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Wie soll das Kolbermoor von morgen aussehen?

„Das ist kein zukunftsgerechtes Bauen“: Was Bürgermeister Kloo bei Wohnbau-Projekten am meisten ärgert

Wie kann das Bauen möglichst zukunftstauglich gestaltet werden? Das ist, so sagt Bürgermeister Peter Kloo, die zentrale Frage, die der Bauausschuss der Stadt Kolbermoor im Blick behalten und beantworten muss.
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Wie kann das Bauen möglichst zukunftstauglich gestaltet werden? Das ist, so sagt Bürgermeister Peter Kloo, die zentrale Frage, die der Bauausschuss der Stadt Kolbermoor im Blick behalten und beantworten muss.

In der kommunalen Verwaltung gehöre das Baurecht zweifellos zu den schwierigsten Kapiteln, sagt Bürgermeister Peter Kloo. Und genau das ist für ihn der Grund, dem Bauausschuss des Stadtrates besondere Bedeutung zuzumessen: „Er ist das Gremium, das dafür sorgen soll, dass bei all den juristischen und fachlichen Abwägungen auch der gesunde Menschenverstand eines normalen Bürgers mit zu Wort kommt.“

Kolbermoor – Was das heißt, lässt sich am besten bei Arealen zeigen, für die die Stadt keine Bauleitplanung erstellt hat. Ob ein Gebäude dort errichtet werden darf, hängt entscheidend davon ab, ob es sich nach „Art und Maß“ in seine Umgebung einfügt. Über das Problem, was „Art und Maß“ in einem solchen Fall genau sind, lassen sich ganze juristische Kommentarbände füllen, ohne der definitiven Antwort näher zu sein.

Deshalb ist es in Bayern bislang noch so, dass die Frage, ob ein Bau genehmigungsfähig ist, nicht sofort von der Stelle beantwortet wird, die am Ende die tatsächliche Entscheidung fällt, nämlich vom Landratsamt als Vertreterin des Freistaates Bayern. Vorgeschaltet ist vielmehr die Kommune, die über das „gemeindliche Einvernehmen“ zu befinden hat. Dadurch fließen über die Bauausschussmitglieder in den juristischen und damit abstrakten Verwaltungsprozess die Ortskenntnis und die Lebenserfahrung von Menschen ein, die in genau dieser Kommune leben.

Mit Ortskenntnis und Lebenserfahrung

Wenn es grundsätzlicher wird, wenn es um die Frage der Gestaltung ganzer Stadtbereiche geht, ist die Bevölkerung auch selbst mit eingebunden. Wenn Bauleitpläne erstellt werden, müssen diese öffentlich ausgelegt werden – in der Regel sogar mindestens zweimal im sogenannten Vorentwurfsstadium und im Entwurfsstadium. Jeder Bürger hat dabei die Möglichkeit, Einwände oder auch Anregungen vorzubringen, die dann auch, so die Gesetzesvorgabe, im Einzelnen gewürdigt und abgewogen werden müssen. Das ist wichtig, denn in diesen Bauleitplänen, aber auch in den Einzelentscheidungen für Bauvorhaben auf „bauleitplanfreiem Gebiet“ wird nichts anderes als das Gesicht der Stadt von morgen festgeschrieben.

Dabei geht es nicht nur um das bloße Äußere der Stadt Kolbermoor. Es geht auch um die Frage, ob in ihr ein erfüllendes und gedeihliches Zusammenleben möglich ist. Wie tiefgreifend dieses Problem ist, und wie schwierig es bisweilen zu lösen ist, macht Bürgermeister Peter Kloo an einem Beispiel deutlich: Auf einem Baufenster wird von einem Bauwerber ein mehrspänniges Reihenhaus geplant. Um so viele Familien wie möglich unterzubringen, wird das Grundstück – wie heute fast die Regel – buchstäblich bis auf den letzten Zentimeter ausgereizt. Die Gärten sind schmale Flecken, die nur über das Wohnzimmer zu erreichen sind. Die Geschosse werden nicht über ein abgetrenntes Treppenhaus, sondern durch eine mitten im Erdgeschosswohnraum befindliche Treppe erschlossen.

„Das ist kein zukunftsgerechtes Bauen“, sagt Peter Kloo. „Schon für die Kinder nicht, die darin aufwachsen sollen und keinerlei Platz zum Spielen haben: in den Gärten nicht und auch sonst auf dem Grundstück nicht, weil dafür gar kein Raum mehr übrig bleibt. Es ist aber auch nicht seniorengerecht. Spätestens wenn einer der Bewohner nicht mehr Treppen steigen kann wird es für diesen endgültig zur Wohnbauruine. Von einem Pflegefall ganz zu schweigen. Das Bett könnte noch im Erdgeschoss aufgestellt, nicht aber das Bad verlegt werden.“

Nun könnte man einwenden, dass es nicht Sache der Stadt und damit nicht Sache des Stadtrates oder seines Bauausschusses sei, sich darum zu sorgen, ob ihre Bürger vernünftige und zukunftstaugliche Häuser haben oder nicht. Das aber, so meint Peter Kloo, wäre zu kurz gedacht. Lebensqualität in einer Stadt hänge nicht nur davon ab, ob es grüne Flächen, einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr und Freizeitmöglichkeiten gäbe. Diese hänge entscheidend auch davon ab, ob die Bürger in ihren Vierteln zufrieden leben könnten – egal ob sie noch im Erwerbsleben stünden oder schon in Rente seien.

Mehr Platz zum Leben erhalten

Kloo ist überzeugt: „Zufrieden und in Frieden leben – Wohnbebauungen, die so eng konzipiert sind, dass jedes spielende Kind zum Stör- und Streitfaktor wird, in der Bettlägerigkeit unweigerlich zum Auszug führt, sind diesem Ziel bestimmt nicht förderlich.“

Die Handhabe der Stadt in einem solchen Fall ist jedoch begrenzt, die Vorgabe, dass der Bau sich nach Art und Maß in die Umgebung einfügen muss, geht an solchen Fragen völlig vorbei. Die einzige Möglichkeit, die es für den Bauausschuss gibt, um für einen zukünftigen Bau eine Planung mit mehr Platz zum Leben zu erreichen, ist, so seltsam es klingen mag, nicht selten die Stellplatzsatzung. Wie viele Autostellplätze pro Wohneinheit festgelegt sind, ist nämlich anders als Lebensqualität ein „hartes“ Kriterium. Und nicht selten kann dieses nur dadurch erfüllt werden, dass die Zahl der Wohnungen – und damit die der Stellplätze – reduziert wird, was am Ende tatsächlich Platz zum Leben schafft.

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