Jahrgang: Kritisch und durchwachsen

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Die Jahrgangsbesten Thomas Gemünden, Dominik Möslein und Larissa Vierl wurden von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling ausgezeichnet.

Bruckmühl - "Abi-Rouge, Hauptsache raus aus dem Rotstift-Milieu." So lautete das Motto der 80 Abiturienten des Gymnasiums, denen in der Schulaula die Hochschulreife überreicht wurde.

Zugleich wurden sie musikalisch verabschiedet. Dabei mussten die Lehrer bei den Prüfungen gar nicht allzu oft zum Rotstift greifen, da 18 Schüler ihr Abitur mit einer Eins vorm Komma ablegten.

Ausgerechnet über das italienische Nationalgetränk Wein sprach Schulleiter Walter Baier bei seiner Begrüßungsrede. Und das einen Tag nach dem Halbfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien. Doch das schien die Gäste in der vollbesetzten Aula nicht zu interessieren. Unter anderem waren Bruckmühls Bürgermeister Franz Heinritzi, sein Feldkirchner Kollege Bernhard Schweiger und der Stellvertreter des Landrats, Dieter Kannengießer, im Publikum.

Die Bigband unter der Leitung von Schulleiter Walter Baier.

Baier wies darauf hin, dass Weinkenner genau darauf achteten, wie sich der Jahrgang entwickle. Er habe im Weinbuch nachgelesen, was über den Jahrgang 93/94 gesagt werde - dieser sei etwas kritisch und sehr durchwachsen, indes gebe es durchaus einzelne Spitzensorten. Der Rektor wandte sich seinen Abiturienten zu: "Ihr wart nicht der letzte G-9 oder der erste G-8 Jahrgang. Ihr wart von den Noten her nicht die Besten, aber auch nicht die Schlechtesten. Aber Ihr wart der erste Jahrgang, der bei seiner Anmeldung am Gymnasium wusste, dass es nur noch acht Jahre bis zum Abitur dauert. Und bei Eurem Jahrgang sind mal nicht die Damen die Jahrgangsbesten, sondern zwei Herren mit einem Abiturschnitt von 1,0."

Der Schulleiter sprach im Rückblick von einem "normalen Schulgang" - was nichts Schlechtes sei, im Gegenteil. Gerade heutzutage mit aller Hektik und allem Stress würden sich viele Menschen nach Normalität sehnen. "Ihr könnt stolz auf Euch sein."

Von einst 105 Einschreibungen am Gymnasium haben an diesem Tag 80 Gymnasiasten das Abitur erreicht. Von ihnen haben 18 Schüler mit einer Eins vorm Komma bestanden und sieben das Abitur mit einem Notenschnitt von 1,5 oder besser abgelegt.

Anja Schlesinger und Kilian Baumgartner ließen bei ihrer Rede einige schulische Vorfälle Revue passieren.

Die drei Jahrgangsbesten waren Thomas Gemünden, und Dominik Möslein mit der Traumnote 1,0 sowie Larissa Vierl mit einem Schnitt von 1,1. Sie erhielten von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling eine Auszeichnung in Form einer Goldmünze. Für Thomas Gemünden sollte es nicht der einzige Gang auf die Bühne bleiben. Er war gleichzeitig der Jahrgangsbeste in den Fächern Mathematik und Physik und wurde hier ebenfalls geehrt.

Für musikalische Unterhaltung zwischendurch sorgten verschiedene Gesangseinlagen und vor allem die Bigband des Gymnasiums unter Leitung von Schulleiter Baier. Das fiel auch Kannengießer auf. Seine Rede startete er mit den Worten: "Herr Baier, Kompliment, Sie dirigieren das Orchester genauso gut wie Ihre Schule." Danach wies er darauf hin, dass die Abiturienten etwas geschafft hätten, was nicht jeder schaffe. "Ihr habt das bayerische oder besser gesagt das Bruckmühler Abitur, was wesentlich schwerer als in anderen Bundesländern ist." Im ganzen Landkreis habe es 51-mal die Note 1,5 oder besser gegeben und jeder siebte davon käme aus der Marktgemeinde.

Bürgermeister Heinritzi zitierte in seiner Rede Albert Einstein, der einmal sagte, er habe keine besondere Begabung, er sei nur leidenschaftlich neugierig. "Also bleibt neugierig und vertraut auf Euren Verstand", fügte er hinzu. Sein Kollege Bernhard Schweiger hatte eine Bitte an die Eltern: "Begleiten Sie Ihr Kind weiterhin. Ihr Kind braucht Sie."

Gert Autz vom Elternbeirat erinnerte daran, dass sich mit dem heutigen Tage nicht nur etwas für die Schüler, sondern auch für die Eltern ändere. Das Abitur werde zwar als Abschluss einer Lebenszeit gesehen, sei aber gleichzeitig ein Anfang, für den er den Schülern alles Gute wünsche.

Auch Direktor Walter Baier bekam von seinen Schülern ein Präsent überreicht.

Bei ihrer Rede dankten die Abiturienten Anja Schlesinger und Kilian Baumgartner ihrem Schulleiter, dem Sekretariat, dem gesamten Lehrerkollegium und insbesondere den Lehrern Schaller, Weirich, Blum und Wolf. Zuvor nahmen sie noch Geschehnisse aus den letzten Jahren auf eine ironische Weise unter die Lupe.

Bevor die Zeugnisse übergeben wurden, riet Schulleiter Baier seinen nun ehemaligen Schülern, sich Vorbilder auf ihrem weiteren Lebensweg zu suchen. Die Übergabe der Abitur-Mappen erfolgte in Gruppen, von denen jede ihr eigenes Übergabe-Lied hatte. Dabei kam es vor, dass der eine oder andere Abiturient seiner Erleichterung mit einem lauten Jubelschrei mit in die Luft gerissenen Armen freien Lauf ließ.

bok/Mangfall-Bote

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