Horrorfahrt ohne Folgen

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Rosenheim - Es war eine Horrorfahrt auf der Autobahn. Ein aggressiver Autofahrer überholte ausgerechnet einen Kriminalbeamten auf kriminelle Weise.

Obwohl dieser geschulte Zeuge präzise Angaben machte, waren sie dem Gericht nicht eindeutig genug. Der Angeklagte behauptete, auf einer Geburtstagsfeier gewesen zu sein und wurde freigesprochen.

Sachlich, auf das Wesentliche beschränkt und beherrscht berichtete der Kriminalbeamte im Amtsgericht von der Fahrt auf der Autobahn München-Salzburg zwischen Rohrdorf und Achenmühle.

Er war am 25. September 2008 gegen 21 Uhr auf dem Nachhauseweg. Gerade hatte er zum überholen etlicher LKW angesetzt, als ein Pkw mit hoher Geschwindigkeit von hinten anrollte. Sein Citroen C1 sei nun mal keine Rennmaschine, berichtete der Zeuge, aber er habe Vollgas gegeben, um den überholvorgang möglichst zügig abzuschließen. Seinem Hintermann habe es offenkundig sehr pressiert. Dieser sei so dicht aufgefahren, dass er weder Nummernschild noch Scheinwerfer im Rückspiegel habe erkennen können.

Als sich eine kleine Lücke zwischen den überholten Lastwagen auftat, scherte der Verfolger in diese Lücke ein, um rechts zu überholen. Das klappte jedoch nicht, weil die Lücke zu klein war. Als der Kriminalbeamte selber schließlich die LKW-Kolonne überholt hatte, wollte er mit vorher gesetztem Blinker nach rechts ziehen, um dem Eiligen die Fahrbahn freizumachen. Voller Schrecken erkannte er im letzten Moment, dass der Drängler dabei war, ihn mit Hupe und Lichthupe rechts zu überholen. Gerade noch konnte er seinen Wagen wieder nach links ziehen und einen Zusammenstoß vermeiden.

Er habe den Fahrer im Profil genau gesehen und auch das Nummernschild gelesen, dessen Nummer er sich merkte und im nachhinein notierte, berichtete der Zeuge. Auf die Frage von Richterin Verena Köstner bestätigte er, es sei der Angeklagte, den er gesehen und wiedererkannt habe.

Umso verblüffender war die Aussage des 50-jährigen Beklagten: "Das ist egal, was der sagt. Ich war es nicht, weil ich beim Geburtstagfeiern war." Er sei gegen 19.30 Uhr bei dem Bekannten angekommen und erst nach 23.30 Uhr wieder nach Hause gefahren Verteidiger Alexander Weindl hatte vier Zeugen benannt, die beweisen sollten, dass der Angeklagte, ein Diplom-Ingenieur aus dem Landkreis, unmöglich der Verkehrsrüpel gewesen sein konnte.

Bei der Zeugeneinvernahme wurde es "königlich bayerisch"! Der damalige Jubilar wusste gar nichts ganz genau. "Rein gefühlsmäßig" waren alle seine Zeitangaben. Weil nur präzise Zeitangaben Schuld oder Unschuld belegen konnten, hatte die Richterin Mühe. Niemand hatte bei der Geburtstagsfeier jemals auf die Uhr geschaut. So konzentrierte sich die Richterin auf Merkmale wie "Einbruch der Dunkelheit", Essenszeiten und Dauer eines Duschvorganges, um die Zeit eingrenzen zu können.

Letzendlich überzeugten diese Aussgen die Richterin. Der Angeklagte konnte unmöglich gleichzeitig an zwei Orten gewesen sein. Es sei nicht auszuschließen, meinte die Richtrerin, dass ein Mann mit ähnlichem Profil auf der Autobahn sein Unwesen getrieben habe. Ein Nummernschild könne zudem unter dem Eindruck der Ereignisse falsch gelesen werden oder jemand könne sich falsch erinnern.

Wer den Kriminalbeamten dermaßen kriminell bedrängte, bleibt damit ungeklärt.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Mehr Info:

Bußgeldkatalog für den Straßenverkehr

Rubriklistenbild: © dpa

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