Haltesignal für Spielhalle im Bahnhof

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Wartehalle Bahnhof - für eine Spielhalle gibt es hier keinen Freifahrtschein.

Bad Aibling - Bad Aibling soll das "Tal der Ahnungslosen" bleiben - bezüglich einer Spielhalle. So der Wille des Bauausschusses.

Er verweigerte einstimmig (10:0) sein Plazet, aus der Bahnhofshalle/Gastronomie ein Freizeit- und Eventcenter mit 24 Geldspielgeräten zu machen.

Die Bauvoranfrage eines Projektentwicklers aus Kempten wurde mit viel Kritik überzogen und kurz abgehandelt.

Die Nähe der Jugendzentren (bald: "Kick" mit seinem Neubau am Westend, vor allem JiM's Stellwerk am Bahnhofsvorplatz) waren für Stadtrat Rudi Gebhart (ÜWG) Grund genug, abzulehnen. Eingedenk auch der Anwohner, wo "die Jimmies manchmal Ärger haben. Da ist eine solche Einrichtung nicht weiter förderlich für den Frieden." Überdies ließ die Bauvoranfrage einiges vermissen: Unterschriften der Nachbarn für das Vorhaben; Stellplatznachweis. Pro 5 Quadratmeter ein Stellplatz, das fordert Richard Lechner (SPD) zufolge die Satzung der Stadt. Selbst wenn man den Bestand der Gaststätte anrechnen würde, reiche der zur Verfügung stehende Platz nicht annähernd aus.

Die Stellplatzfrage ist der "Anker" der Kommune zu einer Ablehnung. In ihrer Bewertung traf die Bauverwaltung diese ultimativen Aussagen, denen sich der Ausschuss vorbehaltlos anschloss:

Um den Bahnhof, da Mischgebiet, sind als Vergnügungsstätten lediglich Kinos oder eine Spielothek mit höchstens vier Glücksspielgeräten erlaubt. Center mit besonderer Zweckbestimmung oder größere Center, wie im konkreten Fall mit über 100 Quadratmetern Nutzfläche, müssen in Gewerbe- oder ausnahmsweise in Kerngebieten angesiedelt werden. Zudem würde hier im Bahnhofsbereich Wohnbebauung (nördlicher, westliche, südlicher Rand) gegenüber Geschäften überwiegen. Hubert Krabichler (Bauverwaltung) betonte, dass der Bahnhof überdies in einem städtebaulichen Sanierungsgebiet liege. Dafür sei bereits 1996 eine Satzung erlassen worden. Ein Instrument, um die Gegend als Standort für Einzelhandel und Dienstleistung zu stärken.

Das Vorhaben steht laut Verwaltung den städtebaulichen Zielen mit "Weiterentwicklung des Charakters von Bad Aibling als Kur- und Gesundheitsstadt", "Entlastung des Stadtkerns von Ziel- und Quellverkehr", "Stärkung der Wohnnutzung im Zentrum, auch im Hinblick auf eine Verjüngung der Altersstruktur" sowie "Sicherung und Aufwertung der gestalterisch wertvollen Straßen und Platzräume" völlig entgegen. Parallel zum Funktionsverlust (Einzelhandel, Dienstleistung) werde ein deutlicher Qualitätsverlust für die bestehende Wohnbebauung befürchtet.

Die Verwaltung berief sich dabei auf eine Studie der Uni Duisburg-Essen (von 2009). Demnach stören große Spielhallen und Wettbüros eine gut entwickelte Infrastruktur und einen städtebaulich erwünschten Branchenmix. Negativ-Effekte ("Trading-down-Effekte") können zu Imageverlusten und Abwanderung von Käuferschichten und zur Entstehung von Leerständen führen.

Mit diesem Schreckgespenst im Rücken lehnte der Bauausschuss die Anfrage ab. Schon vor der Entscheidungssitzung hatte sich der Gastronom der Bahnhofsgaststätte bei der Verwaltung gemeldet, offenbar überrollt von der Anfrage des Projektentwicklers. Hintergrund: Die Deutsche Bahn will den Aiblinger Bahnhof/Gebäude samt Vorplatz (ohne Gleiskörper) veräußern. Die Stadt hatte vor einiger Zeit kurz überlegt, den Vorplatz zu erwerben, nahm aber in Anbetracht der hohen Kaufsumme davon Abstand und bleibt nun beim Mieten.

Die DB rüstet nach eigenen Angaben am Aiblinger Bahnhof in punkto Fahrgast-Freundlichkeit auf: Sie will einen "Dynamischen Schriftanzeiger" (DSA) installieren, der schnell informiert - insbesondere bei kurzfristigen Fahrplanänderungen. Baubeginn: ab September.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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