Hochkarätige Forschungszentren

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Ein erstes Holzhaus ist auf dem B&O-Gelände bereits entstanden, das achtstöckige Gebäude folgt im Frühjahr.

Bad Aibling - Innovation pur wird auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching "einziehen" - ob mit dem mittlerweile achtstöckigen Holzhochhaus, dem "Solar-Appartement" der FH Rosenheim oder zukunftsträchtigen Firmen und Instituten.

Hinzu kommt eine breit gefächerte Schul- und Kinderbetreuungslandschaft, gekrönt von einem Fußballinternat. Planungsrechtlich bereitete jetzt der Stadtrat den Weg und schickte den neuen Gesamtbebauungsplan "Parkgelände Mietraching" ins Verfahren, samt paralleler Änderung des Flächennutzungsplanes

Forschung und Entwicklung werden im Technologiepark groß geschrieben: Unter anderem will die Technische Universität München (TU) eine Dependance in Bad Aibling errichten und mit verschiedenen Lehrstühlen auf dem B&O-Gelände Quartier beziehen, darunter die Bereiche Statik, Haustechnik, Stahlbau, Massivbau und Holzforschung. Entstehen soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für das Brandingenieurwesen, wie Dr. Karl-Josef Schaltenberg, der Generalbevollmächtigte der B&O Parkgelände GmbH & Co.KG, auf Anfrage unserer Zeitung ausführte.

Zentrum für Forschung und Entwicklung

Ursprünglich, so Schaltenberg, sei das Vorhaben in Rosenheim geplant gewesen, die Realisierung sei dann aber gescheitert - nun ist Bad Aibling am Zuge. Vorgesehen sind verschiedene Neubauten mit Gutachter- und Ingenieurbüros sowie verschiedenen Hallen.

Die zweite hochkarätige Forschungseinrichtung: das Fensterinstitut Rosenheim (IFT), das eng mit der FH Rosenheim zusammenarbeitet. Erste Büros sind auf dem Areal bereits eingerichtet, zudem wird ein bestehendes Gebäude ("Bunker") für Materialprüfungen umgebaut. Auf dem Gelände sollen künftig vor allem Fenster und Fassaden auf "Herz und Nieren" geprüft werden.

Das neue Plangebiet "Parkgelände Mietraching" mit der Erweiterung des Technologieparks (links) und der geplanten Zufahrt mit Anschluss Markfeld (unten).

Dr. Schaltenberg zeigte sich hoch erfreut über die äußerst positive Entwicklung auf dem Areal - "wir haben kaum mehr freie Flächen im Technologiepark." Denn: Für Gebäude im nördlichen Bereich des Technologieparks hat Schaltenberg zufolge unter anderem eine Medizintechnikfirma Interesse angemeldet, inklusive Erweiterungsmöglichkeiten. Und auch der Gründerhof ist bereits zu etwa 80 Prozent mit mit den verschiedensten Nutzern belegt. Der Hof soll nach den neuesten Plänen eine Aufwertung erhalten: eine Überdachung, um unter anderem Abstell- und Lagerungsmöglichkeiten zu schaffen, wie Stadtplaner Eberhard von Angerer erläuterte. Im Gegenzug fällt eine im Zufahrtsbereich vorgesehene Baufläche weg, was von Angerer sehr begrüßte, da städteplanerisch wünschenswert.

Die geplante Ansiedlung der Firma Lightweight Solutions mit ihren zukunftsträchtigen Leichtbau-Platten (wir berichteten) bezeichnete der Stadtplaner als Glücksfall: Das Unternehmen beansprucht die gesamte Fläche des Technologieparks II (rund 70000 Quadratmeter) als Erweiterungsfläche. In Bestandsgebäuden soll bereits im September mit der Produktion begonnen werden.

Im Rahmen der Bebauungsplanüberarbeitung wird nun auch der Bereich Wohlfühlpark mit Hotel und Schulen neu geordnet: Die Flächen westlich des Angers mit Ferienwohnungen (davon die Hälfte Umnutzung in Wohnungen), Tagungshotel, Solar-Musterhaus (aktuell auf der Landesgartenschau) etc. sollen nach wie vor Sondergebiet Tourismus bleiben, der Norden und Osten indes mit B&O-Verwaltung, Schulen, dem Fußballinternat, Gewerbe im Holzhochhaus sowie Wohnen ein Mischgebiet. Als gelungen betrachtete von Angerer überdies das Abrücken der geplanten Wohnbebauung entlang des Moosbachs vom Bachlauf sowie das östlich gelegene Wohn- und Arbeitsquartier, erschlossen über eine Ringstraße.

