Alle Eschen müssen gefällt werden

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Die Vitalität der Eschen vor dem Kriegerdenkmal ist nach Aussage des Fachberaters schlecht, sie dünnen nach oben hin aus.

Kolbermoor - Der Bereich rund um das Kriegerdenkmal und den Friedhofseingang soll umgestaltet werden. Aus Sicherheitsgründen müssen auch alle 14 Eschen gefällt werden. 

Vorgesehen sind nach ersten Entwürfen ein geräumiger Vorplatz am Zugang zum Friedhof, die Neugestaltung der Namenstafeln und neuer Glanz fürs Denkmal an sich. Während die Planungen noch nicht abgeschlossen sind, könnte sich der Charakter des Vorplatzes schon in Bälde ändern: Nach Angaben der Stadt müssen sämtliche Eschen in diesem Bereich, insgesamt 14 Stück, aus Sicherheitsgründen, da erkrankt, gefällt werden. Ersatz ist vorgesehen.

In jüngster Sitzung des Stadtrates von Bürgermeister Peter Kloo bereits angekündigt, bestätigte nun im Rahmen eines Ortstermines Gartenfachberater Harald Lorenz vom Landratsamt Rosenheim die Nachricht: Alle 14 Eschen auf dem Areal des Kriegerdenkmals an der Ludwigstraße müssen gefällt werden - aus Sicherheitsgründen.

Bestürzt hatte im Stadtrat Grünen-Fraktionssprecher Georg Kustermann die Nachricht aufgenommen und um weitere Prüfung gebeten, ob zumindest einzelne Bäume erhalten bleiben könnten - schließlich würde dies einen massiven Eingriff ins Ortsbild bedeuten.

Ein mächtiger Baum, doch trotz fachgerechtem Verschluss des abgesägten Astes stellte Harald Lorenz Fäulnis und eine Wassertasche fest.

Bei einem Termin vor Ort, den Lorenz trotz heftigen Schneefalls wahrnahm, erläuterte der Experte Bürgermeister Kloo und Jürgen Halder vom Bauamt die Einzelheiten seiner im Januar durchgeführten Überprüfung: Bei einer sogenannten Sichtprüfung habe er bei sämtlichen Eschen teils erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt. "Die Vitalität der Bäume im oberen Kronendrittel ist durchwegs schlecht", erläuterte er. "Mindestens die Hälfte der Eschen hat keinerlei Zuwachs mehr und zieht sogar ein." Hinzu kämen an Einzelbäumen Pilzbefall, Spechtlöcher und Faulstellen - weitere schlechte Zeichen.

Seine Empfehlung deshalb: die Eschen, insgesamt 14 Stück, zu entfernen und eine angemessene Neupflanzung durchzuführen, was Halder als selbstredend unterstrich. Denn: Für jeden gefällten öffentlichen Baum in Kolbermoor würden in der Regel zwei neue gepflanzt, fügte er hinzu.

Ortstermin bei Wind und Wetter: Bürgermeister Peter Kloo (rechts), Fachberater Harald Lorenz (Mitte) und Jürgen Halder vom Bauamt.

Erhalten werden könnten indes die fünf Eichen - nach wie vor massiv und unbeschädigt, wie Lorenz ausführte. Die Eschen indes, wohl 1924 mit Errichtung des Kriegerdenkmals gepflanzt, müssten aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Die Baumart ist Lorenz zufolge bekannt für Astbruch im Alter aufgrund ihrer Faserstruktur und wird deshalb heute als Straßenbaum nicht mehr gepflanzt. Gerade in öffentlichen Räumen, wie hier im Bereich des Friedhofseingangs, müsste die Sicherheit im Vordergrund stehen, betonte der Fachberater.

Als wenig sinnvoll erachtet es Lorenz in seiner Expertise, die erkrankten Eschen durch Sicherungsmaßnahmen weiter zu erhalten. Zum einen wären dafür fachliche Gutachter notwendig, zum anderen würden durch Rückschnitt, Totholzentfernung und Sicherung Kosten von "etlichen tausend Euro" auflaufen. "Bei abgängigen Bäumen sind diese Investitionen weder nachhaltig noch sinnvoll", erklärte er.

Auch den Erhalt einzelner, noch nicht so stark befallener Bäume will Lorenz nicht empfehlen: Dann wären die verbliebenen Eschen ungewohnten Windlasten ausgesetzt, wodurch weiteres Gefahrenpotential entstehe, gab er zu bedenken. Zudem würden Neupflanzungen im Schatten des Bestandes schwierig gedeihen. Sein Vorschlag deshalb: eine neue Parklandschaft zu schaffen.

Eine Fachmeinung, die auch im Sinne der Stadtverwaltung ist: Mit Umgestaltung des Kriegerdenkmals soll im Grünbereich kräftig gepflanzt werden - "wobei die erkrankten Eschen zu keinem Zeitpunkt diesen Plänen im Wege gestanden wären, ganz im Gegenteil, sie waren sogar in die Entwurfsplanung wunderbar integriert", untermauerte Kloo, der in der Neupflanzung nun aber einen "Generationenwechsel" sieht: "Wenn unsere Kinder mal mächtige Bäume sehen sollen, dann müssen wir sie jetzt pflanzen."

Summa summarum beläuft sich der öffentliche Baumbestand in Kolbermoor nach den Worten von Halder auf rund 2000 Stück - ohne Stadtforst. Sie würden regelmäßig zweimal im Jahr auf ihre Sicherheit überprüft, gegebenenfalls müsse dann gehandelt werden - "aber leichtfertig schneiden wir keine Bäume um", versicherte Halder im Gespräch mit unserer Zeitung.

Rosi Gantner (Mangfall-Bote)

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