Knapper Baugrund, steigende Preise

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Baugrund - wie hier an der Irlachstraße - ist knapp in der Kurstadt; die Immobilienpreise steigen.

Bad Aibling - Eine sehr hohe Nachfrage prägt den Immobilienmarkt in Bad Aibling. Die Angebote können dabei nicht mithalten, sie sind teilweise kaum vorhanden.

Zu diesem Schluss kommt ein Marktbericht für den Immobilienverbund Rosenheimer Land/Bereich Bad Aibling-Mangfalltal.

Gerhard Reitberger und Bürgermeister Schwaller bei der Analyse des Marktberichts.

Begehrt ist der Standort Bad Aibling vor allem auch bei Familien aufgrund des umfassenden Kinderbetreuungangebotes von der Krippe bis zum Hort sowie das Vorhandensein aller weiterführender Schularten. "Die typische junge Familie sucht derzeit im Großraum Bad Aibling vermehrt nach Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Reihenhäusern im Preissegment bis etwa 350.000 Euro", erklärte Immobilienmakler Gerhard Reitberger bei der Übergabe des von ihm und Josef Glaser verfassten Marktberichts an Bürgermeister Felix Schwaller in der Stadtverwaltung. Doch genau in diesem Bereich gebe es kaum Angebote.

Die Preise für Einfamilienhäuser in Bad Aibling für einfachen Wohnwert lagen dem Bericht zufolge im Jahr 2009 bis 2010 bei durchschnittlich 280.000 Euro, für mittleren bei rund 420.000 Euro und für sehr guten Wohnwert bei 600.000 Euro. Eigentumswohnungen hätten im Jahr 2010 - nach einer leichten Stagnation von 1995 bis 2005 - Höchstpreise von über 3000 Euro pro Quadratmeter erreicht. Die Mietpreise bewegen sich mittlerweile bei zirka neun bis 9,50 Euro pro Quadratmeter.

Die Baugrundstückspreise liegen in einfachen Lagen bei zirka 300 Euro, in sehr guten Wohnlagen steigen sie bis 470 Euro pro Quadratmeter. Allerdings seien Baugrundstücke in Bad Aibling kaum verfügbar. Außer Bauland für Einheimische seien seit den 80er-Jahren keine größeren Baugrundstücke mehr ausgewiesen worden, so Bürgermeister Schwaller. Dahinter stehe auch das Bestreben der Stadt, nicht so schnell wachsen zu wollen und die Identität zu wahren. So finde in der Kurstadt - neben größeren Bauvorhaben wie beispielsweise an der Katharinenstraße oder südlich der Bahn - hauptsächlich Nachverdichtung statt.

Der Trend macht sich auch an der Zahl der Baugenehmigungen und Baufertigstellungen fest, die laut Marktbericht im Jahr 2009 auf einem der niedrigsten Stände seit dem Krieg lag.

"Laut demografischen Untersuchungen steigt der Zuzug von Personen in den nächsten zehn bis 15 Jahren ständig", ist sich Reitberger sicher. Vor allem im Gebiet südlich von München sei eine hohe Nachfrage zu erwarten. Dies treffe ab 2013 verstärkt auch für Bad Aibling zu, denn dann wird, wie berichtet, die Bahnverbindung von der Kurstadt nach München ausgebaut. "Viele Grund- und Hausbesitzer warten schon darauf und halten ihre Immobilien deshalb noch zurück", weiß auch der Bürgermeister, bei dem andererseits zahlreiche Anfragen - vielfach von zahlungskräftigen Kunden, darunter auch Prominente - nach Baugrund und Häusern eingehen. Die wenigen attraktiven Grundstücke, die wieder auf den Markt kommen, wenn beispielsweise jemand verstirbt, seien sofort wieder vergriffen.

Schwaller hat auch die Beobachtung gemacht, dass häufig ältere Bürger aus den umliegenden Stadtteilen wie Mietraching oder Ellmosen ihre Häuser verkaufen würden, um eine kleinere Wohnung in der Innenstadt zu beziehen, wo die Wege kürzer und die Versorgung (Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten et cetera) umfassender seien.

Nicht so groß hingegen ist die Nachfrage Schwaller und Reitberger zufolge bislang nach Wohnungen beispielsweise auf dem B&O-Gelände. "Ob das nur die Anfangsangst ist, weil man sich etwas weit ab vom Schuss fühlt und die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, oder ob es so bleibt, weil man ja doch ein Auto benötigt, um mobil zu sein, muss sich noch zeigen. Vielleicht ändert sich das auch mit der Umsetzung des Projekts ,City of Wood' (im kommenden Jahr sollen, wie berichtet, neben dem achtstöckigen Holzhaus weitere 20 Häuser in Holzbauweise entstehen, Anm. d. Red.)", so Schwaller.

Eine - wenn auch moderatere - Preisentwicklung auf hohem Niveau hat der Marktbericht auch für die Mangfalltal-Gemeinden Bad Feilnbach, Großkarolinenfeld, Kolbermoor, Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham festgestellt. Kolbermoor und Großkarolinenfeld hätten historisch gesehen niedrigere Immobilienpreise als ihre Nachbarstädte Rosenheim und Bad Aibling. Trotz knapper werdender Angebote betrage die Preisdifferenz bei Häusern und Wohnungen wie bisher zehn bis 15 Prozent.

In den letzten Monaten habe man laut Reitberger in den Mangfalltal-Gemeinden keine Stabiliserung der Kaufpreise beobachtet. Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs aufgrund des geringen Angebots hoch. Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist in den Gemeinden ebenfalls gestiegen - in den letzten zwei Jahren um etwa acht bis zehn Prozent. "Neubauten für den Mietwohnungsmarkt werden nur in sehr geringer Anzahl errichtet, Kapitalanleger kaufen derzeit Eigentumswohnungen", haben Reitberger und Glaser festgestellt. Dadurch sei innerhalb der nächsten Monate mit einem größeren Mietangebot zu rechnen.

Eine Stagnation der Mietpreise sei jedoch nicht zu erwarten. Diese liegen in den Kommunen (außer Bad Aibling) zwischen sechs und 8,10 Euro pro Quadratmeter, nähern sich jedoch dem Rosenheimer Niveau an. "Aufgrund des knappen Rosenheimer Angebotes weichen Mietsuchende von Häusern und großen Wohnungen auch auf die umliegenden Gemeinden aus."

Eva Langwieder (Manfall-Bote)

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