Große Diskussion über neue Hunderegeln 

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Wäre es schön, wenn es diese Schilder gar nicht geben müsste... Vielleicht hilft die neue Verordnung ja dabei.

Kolbermoor - Nachdem die Stadt neue Hunderegeln erlassen hat, ist eine kontroverse Diskussion ausgebrochen. Was halten Sie von den neuen Regeln?

„Wer Hunde in öffentlichen Anlagen oder auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen mit sich führt, hat dies so zu tun, dass andere nicht gefährdet oder geschädigt werden. Hundekot ist vom Besitzer des Hundes zu entfernen und zu entsorgen.“ Dies ist die Kernaussage der neuen Hundehalterverordnung, die jetzt vom Stadtrat erlassen wurde. Voran gegangen war eine umfangreiche Debatte, wegen der auch zahlreiche Zuhörer in den Sitzungssaal gekommen waren.

Bürgermeister Peter Kloo erläuterte, dass es regelmäßig Anfragen wegen eines „Leinenzwangs“ gäbe, dass diese aber seit dem Fall im Tonwerkgelände, bei dem vor einigen Wochen ein Polizist einen freilaufenden Hund erschossen hatte sich zahlenmäßig noch verstärkt hätten. Auch ein konkreter Antrag dazu sei eingegangen. Genauso sei aber auch eine Unterschriftenliste gegen den Leinenzwang eingegangen, in der die Unterzeichner zusätzlich noch die Ausweisung von zwei städtischen Hundespielwiesen forderten.

Kloo betonte, dass die Punkte in der Verordnung „eigentlich eine Selbstverständlichkeit“ seien – allerdings leider nicht für alle Hundebesitzer. So litten etwa die Fußballer in der Sportanlage am Rothbachl unter dem Hundekot („der Strafraum ist oft voll damit!“), und auch die städtischen Gärtner seien nicht begeistert, wenn sie mit ihren Rasentrimmern ständig auf Hundehaufen stoßen. In anderen Gemeinden, so die Auskunft der Aiblinger Polizei im Rahmen eines Sicherheitsgespräches, habe sich die Hundehaltungsverordnung bewährt. Mit der Verordnung als Handhabe könnten auch Bürger mit Zivilcourage uneinsichtige Hundehalter besser ansprechen.

Günther Zellner hielt eine Verordnung dagegen nicht unbedingt für erforderlich. Man könne ja im Einzelfall gegen den Hundehalter vorgehen, meinte er. Er plädierte dafür, dass man erst einmal an die Leute appellieren sollte. Auch Gerhard Duschl meinte, dass gerade an Mangfall und Kanal der Leinenzwang unzweckmäßig sei – „unten läuft er frei, oben soll er an die Leine?“ Außerdem müsse man schon das Sozialverhalten der Hunde beachten. Als „Verwaltungsbeschaffungsprogramm“ bezeichnete Sebastian Daxeder die Verordnung.

Die SPD dagegen begrüße eine derartige Verordnung, so Dagmar Levin. „Der Schutz des Menschen geht vor,“ sagte sie. Sie wohne am Mangfalldamm – „wie es da zugeht!“ – und sogar in der Nähe ihres Geschäftes, mitten auf dem Gehsteig, sei genau am Tag der Sitzung wieder ein riesiger Hundehaufen gewesen. Außerdem würden die Situationen immer unübersichtlicher, denn viele Leute hätten inzwischen zwei oder drei Hunde.

Selbst Hundehalter sind vor unliebsamen Begegnungen nicht gefeit: So erzählte Sonja Weczerek, dass genau auch am Tag der Sitzung ihr Mann im Tonwerkgelände vom freilaufenden Hund einer Radlerin bedrängt worden sei. Trotzdem plädierte sie dafür, die Bereiche Mangfall und Kanal erst einmal aus dem Anlein-Bereich zu nehmen und wollte darüber abstimmen lassen.

