Hohenthanner Bürger wehren sich

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"Wir werden genau prüfen", sagte der Landrat, Josef Neiderhell (Mitte), bei der Übergabe der Unterschriftensammlung von Josef Schöttner (links) und Friedrich Reicher.

Hohenthann - Der Protest gegen eine geplante Biogasanlage in Hohenthann ist groß. 335 Bürger haben schon gegen den Standort "Hohenthann-Ost" unterschrieben.

Die Initiatoren haben jetzt ihre Bedenken sowie die Unterschriften an Landrat Josef Neiderhell übermittelt. Von ihm erhoffen sich die Hohenthanner Hilfe, ebenso von Bundestagsabgeordneter Daniela Raab.

In letzter Minute erfuhren die Hohenthanner eigenen Angaben zufolge von der geplanten Biogasanlage und der Genehmigung im Bauausschuss. Seither sammeln sie Informationen und Unterschriften, um sich gegen das Vorhaben eines Landwirts zu wehren.

Denn: Für die Hohenthanner ist eine Biogasanlage in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Bedrohung. Hohenthann hat sich Initaitor Friedrich Reicher zufolge in den vergangenen 20 Jahren vom "Bauern- zum Wohndorf" gewandelt. Die Einwohnerzahl stieg nahezu auf das Doppelte. Hohenthann sei heute ein attraktiver Ort mit hoher Lebensqualität.

Mit dem Bau der Biogasanlage und ihren unvermeidlichen Begleiterscheinungen würde dies erheblich beeinträchtigt werden. Grundstücke und Häuser würden in ihrem Wert deutlich gemindert, so Josef Schöttner, einer der Aktiven.

Deswegen wollen die Initiatoren gegen die Biogasanlage in Hohenthann-Ost kämpfen - nicht gegen Biogasanlagen im Allgemeinen, aber im konkreten Fall gegen den geplanten Standort. Ein Infoabend des Antragstellers konnte die Befürchtungen der Hohenthanner auch nicht ausräumen. Die angedachte Anlage soll eine Gasleistung von 400 Kilowatt und eine elektrische Leistung von 150 Kilowatt erbringen. Da es sich formal um keine Großanlage handelt, soll das Projekt als privilegiertes Vorhaben im Außenbereich eingestuft werden, weiß Schöttner.

Für die Errichtung einer Biogasanlage könne zwar grundsätzlich das privilegierte Bauen zur Anwendung kommen, dennoch stehe es unter Vorbehalt. "In Bezug auf den geplanten Standort Hohenthann-Ost stehen insbesondere die öffentlichen Belange Gesundheit und Naherholung sowie die unzureichenden Verkehrswege entgegen", so Reicher. Es fehle an Zufahrtsstraßen für den An- und Abtransport von Biomasse und Gärresten. Schließlich müsse gewährleistet sein, dass im Notfall Feuerwehr und Rettungsdienst ohne Behinderung agieren können.

Das Außenbereichs-Privileg können überdies laut Reicher nur Landwirte in Anspruch nehmen, wenn der Ertrag der Energiegewinnung nur unerheblich zum Betriebsergebnis beitrage. Im Falle des Landwirts würde nach dessen Angaben der Ertrag aus der geplanten Biogasanlage mit 150 Kilowatt elektrischer Leistung den Großteil seines Einkommens ausmachen. Inwieweit sich das geplante Hackschnitzelwerk als Ergänzung zur Biogasanlage auf das Außenbereichs-Privileg auswirke, sei zu prüfen. In jedem Fall würde die Hackschnitzel-Trocknung zu einer zusätzlichen Lärm- und Verkehrsbelastung führen.

Der "Rund um die Uhr-Betrieb" in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung würde für die Bevölkerung belastenden Anlagen- und Verkehrslärm mit sich bringen. Ob und mit welchen Maßnahmen das Blockheizkraftwerk, das laut Antragsteller in der vorhandenen Scheune untergebracht werden soll, schallisoliert wird, bleibe ebenso abzuwarten. Ähnliches gelte für die Abgasbelastung, so Schöttner.

Die Biogasanlage erzeuge durch Fermentierung aus Biomasse unter anderem Methan, Kohlendioxid, Stickoxide, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Kohlenmonoxid und Formaldehyd. Der typische Gestank entstehe vor allem beim Leeren und Neubefüllen des Fermenters. Es komme zudem darauf an, so Reicher, was und wieviel an Maissilage, Grasschnitt, Rindermist etc. in den Fermenter eingebracht werde.

Biogasanlagen stehen den Initiatoren zufolge inzwischen in der Öko-Kritik. Die fragwürdige CO2-Bilanz von Biogasanlagen werde durch den Methan-Austritt noch problematischer. Gärrestelager und Blockheizkraftwerk (BHKW) setzen beträchtliche Emissionen frei. Dies sei schwerwiegend, da Methan (CH4) 23-mal klimaschädlicher sei als Kohlendioxid (CO2), so Reicher.

Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) weist in ihrer Göttinger Erklärung von 2010 auf ein nicht minder großes Problem hin: die Clostridien (ohne Sauerstoff lebensfähige, sporenbildende Bakterien), die im Boden, in Schlämmen, im Darm von Menschen und Tieren sowie auf Insekten, Würmern und Pflanzen vorkommen. Diese Bakterien könnten sich in Biogasanlagen vermehren. Somit seien die Gärreste zu erheblichen Teilen mit Clostridien versehen. Durch Verwendung als Bodendünger würden die Clostridien dann wieder in den natürlichen Kreislauf gelangen.

Die Hohenthanner haben sich bei bereits Betroffenen in Sindlhausen und im Nachbarlandkreis Ebersberg in Alxing, Taglaching, Pullenhofen und Kleinesterndorf erkundigt. Nachbarn der dortigen Biogasanlagen leiden eigenen Angaben zufolge massiv an Lärm- und Geruchsbelästigung.

Überdies hätten Beschwerden im jeweiligen Landratsamt kaum Erfolg - es würde nichts Effizientes unternommen. Neben braunem Sickerwasser leide man zudem unter permanenter Geruchsbelästigung, Gebäude seien nicht mehr zu vermieten. Auch der Schwerlastverkehr habe in diesen Orten stark zugenommen. Das Jahr über würden Tag und Nacht die Laster an- und abfahren, betonte Reicher.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

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