Immer mehr Kurse, immer weniger Platz

Bad Aibling - Die Volkshochschule Bad Aibling hatte in den letzten 20 Jahren eine ereignisreiche Geschichte. Der Ausbau des Angebotes ging dabei stetig voran:

Die Erfolgsgeschichte der Volkshochschule Bad Aibling (VHS) ist jetzt lesbar. Nicht zu einem runden Jubiläum, sondern anlässlich von "63 Jahre VHS Bad Aibling" ging nun eine entsprechende Chronik in den Druck. Begonnen hatte alles 1949 mit einer Veranstaltung und steigerte sich bis 2011 zu 575 Angeboten und 7033 Teilnehmern. Der heutige Teil widmet sich hauptsächlich den 90er- Jahren.

Hohe Wellen schlug 1990 das Ansinnen des Rechtspflegers beim Amtsgericht Rosenheim, den aus dem Jahr 1949 stammenden Kulturbund aus dem Vereinsregister zu löschen. Grund: Der Verein würde wirtschaftliche Interessen verfolgen. Bis zur bayerischen Staatsregierung und zum Deutschen Volkshochschulverband waren alle Zuständigen mit diesem Fall befasst. Letztendlich konnten die Aiblinger aber protestieren. "Der Sturm im Wasserglas" legte sich, schreibt Dr. Werner Keitz in der Chronik.

Im März dann ein im wahrsten Sinne historischer Moment: Auf Einladung des bayerischen Volkshochschulverbandes treffen sich in Bruckmühl die Volkshochschulen des Mangfalltals und beraten die Gründung einer "VHS im Mangfalltal e.V.". Parallel dazu laufen die Gespräche über eine überregionale VHS-Struktur auf Landkreisebene erfolglos. 1991 wird die VHS Ostermünchen-Tuntenhausen ins Leben gerufen.

Unstimmigkeiten zwischen der VHS Bad Aibling und der Feilnbacher Einrichtung führen dazu, dass Letzterer die Mitgliedschaft zum 31.12. 1992 entzogen wird. Die Vereinbarung lebt allerdings in einer geänderten Fassung kurze Zeit später wieder auf. Unter dem Motto "Tu was" wurde unter dem Umweltreferat der VHS Bad Aibling mit Herbert Schleibinger an der Spitze ein neuer Schwerpunkt gelegt: Themen wie Verkehr und Wasser werden erörtert.

Nach 20 Jahren gibt es 1992 eine Wachablösung an der Spitze der Volkshochschule Bad Aibling: Auf Dr. Wolfgang Kessler folgt Alois Pöschl. Gleichzeitig wird einer Namensänderung zugestimmt. Der bis heute gültige Name Volkshochschule Bad Aibling wird eingeführt. Diese Änderung geht einher mit der Weichenstellung für eine künftige hauptamtliche Geschäftsführung. 1995 gibt es im Bereich der Gesundheitsvorsorge ein gemeinsames Heft mit allen von AOK und Volkshochschulen im Rosenheimer Bereich angebotenen Gesundheitskursen.

1997 ist geprägt von einer steigenden Nachfrage nach EDV-Kursen. Zudem nimmt die Raumnot immer mehr überhand. Vor allem frei verfügbare Kursorte fehlen. Seit 1999 treten auf Betreiben des bayerischen VHS-Verband alle Volkshochschulen unter einem gemeinsamen Logo auf. Auch strebte man eine zertifizierte Qualität an. Noch vor der Jahrtausendwende wurde der städtische Zuschuss von 50000 auf 85000 D-Mark erhöht.

Seit Mai 2000 sind die Programmhefte in Themenkreise wie Gesellschaft, Beruf, Sprache, Gesundheit etc. aufgeteilt. Die immer drängendere Raumfrage nimmt bei der Jahreshauptversammlung breiten Raum ein. Erstmals wird die Unterbringung der VHS an der Heubergstraße auf zwei Geschossen erörtert. Einem eigenen VHS-Zentrum dort steht der Stadtrat positiv gegenüber. Auf der Rangliste der 74 oberbayerischen Volkshochschulen belegt Bad Aibling zu diesem Zeitpunkt Platz 51.

2001 erfolgt die Bewilligung einer hauptamtlichen Fachkraft für die VHS Bad Aibling. Gleichzeitig nehmen die Umbaupläne für das neue Domizil an der Heubergstraße immer mehr Gestalt an. Die Mietkosten sowie die Grundausstattung werden von der Stadt - gedeckelt bis 71580 Euro - finanziert. In diesem Jahr besuchten 4209 Hörer 281 Veranstaltungen. Im Juli 2002 dann ein herber Schlag: Alois Pöschl kündigt für die nächste Mitgliederversammlung seinen Rücktritt an. Auch seine Frau Irmgard - in zahlreichen Funktionen aktiv - beendet ihre Tätigkeit. Bürgermeister Felix Schwaller - bis dato Zweiter Vorsitzender - ist zur Übernahme des Vorsitzes bereit. Eine 30-jährige VHS-Ära geht am 24. Oktober somit zu Ende. Pöschl wird zum Ehrenmitglied der VHS ernannt. Im Dezember wird er für sein Lebenswerk im Ehrenamt mit der goldenen Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet. Schwaller damals: "Die Leistungen Pöschls in barer Münze bewertet, hätte die Stadt mindestens eine Million Euro gekostet."

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

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