Ein Grundwasser-Atlas für alle

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Eine von 700 Messstellen: Bei Nußdorf stoßen die LfU-Geologen Barbara Kainzmaier und Ricardo Paul in 3,15 Meter Tiefe auf Grundwasser.

Nußdorf/Landkreis - Das hat es in der Region noch nie gegeben. An 700 Stellen wird heute und morgen gemessen, wie es um das Grundwasser im Inn- und Mangfalltal steht.

Aus den Ergebnissen erstellen Geologen eine Art Grundwasser-Atlas, der nicht nur für den Trinkwasserschutz von Bedeutung ist, sondern auch Erkenntnisse für die künftige Nutzung von Erdwärme (Geothermie) liefert. Anfang 2012 soll der "Grundwasser-Atlas" fertig und für jeden Bürger im Internet einsehbar sein.

Es ist eiskalt im Nußdorfer Ortsteil Sonnhart, der Wind pfeift den Geologen vom Landesamt für Umwelt (LfU) den Schneeregen ins Gesicht. Aber Barbara Kainzmaier und Ricardo Paul macht das nichts aus. Für das, was von oben kommt, interessieren sie sich nicht. Ihr Augenmerk gilt den Grundwasserströmen, die unterhalb der Erdoberfläche fließen.

Grundwasser-Messung in Nußdorf:

Grundwasser-Messung

Kainzmaier und Paul, der Koordinator der großen Messaktion, waren gestern die Vorhut. Heute und morgen rücken noch zahlreiche weitere Kollegen aus. Unter Federführung der Landesamts-Geologen führen sie nahezu zeitgleich an rund 700 Grundwassermessstellen, Brunnen und Gewässermesspunkten im Inntal von Kiefersfelden bis Wasserburg sowie im Mangfalltal von Feldkirchen bis zur Innmündung bei Rosenheim eine sogenannte Stichtagsmessung durch. LfU-Präsident Professor Dr. Albert Göttle: "Die genaue Kenntnis der Grundwasserverhältnisse ist wichtig, um zum Beispiel Erdwärme über Grundwasserpumpen zu gewinnen."

Von den Messergebnissen profitieren ab 2012 auch viele private Hausbesitzer oder Hausbauer in der Region. Das Relief der Grundwasseroberfläche und die Temperatur-Werte lassen Rückschlüsse auf geeignete Standorte für Erdwärmebohrungen zu. Als Faustregel gilt dabei: Je näher das Grundwasser der Erdoberfläche ist, umso vielversprechender ist die Anschaffung einer Wärmepumpe.

Wärmepumpen nutzen jene Sonnenenergie, die in Erde, Wasser und Luft gespeichert ist. In Schweden sind 95 Prozent aller Neubauten damit ausgestattet, und auch in Deutschland ist die Goethermie auf dem Vormarsch.

Gleichzeitig geht es bei der Messaktion auch um die Qualität des Wassers. "Verborgen im Untergrund gibt es ausreichende Wasservorkommen, aus denen wir sauberes Trinkwasser gewinnen können, wenn wir ihre Lage und Verbreitung kennen", so Göttle. Deshalb sei es wichtig, die Tiefe, in der Grundwasser angetroffen wird, und die Form der Grundwasservorkommen exakt zu bestimmen.

Genau das machen Kainzmaier und Paul an mehreren Messstellen in Sonnhart auf einem Feld am östlichen Innufer. Dabei benützen sie ein sogenanntes Kabellichtlot, das aussieht wie eine mit Sensor und Spezialmaßband ausgestattete Kabeltrommel. Kabellichtlote messen die Tiefe des Wasserspiegels in Brunnen, Beobachtungsrohren und engen Bohrungen. In Sonnhart stößt das Band 3,15 Meter unterhalb der Öffnung des Beobachtungsrohres auf Wasser. Der Sensor zeigt eine Grundwassertemperatur von 10,8 Grad an. "Das ist ein durchaus üblicher Wert", verrät Barbara Kainzmaier.

Grundwasser ist eine bewegte Landschaft unter der Erde. Seine Oberfläche ist nicht spiegelglatt, sondern gewellt. Je nach geologischen Verhältnissen fließt es in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Richtung.

Messungen auf dem freien Feld so wie hier in Nußdorf sind für die erfahrenen Geologen ein Kinderspiel. Komplizierter kann es in der Stadt sein. "Schlimmstenfalls steht ein Auto genau über der Messstelle", sagt Ricardo Paul. Gebohrt wird für den Grundwasser-Atlas heute und morgen übrigens nicht. Alle Messstellen sind schon vorhanden.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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