Fußballer bekommen endlich Kunstrasen

Kolbermoor - Je größer sportliche Erfolg, desto größer sind auch die Ansprüche eines Sportvereins - das ist beim SV-DJK Kolbermoor nicht anders. Der Stadtrat hat jetzt ein Konzept verabschiedet, das dem Rechnung tragen soll.

Lesen Sie hier den Bericht des Mangfall-Boten vom Samstag:

„Ein Stein vom Herzen“

Abwarten, überlegen und reden, reden, reden: Dann ergibt sich oft eine überraschende Lösung zum Vorteil und zur Zufriedenheit aller. Dies geschah jetzt in Sachen Kunstrasenfeld, das der SV-DJK Kolbermoor dringend bräuchte, die Stadt auch gern bezuschussen würde, soviel Geld aber auch nicht hat - und zudem die Frage nach dem maroden Spielplatz an der Turner-Alm offen lässt. Bürgermeister Peter Kloo und seine Mitarbeiter hatten immer wieder mit Vertretern des SV-DJK gesprochen und sich informiert, sogar noch bis vor der Sitzung des Stadtrats, in der die gefundene Lösung den Stadträten vorgestellt wurde. So stellt die Stadt dem SV-DJK jetzt erst einmal maximal 250.000 Euro für die Grundsanierung des Platzes Turner-Alm zur Verfügung. Der Sportverein muss den Bayerischen Landessportverband und andere mögliche Zuschussgeber "anzapfen", die Planung soll unverzüglich starten, damit der Platz möglicherweise schon im nächsten Herbst bespielbar ist. Zudem soll zur Deckung des langfristig benötigten Platzbedarfs bis 2012 das Kunstrasenfeld auf dem Areal Am Rothbachl in Angriff genommen werden. Auch hier müssen die Zuschussanträge gestellt und noch eventuelle Grundstückskäufe erledigt werden. Das Projekt kommt in den mittelfristigen Finanzplan; Nutzungs- und Eigentumsrechte zwischen Sportverein und Stadt müssen verhandelt werden. Außerdem hat man ein, zwei Jahre Zeit zur Planung.

Nach verhältnismäßig kurzer Diskussion, in der sich alle Stadträte erleichtert über diese Lösung zeigten, erhielt diese Idee die einstimmige Unterstützung aus dem Stadtrat.

Wie sehr die Sportler das Thema bewegt, war an der Zuschauerzahl im Sitzungssaal abzulesen: Die Stühle reichten bei weitem nicht aus; viele Zuhörer mussten "auf der Reservebank", wie Peter Kloo die Ablage über der Heizung umbenannte, Platz nehmen.

Erst hatte man gedacht, das Kunstrasenfeld gleich Am Rothbachl zu bauen. Dann wären auf die Stadt wohl 800.000 Euro an Kosten zugekommen. Zudem würde ja nur ein Feld ersetzt (das 1999 auch 120.000 Euro gekostet hatte) - und somit während der Bauzeit ausfallen. Zudem hätte sich am Zustand des Platzes Turner-Alm ja nichts geändert. Hätte man aber, wie auch überlegt worden war, das Kunstrasenfeld auf den südlichen Platz der Turner-Alm gebaut, wären dort dringend Sanitär- und Umkleideräume sowie Lärmschutzmaßnahmen erforderlich geworden. Damit wäre dieses Projekt noch teurer geworden - und außerdem wollte man eigentlich ja eine Stärkung des Sportgeländes Am Rothbachl. Zum Thema Finanzbelastung für die Stadt hatte es ganz gut gepasst, dass eingangs der Sitzung die Haushaltseckdaten für 2010 und die folgenden Jahre vorgestellt worden waren - man muss hier von einem Minus bei den Einnahmen und einem Plus bei den Ausgaben ausgehen (Bericht folgt).

Auch Günther Zellner betonte, ihm sei ein Stein von Herzen gefallen, als kurz vor der Sitzung diese Lösung gefunden worden sei. Außerdem wolle er sich nach einem Sportplatz umsehen, der vorübergehend genutzt werden könne, "von älteren Spielern, die mobil sind." Der Sportplatz Turner-Alm müsse aber auf jeden Fall gesichert werden.

"Autofahrer ohne Vernunft"

Auch Dagmar Levin, Dieter Kannengießer und Georg Kustermann lobten den gefundenen Weg. Dieter Heide regte an, gerade die Jugendmannschaften auch auf Schulplätzen trainieren zu lassen. Zur Lösung der oft katastrophalen Parksituation bei Spielen an der Turner-Alm hatte er ebenfalls eine Idee: Er appellierte an die Vertreter des SV-DJK, ihre Gastmannschaften doch zu bitten, auf den Parplätzen bei Lidl und An der Alten Spinnerei zu parken. "Das sind vielleicht 250 Meter Fußweg - wer zu einem Bayern-Spiel geht, ist in München viel länger unterwegs". Doch dass dazu jemand zu bewegen sei, glaubte eigentlich keiner im Sitzungssaal. Bürgermeister Kloo meinte sogar, "Autofahrer" und "Vernunft" passten nicht zueinander. Eine Meinung, die er bei einem späteren Punkt auf der Tagesordnung - der Verkehrssituation vor der Schule an der Breitensteinstraße - noch einmal bestätigt fand (Bericht folgt).

Markus Schiffmann meinte, man solle zwar 2012 als Ziel für das Kunstrasenfeld eingeben, die Örtlichkeit aber offen lassen. Dann habe man bei Grundstücksverhandlungen eine bessere Position - eine Ansicht, die der Bürgermeister allerdings nicht teilte. Zudem begänne man dann in zwei Jahren wieder mit der Diskussion um den Standort. "Wir wollen jetzt Nägel mit Kopfen machen", bekräftigte er.

Deshalb wurde in der Sitzung gleich noch beschlossen - wiederum einstimmig - den Vorentwurf für den Bebauungsplan "Turner-Alm" ins Verfahren zu schicken, also die Träger der öffentlichen Belange und der Nachbarn zu beteiligen, also ihre Meinungen und Vorschläge dazu einzuholen. Darin wird der Sportplatz planungsrechtlich gesichert, wird mit Lärmschutzmaßnahmen ausgestattet. Auch die Nachverdichtung im angrenzenden Wohngebiet wird geregelt.

fl/Mangfall-Bote

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