"Die Jugend ist besser als ihr Ruf"

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Vor dem Jugendtreff auf dem B+O Gelände Mitglieder des Fokus Familiennetzwerks MdL Biechl, MdB Bär, Bürgermeister Schwaller, MdB Raab.

Bad Aibling - Daniela Raab und Dorothee Bär waren zu Besuch im Jugendtreff. Thema war der Alkoholkonsum unter Jugendlichen und die Gewaltbereitschaft.

Bad Aibling – Der steigende Alkoholkonsum und die daraus folgende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen bereitet der Polizei Sorgen. Dennoch: „Die Jugend ist insgesamt besser als ihr Ruf.“ Dieses Fazit zogen die Rosenheimer CSU – Bundestagsabgeordnete Daniela Raab und ihre Fraktionskollegin und stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär nach einem Besuch bei der Polizeiinspektion Bad Aibling und im Jugendtreff Kick auf dem B & O Gelände. „Die Jugend ist nicht so schlimm, wie man es ihr nachsagt. Doch der Alkoholkonsum vor allem der unter 16-jährigen gibt massiv Anlass zur Sorge“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion, Erster Polizeihauptkommissar Markus Reiter. „Feierlichkeiten Jugendlicher ohne Alkoholkonsum gibt es nach unseren Erfahrungen offenbar nicht mehr. Meist wird schon mit Alkohol „vorgeglüht.“

MDB Bär, MdB Raab und PI Leiter Markus Reiter

Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hatten von Januar bis März dieses Jahres 487 betrunkene Jugendliche Kontakt mit der Polizei. Erschreckend dabei: das Durchschnittsalter lag bei 15 Jahren. Der enorme Alkoholkonsum macht die Jugendlichen aggressiv, die Schwelle zu Tätigkeiten sinkt. Jede dritte Körperverletzung im Bereich der PI Bad Aibling erfolgte im vergangenen Jahr durch einen Jugendlichen. Bei gefährlichen Körperverletzungen liegt der Anteil sogar bei 52 Prozent. Die Polizeiinspektion Bad Aibling hat mit Miriam Glienke eine Jugendbeamtin, die an den stadtbekannten Treffpunkten den Kontakt mit den Jugendlichen sucht und in der Schule wertvolle Präventionsarbeit leistet.

„Fast alle Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahren haben schon einmal einen alkoholbedingten Rausch gehabt. Deshalb ist es uns wichtig, über Suchtgefahren aufzuklären.“ Trotz des Alkoholproblems: Bad Aibling ist ein sicheres Pflaster. „Die Mehrheit der Jugendlichen verhält sich anständig, und die Präventionsarbeit bewährt sich“, so Reiter. Daniela Raab und Dorothee Bär würden den Verkauf von Alkohol an Tankstellen gerne untersagen, doch mit dieser Forderung ist die CSU gescheitert. „Das ist bedauerlich, denn viele Jugendlichen holen sich ihre Getränke nach Ladenschluss dort“, sagte Raab.

Die heimische Wahlkreisabgeordnete und Dorothee Bär befürworten auch, dass es bei Straftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden je nach Schwere der Verfehlung ein Fahrverbot, einen Entzug der Fahrerlaubnis bzw. eine Sperre für den Erwerb einer Fahrerlaubnis als Sanktion gibt. „Das trifft die Jugendlichen empfindlich“, bestätigte auch Miriam Glienke. Die Präventionsarbeit und die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Behörden und Jugendtreff funktioniert in Bad Aibling vorbildlich. Das erfuhren die beiden Bundestagsabgeordneten beim Besuch im Jugendtreff Kick auf dem B & O Gelände.

Träger ist das Fokus Familiennetzwerk. „Wir haben gute Kontakte untereinander, und inzwischen ein gutes Angebot für die Jugendlichen“, sagte die Vorsitzende Irene Durukan. Für sie ist es wichtig, mit einem alten Vorurteil aufzuräumen: „Jugendliche mit Problemen kommen nicht immer aus schwierigen Familienverhältnissen. Es sind oft die ganz ‚normalen’ Familienverhältnisse.“ Rund 50 Jugendliche nutzen den Treff täglich. Die Mitglieder des Fokus Familiennetzwerks und die Polizei in Bad Aibling sehen noch ein Defizit gerade bei männlichen Jugendlichen: Ihnen fehlt oft eine männliche Bezugsperson.

Im pädagogischen Bereich sind Frauen in der Mehrzahl. „In der Erziehung dürfen die Männer aber nicht fehlen“, so Durukan. Dorothee Bär betonte, die Bundesregierung habe in den vergangenen Jahren zu großen Wert auf Bildungs- und Familienpolitik gelegt. „Da ist die Jugendpolitik zu kurz gekommen, das werden wir ändern.“ Daniela Raab wies darauf hin, dass es im Bundesfamilienministerium das neue Referat „Jungenpolitik“ gebe. „Die Mädchen sind in der Schule besser, Jungen haben oft zu wenige Bezugspersonen. Wir müssen darauf achten, dass die Jungen die gleichen Startchancen haben. So fängt die Prävention in der Jugendarbeit an.“

Pressemeldung Bundestag

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