Baumwollspinnerei: Grundstock für Kolbermoor

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Das sechsstöckige Spinnereigebäude in Kolbermoor: aufgenommen 1872, nach einem Brand musste das Gebäude 1899 neu errichtet werden.

Kolbermoor - Am Montag vor 150 Jahren wurde der Grundstock für die Stadt Kolbermoor gelegt: die Gründung der Aktiengesellschaft "Baumwollspinnerei Kolbermoor"am 15. November 1860.

Gründungsväter waren Theodor Hassler, Männer aus Augsburger Industriekreisen und weitere Investoren. Mit Aufnahme der Produktion 1863 kamen viele Arbeiter nach Kolbermoor - die Anfänge für die Entwicklung des Ortes.

Alles begann am 31. Oktober 1857, als die Bahnlinie München-Holzkirchen-Rosenheim-Salzburg eröffnet wurde. Gut zwei Jahre später, am 1. September 1859, fand die Errichtung des Bahnsteiges Kolbermoor statt, dieser war seitdem Bestandteil der Bahnstrecke.

Im Jahr 1860 gründete Ingenieur Theodor Hassler neben führenden Männern aus den Augsburger Industriekreisen am 15. November die Aktiengesellschaft "Baumwollspinnerei Kolbermoor" im Ort. Ebenfalls an der AG-Gründung beteiligt waren der Überlieferung zufolge verschiedene Münchner Investoren, darunter Bankier E. Schönlin, Graf von Lodron und Baron von Greiner. Beide letztgenannten besaßen große Torfgrundstücke und Landflächen zwischen Bad Aibling und Kolbermoor. Diese verkauften sie an die Spinnerei AG und beteiligten sich an der Gesellschaft als Mitaktionäre.

Nach Informationen von Anton Hamberger, ein langjähriger Mitarbeiter der Baumwollspinnerei, kam die Idee zum Bau letztendlich Hassler, der bereits in der Vergangenheit Erfahrungen mit der Errichtung von Spinnereien gesammelt hatte.

Das Bauvorhaben begann am 13. April 1861 während Hasslers Auslandreise nach England. Zunächst startete man mit den Bauten für das sechsstöckige Spinnereigebäude, gefolgt von sechs Arbeiter-Häusern in unmittelbarer Nähe der Spinnerei. Ausschlaggebend für den Standort der Spinnerei war laut Hamberger die enorme Wasserkraft der Mangfall - die des Lechs und der Wertach waren bereits ausgeschöpft -, das große Holz- und Torfvorkommen, die Haltestelle der Eisenbahn sowie der aussichtsreiche Absatzmarkt der Garne.

Mit Aufnahme der Produktion im Januar 1863 konnten viele Arbeiter, teilweise aus dem Bayerischen Wald und Österreich, nach Kolbermoor gelockt werden. Am 1. Oktober 1863 wurden dann Kolbermoor, Pullach und die Aiblinger Au von der Landgemeinde Mietraching - auf deren Grund die Spinnerei gebaut war - abgelöst. Die Genehmigung erteilte das königliche Staatsministerium bereits am 24. August 1863. Durch die Ablösung von Mietraching entstand die politisch selbstständige Gemeinde mit der Ortsbezeichnung Kolbermoor. Hamberger: "Viele in den Jahren zwischen 1861 bis 1863 entstandenen Gebäude befinden sich noch heute in Kolbermoor." Hierzu gehören das Baumwollmagazin, jetzt Alte Spinnerei 1, das Batteurgebäude, jetzt Alte Spinnerei 3, das heutige E-Werk, vormals altes Turbinenhaus, welches zum Transmissionsantrieb der Spinnereimaschinen diente. Die sechs noch erhaltenen Arbeiter-Häuser stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Das Hauptgebäude der Spinnerei, der sogenannte Altbau, in dem die eigentliche Produktion der Garne stattfand, wurde wegen der sehr schlechten Bausubstanz nach einem Brand abgerissen und 1899 neu errichtet.

Eine Ausstellung zum Thema Spinnerei gibt es im Heimatmuseum, Öffnungszeiten Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr.

von Dominic Bauer/Mangfall-Bote

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