Landwirt am Irschenberg tot, Ersthelfer bewusstlos

Todesdrama auf Bauernhof: Feuerwehr binnen sieben Minuten vor Ort

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Irschenberg - Eine schreckliche Tragödie hat sich am Sonntagabend auf einem Bauernhof im Ortsteil Buchfeld abgespielt. Ein Landwirt starb in einem Silo, drei weitere Menschen wurden verletzt. Ein Ersthelfer hätte seinen Einsatz ebenfalls fast mit dem Leben bezahlt.

UPDATE, Dienstag, 6 Uhr - Feuerwehr binnen sieben Minuten vor Ort

Jetzt sind noch einige Details zu dem schlimmen Einsatz am Sonntagabend auf einem Bauernhof am Irschenberg durchgesickert. Demnach mussten sowohl die Familie als auch die Einsatzkräfte nach dem Einsatz von einem Kriseninterventionsteam betreut werden, berichtet das Oberbayerische Volksblatt am Mittwoch. Zudem hielt Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner eine kleine Andacht für den Toten ab. "Darauf legen wir Wert", sagte Feuerwehr-Kommandant Niggl der Zeitung.

Unterdessen wurde die Leiche am Dienstagnachmittag bereits im Rechtsmedizinischen Institut in München obduziert. Ein Ergebnis lag hierzu am frühen Mittwochmorgen jedoch noch nicht vor. Obwohl die Feuerwehrler nach der Alarmierung laut merkur.de binnen sieben Minuten am Einsatzort waren und ihre Atemschutz-Ausrüstung noch während der Anfahrt in den Fahrzeugen anlegten, war für den 72-jährigen Landwirt jede Hilfe zu spät gekommen. Er starb noch im Silo einen grausamen Erstickungstod, vermutlich durch das Gas des vergärenden Materials. 

Ein Ersthelfer, bei dem es sich laut merkur.de um einen Angehörigen handelt, wurde in allerletzter Sekunde bewusstlos gerettet. Der 30-Jährige befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung.

UPDATE, 12.50 Uhr - So schildert die Feuerwehr den Einsatz

Jetzt hat sich auch die Feuerwehr zu dem dramatischen Einsatz zu Wort gemeldet. Irschenbergs Kommandant Tom Niggl beschrieb die Lage gegenüber unserem Partnerportal merkur.de wie folgt: Es habe sich um ein unterirdisches Tiefsilo in einer Tenne gehandelt. Dieses sei bis in einer Tiefe von zwei Metern unter Bodenniveau gefüllt gewesen. Der Landwirt habe leblos auf der Abdeckplane gelegen, die normalerweise den Einstieg des Silos wie eine Haube verschließt. 

Warum der Mann in die tödliche Falle geraten war, ist bislang unklar. Laut Niggl war beim Eintreffen der Feuerwehr auch der Ersthelfer bereits bewusstlos. Über die Leiter stiegen dann sofort die Atemschutzträger zu den beiden Männern hinab und zogen sie mit einem Seil aus dem Silo. Für das Anlegen einer aufwendigeren Bergevorrichtung sei in solchen Fällen schlicht keine Zeit, so Niggl weiter. Für den 72-Jährigen kam aber dennoch jede Hilfe zu spät.

Niggl betonte allerdings, dass alles noch viel schlimmer hätte enden können. Denn als die Floriansjünger eintrafen, waren zwei jüngere Frauen wohl drauf und dran, ebenfalls zu beiden Verunglückten ins Silo hinabzusteigen. Wäre die Feuerwehr nur wenig später eingetroffen, hätte es vermutlich noch mehr Opfer gegeben.

UPDATE, 11 Uhr - Pressemitteilung der Polizei

Auf einem landwirtschaftlichen Anwesen kam es am Sonntagabend, 2. Dezember, zu einem tragischen Unfall. Ein Landwirt (72) konnte aus einem Silo nur mehr tot geborgen werden. Ein 30-jähriger Helfer, der in den Silo gestiegen war und dort bewusstlos wurde, kam in ein Krankenhaus. Ebenso wurden zwei weitere Angehörige, die sich am Silo aufgehalten hatten, in das Krankenhaus eingeliefert. Die Miesbacher Kriminalpolizei übernahm die Untersuchungen in dem Fall. 

