter Peter Schmid.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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