Bad Aibling: "Schon wieder ein Konzept"

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Stadtkern, Am Bichl: Durch Förderprogramme soll das Zentrum belebt und erlebbar werden.

Bad Aibling - "Leben findet Innenstadt" heißt ein öffentliches Förderprogramm für Kommunen. Bei der Vorstellung klang es für einige Zuhörer eher eine "Mogelpackung".

"Leben findet Innenstadt" heißt ein öffentliches Förderprogramm für Kommunen - zugeschnitten auf Bayern mit dem Untertitel "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Was im "Paket" steckt, verriet bei einer Auftaktveranstaltung im Kurhaus Planer Eberhard von Angerer - für die Zuhörer, vorwiegend Gewerbetreibende, war dies eher eine "Mogelpackung".

Mehr Interesse fanden die Pläne von Stadt und wirtschaftlichen Verbänden, einen "City-Manager" für zwei Jahre einzustellen, um örtlichem Handel und der Wirtschaft neuen Schwung und Lebensdauer zu geben.

Einen Rückblick auf 23 Jahre Aiblinger Stadtentwicklung setzte Architekt von Angerer ("habe 1987 hier angefangen") bewusst an den Anfang seiner Ausführungen, fußten darauf doch die Perspektiven für weitere Maßnahmen im Stadtkern - die Umkrempelung von Marienplatz mit Kirchzeile und Münchner Straße, verkehrsberuhigt und mit einer verträglichen Durchfahrt zwecks Querung der Straßen durch die Fußgänger.

Eine bereits beschlossene Sache, wie von Angerer vermerkte, realisierbar nach dem Bau des neuen "Bürgerhauses", somit nicht vor 2012. Die Zeiten spielen beim neuen Stadtbauförderungsprogramm von Bund/Ländern im Zusammenspiel mit der EU auch eine Rolle. "Leben findet Innenstadt" ist laut dem Planer begrenzt und auf vier Jahre ausgelegt, doch mit Verlängerungsoption auf acht Jahre.

Das reiche für Bad Aibling, um wichtige Maßnahmen anzupacken, erklärte von Angerer. Als klassisches Beispiels nannte er die Weiterentwicklung der Gebäude am Kellerberg und eine Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs. Den Gewerbetreibenden der Innenstadt, den Einzelhändlern, kommt ihm zufolge eine bedeutende Position zu - passiv wie aktiv.

Der Planer stellte deren Konkurrenzsituation zu den großen Einkaufszentren an der Peripherie heraus und die sich daraus ergebende Notwendigkeit einer Umstrukturierung. "Um überlegen zu können und wettbewerbsfähig zu sein", untermauerte von Angerer.

Zum anderen könnten die bisher in "Eigenregie" aufgebrachten finanziellen Engagements (Tombola etc.) in einen Fördertopf zusammen mit der Stadt fließen; aus dem staatlichen Förderprogramm wird die selbe Summe dann nochmals drauf gelegt (wir berichteten).

So gebündelt (öffentlich-private Kooperation) könnten die Mittel noch besser, da gezielter, eingesetzt werden. Zum Beispiel könnten sich Geschäftsleute beim Spatenstich fürs neue Bürgerhaus mit einem Fest einbringen (zu bestreiten aus dem Fördertopf). Kleine Aktionen ("Bei der Einweihung eines Jugendzentrums hat der Bürgermeister einer Stadt Würstl gebraten") und auch größere ("In Kaufbeuren, das im Programm drin ist, gab es ein Holiday Shopping, nachts einkaufen") sowie Baumaßnahmen ("Mehrgenerationen häuser beleben das Zentrum") sind laut von Angerer Beispiele für Förderungen.

Wie kommt Bad Aibling in deren Genuss? Es braucht ein Konzept - was Stöhnen im Saal hervorrief ("schon wieder ein Konzept"). Dazu sind Untersuchungen notwendig: Wo sind die Stärken, wo die Schwächen des Stadtzentrums (Bereich Klafferer bis Kellerberg, die Bahn im Süden bis zum Jahnplatz im Westen)? Wo sehen die Händler Handlungsbedarf, wo drückt der Schuh?

Einbezogen werden sollen Einheimische und Touristen, beispielsweise mit Fragebögen zu: Was zieht Sie nach Bad Aibling, was vermissen Sie? Ideen für verbesserte Service- und Dienstleitungen sind erwünscht. Kurzum: Ein örtliches Entwicklungskonzept, ein Einzelhandelsgutachten, ein städtebauliches Projektgebiet - das sind die Aufgaben. Daraus wird eine Prioritätenliste erstellt - aus Sicht der Betroffenen und jener der Planer.

Skepsis über "neues altes Paket"

Ein Projektmanager koordiniert die Wünsche, als halbe Stelle kann diese Position ausgeschrieben und der Manager angesiedelt werden in einem leer stehenden Ladenlokal, wo im Schaufenster auch Planungen präsentiert werden. Eine Steuerungsgruppe wirkt mit (Vertreter aus Verwaltung, Fraktionen, der Bürgermeister, Geschäftsleute, aktive Bürger).

Während Bürgermeister Felix Schwaller eingangs der Veranstaltung für "Leben findet Innenstadt" warb - "wenn alles klappt, ist das Geld gut angelegt" - war der Zuhörersaal schweigsam bis kritisch.

Einzelhändler Max Regensburger stellte das angepriesene Programm derzeit in Frage, da es in Dinge eingreife, die hier bereits vorhanden seien oder in Fluss - wie der (City-)Manager ausführt (Bericht folgt). Darauf habe man aus eigener Kraft über Jahre hinweg mit der Stadt hingearbeitet. Das Programm sei das alte Städtebauförderungsprogramm, das so nicht mehr finanziert werden könne und nun unter neuem Namen laufe. Regensburger zeigte sich nicht als einziger skeptisch.

von Elke Wrede-Knopp

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