Kellerberg: Penthouse vom Dach

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Das geplante Gesundheitszentrum über der Tiefgarage am Kellerberg soll nach dem Willen des Stadtrates nur vier statt fünf Stockwerke hoch werden.

Bad Aibling - Rückenwind in noch nie dagewesener Stärke in Sachen Kellerbergbebauung signalisierte der Stadtrat: Einstimmig fasste er für das Areal den erneuten Billigungs- und Aufstellungsbeschluss.

Für Zündstoff sorgte allerdings das geplante Penthouse auf dem Ärztehaus: Während das Gremium diesem Vorhaben eine klare Absage erteilte, will der Investor darauf offenbar keinesfalls verzichten. Die Front gegen das 170 Quadratmeter große Penthouse im fünften Stock des Gesundheitszentrums über der Tiefgarage war bereits vor der Sondersitzung massiv: Städteplaner, Kreisheimatpfleger und Denkmalschutzbehörden sahen den Aufbau, der die Wandhöhe auf insgesamt 18,40 Meter erhöht, in ihren Stellungnahmen sowie im jüngsten Abstimmungsgespräch mit der Stadtverwaltung sehr kritisch und lehnten ihn ab. Argumente: Er bilde einen Fremdkörper im Gesamt-Ensemble und schränke den Blick auf die historische und stadtbildprägende Ansicht der ehemaligen Brauereigebäude ein. Hinzu komme, dass das Penthouse im Vergleich zur umliegenden Bebauung die Höhenentwicklung sprenge. Städteplaner Eberhard von Angerer sieht gerade diese Entwicklung hinsichtlich der Städtebauförderung problematisch. Sollte sich das Konzept nicht ins Stadtbild einfügen, könnten Zuschüsse gefährdet sein. Der deutlichen Sprache der Experten schlossen sich fast alle Stadträte an.

Da der Bebauungsplan Baurecht enthalte, das sich der vorherige Interessent „nur in den kühnsten Träumen hätte erwarten können“, ist es laut SPD-Stadtrat Richard Lechner und Dieter Bräunlich (ÜWG) kein Beinbruch, wenn das fünfte Stockwerk nicht realisiert werde. Vorgesehen ist hier eine Arztpraxis, da Wohnnutzung von Verwaltung und Stadtrat dort nicht gewünscht wird. Die früheren Pläne hatten, wie berichtet, ein 16 Meter hohes, viergeschossiges Gebäude auf der Tiefgarage vorgesehen, wobei die beiden oberen zurückgesetzten Stockwerke durch die geplante Verglasung viel weniger massiv gewirkt hätten.

Blick auf die Kellerstraße mit Zufahrt zur bestehenden Tiefgarage.

Rudi Gebhart (ÜWG) wunderte sich hierbei, warum sich die Planer über dieses Thema offensichtlich keine weiteren Gedanken gemacht haben, obwohl es bereits im Vorfeld massive Bedenken bezüglich des fünften Stockwerkes gegeben habe. Weniger kritisch sahen zwei CSU-Stadträte den Aufbau: Während Josef Schmid die Ansicht von der Kellerstraße aus optisch schöner fand als möglicherweise ein „Riesenflachdach auf dem vierten Stockwerk“, sah Dr. Alois Kreitmeier keinen Grund, das fünfte Stockwerk zu streichen. Erwin Kühnel (CSU) gab zu bedenken, dass man die oberste Etage von unten kaum sehe, aber künftigen Bewohnern des rückwärtigen Gebäudes der Anblick missfallen könnte.

Um überhaupt eine Vorstellung von den Dimensionen und eine bessere Entscheidungsgrundlage zu bescheidungsgrundlage zu bekommen, schlug Stefan Roßteuscher (ÜWG) ein Phantomgerüst an Ort und Stelle vor.

Mit 16:7 Stimmen lehnte der Stadtrat das fünfte Geschoss letztlich ab, was bei den Investoren dem Vernehmen nach zu heftiger Verärgerung führte. Unmittelbar nach der Sitzung wusste das Gremium somit auch nicht, ob und wie die Planungen nun weitergehen. Die Bauwerber waren gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bürgermeister Felix Schwaller will am kommenden Montag zusammen mit ihnen und Städteplaner von Angerer versuchen, architektonische Lösungsvarianten tonische Lösungsvarianten zu finden. Das Gremium würdigte einhellig die positiven Entwicklungen für das „Problemkind Kellerberg“ und das Engagement der Investoren. Den weiteren Entwurf des Bebauungsplanes billigte der Stadtrat nach etlichen Diskussionen einstimmig, auch wenn sich einige Ratsmitglieder für dieses prägende Gelände eine „etwas weniger banale Architektur“ gewünscht hätten. Rosmarie Matheis (ÜWG) erinnerte hier insbesondere an all die Überlegungen, die man beim Rathausneubau vorgebracht hatte. Otto Steffl (CSU) und Richard Lechner brachen zudem eine Lanze für die dem eine Lanze für die schützenswerten Keller (zirka 100 Quadratmeter) hinter den Gebäuden an der Rosenheimer Straße/Ludwigskreisel. Diese könnten in Verbindung mit einem Garten gastronomisch oder anderweitig gewerblich genutzt werden. Lechners Antrag, dass diese erhalten bleiben müssen, schlossen sich bis auf eine Ausnahme alle Stadträte an.

Einstimmig abgelehnt wurden zudem ein eingeschossiger Flachbau im "Hof" des geplanten u-förmigen Geschäftshauses an der Rosenheimer Straße sowie ein dreieckiger Gebäudeteil am Gesundheitszentrum (Kellerstraße, 20:3). Kritikpunkt: Dieser hätte die Sicht auf das denkmalgeschütze Gebäude der ehemaligen Mälzerei versperrt.

Anita Fuchs und Max Leuprecht (GOL) forderten den viel genutzten öffentlichen Gehweg von der Krankenhausstraße zur Schwarzfischerallee von der Wohnbebauung abzurücken und so zu verlagern, dass die südöstlichen Linden nicht beeinträchtig werden. Leuprechts Antrag, die städtebauliche Anordnung der drei Mehrfamilienhäuser an der Krankenhausstraße zu optimieren (zwei statt drei Baukörper bei gleichbleibender Anzahl der Wohneinheiten), wurde abschließend mit 12:11 Stimmen angenommen.

Eva Langwieder/Mangfall-Bote

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