Freundschaftsdienst mit Undank belohnt

Kolbermoor - In Zukunft wird Vorarbeiter Hassan (Name geändert), der bei einer bekannten Firma für Regalauffüllung tätig ist, keinem seiner Arbeitskollegen so schnell wieder Vertrauen schenken und „aus der Patsche“ helfen.

Einem arbeitslosen Bekannten aus Kolbermoor, dem er helfen wollte, vermittelte er als Freundschaftsdienst bei seiner Firma eine Beschäftigung auf 400-Euro-Basis, die diesen dann ebenfalls als Regalauffüller für einen Kolbermoorer Discountmarkt einstellte. Doch Vorarbeiter Hassan wurde bald von seinem Bekannten in vorgefasster, betrügerischer Absicht schmählich hintergangen.

Ab dem Zeitpunkt der Einstellung in einem Kolbermoorer Discountmarkt lieh sich der "gute" Bekannte, ein 26-jähriger gelernter Einzelhandelskaufmann, vom hilfsbereiten Vorabeiter Hassan mehrfach kleinere Geldbeträge unter dem Hinweis, dass er sich in Geldnot befinde. Und Hassan half. Knapp einem Monat nach Arbeitsaufnahme wurde dem Neueingestellten aus nicht bekannten Gründen gekündigt.

Am gleichen Tag, am 10. April dieses Jahres, als die Tätigkeit des Bekannten zu Ende ging, beklagte sich der Bekannte bei seinem ehemaligen Vorarbeiter Hassan und ließ diesen per SMS wissen, dass er für die bis dato gerade einmal einen Monat dauernde Tätigkeit noch keinen Lohn erhalten habe, aber das Geld dringend benötige. Er bat Vorarbeiter Hassan deshalb, für die Firma quasi in Vorleistung zu treten und den vermeintlich ausstehenden Betrag ihm vorzuschießen.

Und Vorarbeiter Hassan half abermals, denn er ging davon aus, dass der Lohn tatsächlich noch nicht ausbezahlt worden war und dass dies noch geschehen werde, denn er war von der Zuverlässigkeit seines Arbeitgebers, der Regalauffüll-Firma, überzeugt. Doch die Klagen des Bekannten waren erfunden. In Wahrheit war der Lohn dem Bekannten und jetzt Angeklagten jedoch bereits einige Tage vorher auf dessen Girokonto überwiesen worden. Den Betrag hatte dieser aber unmittelbar nach Eingang auf seinem Konto, bereits am nächsten Tag, abgehoben.

Die Angaben des Angeklagten gegenüber Vorarbeiter Hassan, er habe keinen Lohn erhalten, waren daher nach Auffassung des Amts bewusst wahrheitswidrig. Der gutgläubige Hassan ging mit dem betrügerischen Bekannten zu seiner Bank, hob dort einen Betrag von 401 Euro ab und übergab das Geld dem Betrüger. Bei der Übergabe des Geldes unterzeichnete der Angeklagte eine Art Quittung, in der er bestätigte, von Vorarbeiter Hassan einen Betrag in Höhe von 546 Euro erhalten zu haben. Der Betrag setzt sich zusammen aus den tätsächlich ausgehändigten 401 Euro sowie den eingangs erwähnten, geliehenen Kleinbeträgen.

Als Vorarbeiter Hassan seinen Arbeitgeber, die Regalauffüll-Firma, ob der Angelegenheit ansprach, musste er erkennen, dass er von seinem Bekannten in betrügerischer Absicht schmählich hintergangen worden war, denn diesem war aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage bewusst, dass er den quasi als Vorschuss erhaltenen Betrag überhaupt nicht hätte zurückzahlen können. Glück für Vorarbeiter Hassan, denn dessen Arbeitgeber überwies in der Folgezeit einen noch ausstehenden Restbetrag von 246 Euro für den gekündigten Bekannten. Diesen Betrag konnte Vorarbeiter Hassan mit der "erbrachten Vorleistung" verrechnen. Dadurch blieb er nur noch auf einer Restschuld von 155 Euro sitzen.

Für Strafrichterin Isabella Hubert am Aiblinger Amtsgericht ein klarer Fall von Betrug, dem die Täuschungsabsicht und Vermögensübertragung (unterzeichnete Quittung) vorausgegangen waren. Obwohl der hinterzogene Betrag gering sei, so heißt es in der Urteilsbegründung, sei eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten durchaus angemessen, denn der Angeklagte habe sich seine einschlägigen Vorstrafen - Diebstahl, räuberische Erpressung, Falscheid und Leistungserschleichung - nicht zur Warnung dienen lassen, zumal er derzeit wegen anderer Straftaten bereits eine Freiheitsstrafe in der JVA Bernau absitzen muss. Eine positive Sozialprognose sei deshalb auch nicht erkennbar.

je/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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