Bundesweit schon 1,2 Millionen Demenzpatienten

Kolbermoor - "Demenz - das große Vergessen" war der Titel einer gut besuchten CSU-Veranstaltung im Pfarrsaal Heilige Dreifaltigkeit.

Eingangs dankte Sebastian Daxeder dem Team des CSU-Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit Waltraud Giese, Renate Huber und Martin Elsen. Letzterer führte auch in das Thema ein.

"Unsere steigende Lebenserwartung haben wir unseren Lebensumständen und dem Fortschritt in der Medizin zu verdanken. Es gilt nicht nur dem Leben Jahre zu geben, sondern den Jahren Leben zu geben, ein Leitspruch, der für alle Menschen gelten sollte, auch für Menschen mit Demenz", so Elsen. Im Alter stellen sich Elsen zufolge große Herausforderungen: "gesund" und kompetent alt zu werden, die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit möglichst lange zu erhalten, die Lebensqualität auch in der letzten Lebensphase zu sichern und ein würdevolles Alter zu gestalten. An Demenz leiden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen, Tendenz steigend. Referentinnen waren aus dem Alzheimer-Therapiezentrum Bad Aibling die Psychologin Wenke Hunger, die Kunsttherapeutin Elisabeth Seidl, die Sozialpädagogin Antje Berner und Pflegetherapeutin Ohm.

Zielgruppe des Alzheimer-Therapiezentrums, so Berner, seien nicht nur Menschen mit Demenz, sondern auch deren Angehörige. Daraus resultiere auch die Behandlung auf drei Säulen: medizinische Behandlung, Rehabilitationsprogramm für Patienten und ein Programm für die Angehörigen. Demenz sei eine Beeinträchtigung der Hirnleistung und nicht heilbar, erläuterte Psychologin Wenke Hunger. Man wisse mittlerweile, dass zuerst die kurzfristigen Erinnerungen schwinden und die langfristigen noch verhältnismäßig lange bestehen blieben. Durch den Umgang mit diesem Wissen habe man gute Erfahrungen bei intensiven Beschäftigungstherapien gemacht. Noch etwas zu können und bestätigt zu werden, sei für die Erkrankten besonders wichtig.

Hier setzt die Kunsttherapeutin Elisabeth Seidl an. Die Kunsttherapie fordere und fördere das Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit. Aktivitäten wie Malen und Gestalten, Singen, Tanzen und Musizieren fordere die Patienten. Manch einer, der noch nie gemalt habe, bringe es noch zu erstaunlicher Kunstfertigkeit. Beim Singen kämen Erinnerungen an alte Texte und beim Tanzen gingen die Tanzschritte plötzlich ganz automatisch. Bewegung, Sport, Spiel und Geselligkeit seien für die Betroffenen enorm wichtig, so Seidl. Ebenso wichtig ist es laut Ohm, mit den Patienten zu sprechen und diese sprechen zu lassen. Auch wenn man dieselben Geschichten immer wieder neu zu hören bekäme, solle der Angehörige den Patienten immer wieder zum Erzählen auffordern. Entscheidungen müssten den Erkrankten abgenommen werden. Sie könnten selbst Kleinigkeiten wie " was essen wir heute" oder "was ziehe ich an" nicht mehr entscheiden. Sie lebten in der Vergangenheit. Arztbesuche sollten zudem immer auf den Nachmittag verlegt werden, damit der morgendliche Ablauf nicht gestört werde, so Ohm.

60 Prozent der Demenzpatienten würden zu Hause gepflegt. Daher sei es wichtig, alle rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten zu kennen und schon am Beginn der Krankheit die richtigen Schritte einzuleiten, so Sozialpädagogin Antje Berner. Der Abend schloss mit vielen Fragen von Angehörigen an die Referentinnen.

Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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