Jugendliche tragen Stellwerk "zu Grabe"

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Der Trauerzug mit dem Stellwerk-Modell an der Spitze auf Höhe des Totenbergs.

Bad Aibling - Standesgemäß verabschiedeten sich Mitglieder und Freunde der Jugendinitiative Mangfalltal von ihrer seit 20 Jahren bestehenden Wirkungsstätte, dem "Stellwerk".

In der Dämmerung wurde ein Modell des Gebäudes, das in den vergangenen 20 Jahren für viele zur "zweiten Heimat" geworden war, auf eine aus Leiterwagerl und leeren Bierträgern zusammengebaute "Lafette" gestellt.

Drumherum versammelten sich etwa 70 Jugendliche, die "ihr" Stellwerk in einem von der Polizei abgesicherten "Trauerzug" vom Bahnhof über die Kirchzeile den Totenberg hinauf zur symbolischen Grabstätte, der Stadtverwaltung "Am Klafferer" begleiteten. Meist in Trauerkleidung und mit Kerzen, die die Organisatoren in mühevoller Kleinarbeit zusammengebastelt hatten, folgten aktuelle und ehemalige Stellwerk-Besucher der mit viel Liebe zum Detail nachgebauten Holzattrappe des Gebäudes, in dem die meisten unzählige fröhliche Stunden verbracht oder daran und darin mitgearbeitet hatten.

Das "tote Stellwerk" im Lichtermeer der Trauerkerzen.

Vor dem Verwaltungsgebäude angekommen, diente die Rathauspforte als "Begräbnisplatz" für das Stellwerk. Einer nach dem anderen stellte die mitgebrachte Kerze vor die Stufen und als alle damit fertig waren, sah das Ganze einem "echten" Grab sehr ähnlich. Keineswegs ungewollt, denn die meisten "Trauergäste" waren der Meinung, dass eben im Rathaus die "Totengräber" des Stellwerks zu Gange gewesen seien.

Auch Traueransprachen wurden gehalten, in denen deutlich wurde, dass ein neuer Treffpunkt, ganz gleich wo er letztlich sein mag, das Stellwerk nicht wird ersetzen können. Treffend dazu die Aussage eines "Trauerredners", der meinte: "Das Stellwerk ist mein Wohnzimmer geworden". Wie es sich für eine "schöne Leich", als die man die Veranstaltung ohne Zweifel bezeichnen kann, gehört, wurde hinterher im "echten" Stellwerk das "Leichenmahl" begangen.

uhe/Mangfall-Bote

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