Hightech gegen Schrott-Laster

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Schon der kleinste Defekt kann zu einer Katastrophe führen

Bad Aibling - Zukunftsmusik der Verkehrskontrolle: Um dem Schwerlastverkehr Herr zu werden, testet die Polizei ab morgen modernste Messinstrumente. Was auf der A8 ausprobiert wird, könnte bald in ganz Europa eingeführt werden.

Das wird die Lastwagen-Fahrer nicht freuen: In einem millionenschweren EU-Projekt werden ab Donnerstag hochmoderne Verkehrs-Messinstrumente getestet. Die sollen schrottreife, überladene oder zu schnelle Brummis erkennen - und der Fahrer wird davon nichts mitbekommen.

Die Teststrecke liegt an der Autobahn A8 in der Nähe von Bad Aibling (Kreis Rosenheim), Fahrtrichtung München. Diesen Abschnitt haben die Projektverantwortlichen gewählt, weil dort besonders viele Lastwagen unterwegs sind - aus dem Süden kommen die Laster über die Inntalautobahn A 93, aus dem Osten über die Salzburger A8.

Das Projekt ASSET-Road (die Buchstaben stehen für Advanced, Safety, Support, Essential und Transport) soll herausfinden, ob Verstöße gegen Bestimmungen für den Schwerlastverkehr künftig automatisch während der Fahrt erfasst und anschließend mit einem Bescheid geahndet werden können - so wie es bisher schon bei Tempoüberschreitungen funktioniert. Durch die Automatisierung können wesentlich mehr Fahrzeuge kontrolliert werden als auf herkömmliche Art, erklärt Projektleiter Walter Maibach. Erprobt wird zum Beispiel eine Schnell-Waage. Eine normale Lkw-Kontrolle auf Überladung ist für die Polizei aktuell sehr aufwändig. Die Beamten beobachten den Verkehr, aus dem Bauch und ihrer Erfahrung heraus stoppen sie verdächtige Fahrzeuge. "Einem Laster sieht man Überladung nicht unbedingt an - außer es sind rollende Zeitbomben", erklärt Dieter Bezold vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, das das System testet. Da es keine mobilen Waagen gibt, muss der Laster zur nächsten geeigneten Stelle gebracht werden. Das ist personal- und zeitintensiv. Mit der neuen Waage geht das einfacher: "Das ist ein Balken, der in die Fahrbahn eingelassen ist", erklärt Walter Maibach, Leiter von ASSET-Road. Dieser ist 20 Zentimeter breit und drei Meter lang. Der Fahrer am Lkw-Lenkrad oder im Auto dürfte das kurze Holpern nicht bemerken. Fährt der Laster über die Waage, wird er im Bruchteil einer Sekunde gewogen - die Daten wandern im Testbetrieb direkt an den Polizeibeamten. Wer überladen hat, wird von den Beamten aus dem Verkehr gezogen und kontrolliert. "Diese zielgerichteten Kontrollen sind für uns eine große Erleichterung", sagt Polizist Bezold. Sollte das System im Alltagsgeschäft installiert werden, sind die Beamten bei den Kontrollen verzichtbar. Dann flattert der Strafzettel den Spediteuren direkt ins Haus. Neben der Waage gibt es noch mehr Sensoren, die Signale an Computer senden: Sie messen Geschwindigkeit, Höhe oder - per Infrarotkameras - die Bremsen. So fliegt auch ein Laster auf, der mit überhitzten Bremsen oder abgefahrenen Reifen unterwegs ist.

Auch Tansania und Indien machen mit

An dem Projekt sind zehn EU-Staaten und die Länder Tansania und Indien beteiligt. Im Jahr 2011 wird Bilanz gezogen.

Carina Lechner (Oberbayerisches Volksblatt)

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