Erhalten bleibt nun die lang gezogene Wohnbebauung entlang der Staatsstraße. Die Wohnungen sollen von Angerer zufolge saniert werden (samt Lärmschutzfassade). Hinzu kommt am südlichen Gebäudeende ein fünfgeschossiger Neubau.

"Holzhochhaus" mit acht Stockwerken

Einmalig in Deutschland soll das "Holzhochhaus" werden, von ursprünglich sieben auf nun acht Stockwerke erhöht, "weil bereits zwei siebengeschossige Holzhäuser umgesetzt wurden", so Schaltenberg. Geplante Höhe: maximal 25 Meter, aktuell sind 23,55 Meter genehmigt, die Grundfläche wurde indes von einem doppelten auf einen einfachen "Turm" reduziert (Baustart im Frühjahr 2011). Probleme für die Drehleiter der Feuerwehr, von SPD-Stadtrat Sepp Glaser vorgebracht, sehen die Planer nicht: Die Fußbodenhöhe des achten Geschosses soll bei 21,50 Meter, die Fensterbrüstung bei 22,50 Meter liegen, während die Drehleiter eine Rettungshöhe von 23 Metern hat.

ÜWG-Stadtrat Dieter Bräunlich ist der hoch hinausragende Bau indes ein Dorn im Auge: "Höher als die Mietrachinger Kirche mit 22,20 Metern." Seine Forderung: die 22-Meter-Marke bei dem Bau nicht zu überschreiten, was er mit einem Antrag untermauerte, der jedoch mit 10:13 Stimmen abgelehnt wurde. Änderungen im Bereich Landschaftspark betreffen den angedachten See, der nun deutlich kleiner ausfällt als ursprünglich gefordert, sowie die Nutzung der Gebäude im Einfahrtsbereich für Kinderbetreuung und Verwaltungszwecke.

Zukunftsmusik: Zufahrt über Markfeld

Südlich der Zufahrtsstraße soll von Angerer zufolge ein weiteres Verwaltungsgebäude errichtet werden, wobei Wohnen aufgrund der Nähe zur Veranstaltungshalle ausgeschlossen werden soll.

Den Bereich Sportpark will der Planer künftig als "Sondergebiet Sport und Veranstaltungen" ausweisen, falls die Fliegerhalle nicht nur für Gemeinbedarf genutzt werde.

Die Erschließung erfolgt künftig, wie berichtet, ausschließlich über die südliche Zufahrtsstraße, die nördliche bleibt Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Eine weitere Zufahrt für den Technologiepark ist für die Zukunft über den Knoten Markfeld vorgesehen - in südlicher Richtung quer über die Felder.

Hinsichtlich der Verkehrslärmentwicklung sieht von Angerer keine Schwierigkeiten: Eine Untersuchung von Verkehrsplaner Prof. Harald Kurzak habe ergeben, dass der ankommende und abgehende Verkehr problemlos über den Kreisel Staatsstraße 2089 abgewickelt werden könne. Die Lärmwerte würden sich lediglich um 0,3 bis 0,4 Dezibel erhöhen, was kaum wahrnehmbar sei.

Die Stellplatzsituation auf dem Gelände ist dem Stadtplaner zufolge ebenfalls geklärt: Der bestehende Parkplatz im Bereich B&O-Hotel könne, falls notwendig, um ein zweigeschossiges Parkdeck erweitert werden, hinzu kämen ausreichend Stellplätze in den nördlichen Innenhöfen. Im Bereich der Wohnbebauung könnten Stellplätze entlang der Erschließungsstraßen angelegt werden.

Der Stadtrat brachte den Bebauungsplan "Parkgelände Mietraching" bei einer Gegenstimme (Dr. Birgitt Matthias, SPD) auf den Weg und befürwortete gleichzeitig die Aufhebung der vier bestehenden Bebauungspläne Wohlfühlpark, Landschaftspark, Sport- und Technologiepark. Parallel wird eine Änderung des Flächennutzungsplanes durchgeführt.

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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