Eigens mit dem Tierheim hatte Alfred Thunig Kontakt aufgenommen. Hier würden drei Hunde pro Woche abgegeben. Denn es sei modern, sich einen Hund zu halten, habe er festgestellt, doch dann passen die Umstände nicht, und der Hund muss ins Tierheim. „Der Leidtragende ist der Hund,“ meinte er. Er sprach sich für eine Regelung aus, und auch Dieter Kannengießer betonte, die geplante Verordnung sei „keine Überreglementierung“.

Sie sei als Kind von einem Hund ins Gesicht gebissen worden, warf Else Huber ein. Und sie habe Angst, wenn sie als Radlerin von einem Hund verfolgt werde. Eine Kommunikation mit den (unvernünftigen) Hundebesitzern sei nicht möglich. Deshalb bat sie, die Bereiche Mangfall und Kanal im Anlein-Bereich zu lassen.

Georg Kustermann regte an, jeweils nur die hoch frequentierte Seite von Mangfall und Kanal mit dem Leinen-Gebot zu belegen und wollte auch dazu einen Beschluss. Bürgermeister Peter Kloo ließ dann der Reihe nach abstimmen: 15 Stadträte waren für die Verordnung, sechs (aus Reihen von CSU und Republikanern) waren dagegen. Nur vier Räte wären generell dafür gewesen, die Bereiche Mangfall und Kanal aus dem Anlein-Bereich zu nehmen (Antrag Weczerek). Beim Antrag Kustermann wurde die versuchte Definierung der jeweiligen Abschnitte an den verschiedenen Dämmen allerdings überaus schwierig und unübersichtlich, und Markus Schiffmann schlug vor, es doch bei der ursprünglichen Formulierung (dem Vorschlag der Verwaltung) zu belassen.

Das wurde mit 20 Stimmen angenommen – die Verordnung wird also mit der Mehrheit von 15 Stimmen wie geplant erlassen. In Kolbermoor gibt es laut Albert Paukert, dem Chef des zuständigen Ordnungsamtes, 820 angemeldete Hunde. Fünf Kampfhunde leben in der Stadt; davon vier Rottweiler. Immer wieder gebe es auch Einzelfall-Anordnungen, wenn etwa nicht die zierliche Frau den riesigen Hund führen dürfe, sondern nur ihr kräftiger Mann.

fl/Mangfall-Bote

Die Einzelheiten der neuen Regelung

Die Kolbermoorer Hundehaltungsverordnung basiert auf dem Bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetz.

Sie besagt in Paragraf 1, dass Hundebesitzer ihre Hunde in öffentlichen Anlagen, auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen so führen müssen, dass andere nicht gefährdet oder geschädigt werden. Hundekot muss entfernt und entsorgt werden.

Zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum und zur Wahrung der öffentlichen Reinheit sind Kampfhunde und große Hunde auf allen Schulhöfen, in allen Kindertageseinrichtungen, auf allen Sportanlagen, auf Verkehrswegen im Gebiet des Tonwerksweihers, entlang der Mangfall und entlang des Werkkanals stets an einer reißfesten Leine von höchstens 150 Zentimetern Länge zu führen sind. Die Person, die einen leinenpflichtigen Hund führt, muss dabei jederzeit in der Lage sein, das Tier körperlich zu beherrschen.

Von Kinderspielplätzen und deren näherem Umfeld sind Kampfhunde und große Hunde fernzuhalten (selbst wenn sie angeleint sind).

Definiert wird, welche Hunde als Kampfhunde und als große Hunde eingestuft werden. „Große“ sind auf jeden Fall alle erwachsenen Schäferhunde, Boxer, Dobermänner und Deutsche Doggen; dazu alle, deren Schulterhöhe mindestens 50 Zentimeter beträgt. Ist ein Hund kleiner als 50 Zentimeter, aber bissig, gilt wiederum Paragraf 1.

Ausnahmen gibt es etwa für Blinden-, Polizei-, Zoll- oder Rettungshunde. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung stellen den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit dar und können mit Geldbußen im Rahmen von fünf bis 1000 Euro belegt werden.

Die Hundehaltungs-Verordnung tritt eine Woche nach ihrer Bekanntmachung in Kraft und gilt 20 Jahre.

fl/Mangfall-Bote

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