Weil sie ihren Ehemann vermisste, sah eine Frau am Sonntagabend gegen 19.30 Uhr auf einem landwirtschaftlichen Anwesen im Gemeindebereich von Irschenberg nach dem 72-Jährigen. Sie fand ihn leblos in einem Futtersilo liegend und alarmierte andere Angehörige. Ein 30-Jähriger, der zu dem Verunfallten in den Silo stieg, verlor beim Versuch, den Landwirt zu retten, ebenfalls das Bewusstsein. Die Rettungskräfte der umliegenden Feuerwehren konnten mit Hilfe ihrer Atemschutzausrüstungen beide Männer aus dem Silo retten beziehungsweise bergen. 

Für den 72- Jährigen kam aber leider jede Hilfe zu spät, ein Notarzt konnte nur mehr den Tod feststellen. Der 30-Jährige hatte Glück und überlebte. Er kam in ein Krankenhaus, sein Zustand ist stabil. Zwei weitere Angehörige, die sich unmittelbar am Silo aufgehalten hatten, kamen ebenfalls in das Krankenhaus. 

Der Kriminaldauerdienst (KDD) der Kripo Rosenheim übernahm die ersten Ermittlungen vor Ort, inzwischen liegt die Sachbearbeitung bei der örtlich zuständigen Kriminalpolizeistation Miesbach. Nach dem Stand der Untersuchungen muss von einem tragischen Unfallgeschehen ausgegangen werden, das im Zusammenhang mit den Gärgasen steht, die regelmäßig in Silos entstehen. Klärung soll letztlich die Obduktion des Toten bringen, die für den heutigen Nachmittag im Rechtsmedizinischen Institut in München angesetzt ist.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Hintergrund: 

Gärgase sind Luftmischungen, die bei Gärprozessen in den Silos entstehen. Sie enthalten einen höheren Kohlenstoffdioxidanteil als normale Luft und sind schwerer als diese. Deshalb sinken sie an den Boden des Silos und bilden dort einen sogenannten Gärgas-See. Weil sie geruchlos sind, werden sie von Menschen, die sich dort aufhalten, oft nicht wahrgenommen. 

Gärgas-Unfallopfer werden im schlimmsten Fall fast ohne Vorwarnung bewusstlos und fallen zu Boden, womit sie mit ihren Atemwegen erst recht in den Gärgas-See gelangen. Je nach Kohlendioxid-Konzentration in der Atemluft tritt der Tod sehr schnell ein.

Die Erstmeldung:

Eine schlimme Tragödie hat sich am Sonntagabend im Gemeindegebiet zugetragen. Ein Landwirt kam bei einem Silo-Unfall ums Leben. Ein Ersthelfer hätte sein Eingreifen ebenfalls beinahe mit dem Leben bezahlt.

Nach dem Unfall, der sich ersten Erkenntnissen zufolge am Sonntagabend gegen 18.50 Uhr im Ortsteil Buchfeld ereignet hatte, wurde ein Großaufgebot an Rettungskräften alarmiert. Eine Person würde leblos in einem Silo liegen, lautete die erste Meldung, wie unser Partnerportal merkur.de berichtet.

Vor Ort angekommen, war die Lage aber offenbar weit dramatischer. Die Rettungskräfte konnten einen bewusstlosen Mann, der laut einem Radiobericht des Bayerischen Rundfunks 30 Jahre alt sein soll, unter Atemschutz aus dem Silo retten. Der Mann war vermutlich in das Silo gestiegen, um dort einem Landwirt zu helfen, der ebenfalls bewusstlos geworden war.

Für den 72-jährigen Landwirt kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er konnte laut Bayerischem Rundfunk nur noch tot von den Rettern geborgen werden. Nähere Informationen zu dem Fall liegen derzeit nicht vor. Es waren neben Mitarbeitern des Rettungsdienstes und der Polizei auch die Feuerwehren aus Irschenberg, Niklasreuth, Miesbach und Bad Aibling an der Unglücksstelle im Einsatz.

mw

Quelle: mangfall24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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