Entwicklung der letzten Fläche im Spinnereigelände

"Ein Hundescheißplatz, auf dem ab und zu ein Zirkus quartiert"

Die Blutbuche auf dem Spinnereigelände muss einem Bauprojekt weichen
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Die Blutbuche auf dem Spinnereigelände muss einem Bauprojekt weichen

Kolbermoor - Bleibt die Blutbuche im Spinnereigelände oder nicht? Darum drehten sich die Diskussionen in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. 

Mit Transparenten und rund 330 Unterschriften für den Erhalt der Blutbuche auf dem Gelände vor der Kunstakademie in der alten Spinnerei empfingen Vertreter des Bund Naturschutz die Mitglieder des Stadtrates. 

Es geht um die Änderung des Bebauungsplanes in der Spinnerei-Nord und ein geplantes Wohn- und Geschäftsgebäude auf dem noch unbebauten Grundstück neben dem REWE Supermarkt und der Kunstakademie. 

Architekt Andreas Leupold von LBGO-Architekten, präsentierte dem Stadtrat am Mittwochabend die Pläne für die nördlich der Kunstakademie gelegene Fläche. "Das Thema bewegt, das sehen wir besonders in den letzten Tagen", so der Planer. Nach seiner Auffassung werde Kolbermoor derzeit mit der unbebauten Situation an dieser Stelle der Entree-Situation nicht gerecht. "Man kann das als städtebauliches Vakuum bezeichnen. Das ist eine der letzten Flächen, wo in Kolbermoor noch Stadtentwicklung passieren kann." Mit der Bebauung könne die Entwicklung des nördlichen Teilbereiches des Spinnereigeländes städtebaulich abgeschlossen werden.

Große Nachfrage nach Wohnraum und Büros

Leupold erläuterte weiter, dass die Nachfrage nach großen zusammenhängenden Büros, nach Wohnungen und einzelnen Zimmern besonders durch Kunststudenten enorm groß sei, weswegen eine Mischung aus Büroflächen und Wohnungen entstehen soll. Auch sogenannte "Boardinghäuser" für Akademiestudenten werden dort untergebracht. Das Konzept: Im Erdgeschoss Läden, im ersten Obergeschoss Wohnen und Büros und im zweiten Obergeschoss Wohnen und Boardinghäuser. 

Ein grüner Innenhof mit grünen Fassaden soll Aufenthaltsqualität schaffen. Das Gebäude sei derzeit mit 13 Metern Wandfläche geplant und ist somit niedriger as die Akademie. "Ein Vakuum tut der Stadt nicht gut, das muss mit Leben und Vielfalt gefüllt werden."

Weiter sei eine Vernetzung zwischen alter Spinnerei und der Altstadt durch eine sogenannte Stadtachse geplant. 

Was wird mit dem Baum passieren?

Die Planungen erfordern jedoch ein Fällen der Blutbuche auf dem Gelände. "Es ist immer blöd, einen Baum nicht integrieren zu können", so Leupold. Der Planer sei sich aber nicht sicher, ob der Baum das überleben würde, würde man ihn integrieren. "Wir haben wahrscheinlich 100 Varianten erstellt, aber auch wenn man um den Baum herum bauen würde, wäre es nicht sicher, dass er überlebt. Wenn der Baum nicht überlebt, wäre das städtebaulich sehr schlecht. Wir glauben, dass das Haus einen riesen Einfluss hat auf diesen Bereich."

Grüne nicht überzeugt von der Planung

Georg Kustermann (Grüne Liste) findet ein "Vakuum" keine Urbane Katastrophe, wie er in der anschließenden Diskussion betonte. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass das die beste Lösung für Kolbermoor ist. Stadtplanung ist immer eine emotionale Sache." Kustermann störte im Prozedere, dass die Alternativplanung mit dem Erhalt der Buche nicht immer fair gelaufen sei. Man müsse nicht so bauen, dass der Baum fällt, es würde auch anders gehen, beispielsweise mit einem kleineren Baukörper. Er stellte deswegen den Antrag, zuerst darüber abzustimmen, ob man die Blutbuche fest in die Planungen integriere. 

Antag abgelehnt

Der Antrag wurde mit einer knappen Mehrheit von 11:12 Stimmen angelehnt. Die Buche muss also weg.

Sicht der anderen Fraktionen

Für Kolbermoors zweiten Bürgermeister Dieter Kannengießer (Parteifreie) gehe es hier nicht um Emotionen sondern um Bauleitplanung und er sei der Auffassung, dass man die Planung auf den Weg bringen könne. 

Aus Sicht der CSU-Fraktion sei die Planung so nicht optimal, so Fraktionsvorsitzender Sebastian Daxeder. "Uns wird das hier so vorgestellt, als gäbe es keine vernünftige Lösung mit Baum, das glaube ich nicht." Er trug auch die Bitte vor, bei der Behandlung einer Baumaßnahme in dieser Größe und mit dieser städtebaulichen Tragweite künftig anders zu verfahren. "Wir halten es für angemessen, dass der Stadtrat in solchen Fällen früher eingebunden wird." Darüber hinaus äußerte er sich noch zu verschiedenen Punkten wie Verkehr, Immissionen und Gestaltung.

Dritte Bürgermeisterin Dagmar Levin (SPD) meint, dass jeder emotional an der Buche hänge. Dennoch finde die SPD die Planungen so sinnvoll und schlüssig. "Gerade ist es ein Hundescheißplatz, auf dem ab und zu ein Zirkus quartiert. Ein Bankerl unter der Rotbuche direkt am Kreisel ist nicht das, was wir wollen.“ Aus städtebaulicher Sicht müsste die Fläche tatsächlich mit Leben gefüllt werden. Die Frage sei, ob man die Blutbuche für dieses Projekt opfern wolle. "Würde dort ein Parkhaus entstehen, wäre die Antwort ganz klar: nein!"

Den Ausführungen der dritten Bürgermeisterin schloss sich auch Sonja Weczerek (Republikaner) an. Ihr blute auch das Herz wegen diesem Baum, aber damals habe es auch schon große Diskussionen gegeben und jetzt habe man ein sehr schönes Areal. 

Die Abstimmung

Mit vier Gegenstimmen aus der Grünen-Fraktion stimmte der Stadtrat letztendlich mit breiter Mehrheit dem Bebauungsplanänderungsentwurf zu. Nächster Schritt ist nun die öffentliche Auslegung. Hierbei kann auch die Bevölkerung Bedenken und Belange äußern. Die Einwände werden dann im Stadtrat beraten.

Quelle: mangfall24.de

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